„Stehen hinter Bewerbung“

Olympische Spiele in Deutschland rücken näher: Faeser nennt konkretes Jahr

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Während das IOC den Ausrichter für die Olympischen Spiele 2030 bekannt gibt, arbeitet auch Deutschland an einer Bewerbung. Faeser will Spiele zu 50 Jahren Wiedervereinigung.

Am Freitag (26. Juli) starten offiziell die Olympischen Sommerspiele in Paris. Bald könnte es auch wieder Wettkämpfe in Deutschland geben. Die Bundesregierung hat dafür nun den Weg geebnet – und ein lange eingefordertes Bekenntnis abgegeben.

Olympia in Deutschland im Jahr 2040? Faeser macht den Weg frei

Das Kabinett hat am Mittwoch beschlossen, eine gemeinsame Erklärung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie an einer Bewerbung interessierten Bundesländern und Städten zu unterzeichnen. Das werde am 2. August Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser (SPD) tun. Der Bund will sich von 2024 bis 2027 mit insgesamt 6,95 Millionen Euro anteilig an den Kosten für den Olympiabewerbungsprozess beteiligen.

„Wir wollen Olympia in Deutschland verbinden mit 50 Jahren deutscher Einheit“, erklärte Faeser. Das heißt: Die Bewerbung dreht sich um das Jahr 2040. Die Wiedervereinigung trat am 3. Oktober 1990 in Kraft. Die Bundesregierung stehe „geschlossen hinter einer deutschen Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2040“, so Faeser. Absender einer Bewerbung werde „letztlich der DOSB sein“, erklärte das Innenministerium.

Deutschlands größte Olympia-Helden

Carl Schuhmann bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen
Rang elf, den sich insgesamt drei deutsche Sportlerinnen und Sportler teilen: Carl Schuhmann (1869 - 1946). Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, die 1896 in Athen stattfanden, sicherte sich der gebürtige Westfale starke vier Gold-Medaillen in verschiedenen Turndisziplinen sowie im Ringen. Schuhmann war von Beruf Goldschmied, sein Grab liegt heute in Berlin. © IMAGO/ANE Edition
Bärbel Wöckel freut sich beim Zieleinlauf über ihren Olympiasieg
Rang elf: Leichtathletin Bärbel Wöckel (*1955) ging für die DDR an den Start und sicherte sich insgesamt viermal Olympia-Gold im 200-Meter-Lauf sowie in der 4-mal-100-Meter-Staffel. Auf dem hier zu sehenden Bild freut sie sich beim Zieleinlauf über ihren Olympiasieg in Moskau (1980). © IMAGO/Karl-Heinz Stana
Nicole Uphoff
Platz elf nimmt unter anderem Nicole Uphoff, hier zu sehen bei einer Olympia-Siegerehrung 1992, ein. Sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Dressurreiterinnen aller Zeiten und gewann unter anderem vier Goldmedaillen bei den olympischen Sommerspielen. © IMAGO/Sven Simon
Ruder-Ass Kathrin Boron
Platz neun: Ruder-Ass Kathrin Boron (*1969), die zunächst für die DDR und später für die BRD bei Olympia antrat. Zwischen ihrer ersten Olympiade 1992 in Barcelona und ihrem letzten Auftritt in Peking 2008 sammelt sie insgesamt viermal Gold und einmal Bronze. © imago/sportfotodienst
Springreiter Ludger Beerbaum
Rang neun mit vier Gold- und einer Bronzemedaille geht unter anderem an den Springreiter Ludger Beerbaum (*1963), der bei der Olympiade 2004 in Athen sogar Fahnenträger der deutschen Mannschaft war. © imago/sven simon
Katrin Wagner-Augustin bei den Olympischen Sommerspielen in London. Die Kanutin gewann insgesamt viermal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze.
Katrin Wagner-Augustin bei den Olympischen Sommerspielen in London. Die Kanutin gewann insgesamt viermal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze. © imago sportfotodienst
Roland Matthes nach der Ankunft in München
Roland Matthes (1950 - 2019) war einer der populärsten DDR-Sportler und nimmt im deutschen Sommerolympia-Ranking Rang sieben ein. Insgesamt brachte er es auf eine Ausbeute von vier Gold-, zwei Silber- sowie zwei Bronzemedaillen. © imago/Karl-Heinz Stana
Schwimmerin Kornelia Ender
Platz sechs der besten deutschen Olympia-Teilnehmer geht an die Schwimmerin Kornelia Ender (*1956), die für die DDR vier Gold- und vier Silbermedaillen gewann. Ihre ersten drei Silber-Siege feierte die Sportlerin, die später Doping zugab, dabei 1972 mit gerade einmal 13 Lenzen. Hier im Bild sieht man Ender bei der Siegerehrung (200 Meter Freistil) bei den olympischen Sommerspielen in Montreal. © IMAGO/WEREK
Springreit-Legende Hans Günter Winkler
Springreit-Legende Hans Günter Winkler (1926 - 2018) gehört der fünfte Rang in der Geschichte der größten deutschen Sommerolympia-Helden. Fünfmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze zählen zur stattlichen Ausbeute von „HGW“. Unvergessen: 1956 sicherte er sich trotz einer schmerzhaften Leistenverletzung zweimal Gold! © IMAGO/MKA
OTTO Kristin sechsfache Olympiasiegerin von Seoul
Auf Rang vier in der Erfolgshistorie deutscher Olympia-Historie findet sich Schwimmerin Kristin Ott (*1966). Bemerkenswert all ihre sechs Goldmedaillen sicherte sich die DDR-Athletin bei der Sommerolympiade im Jahr 1988 in Seoul. © imago/sportfotodienst
Dr. Rainer Klimke (BRD) verabschiedet sich zufrieden von seinen Anhängern
Dressur- und Vielseitigkeitsreiter Dr. Reiner Klimke (1936 - 1999), hier bei seiner letzten Olympiade in Seoul (1988), gilt als der aktuell drittbeste deutsche Sommerolympionik aller Zeiten. Seine Bilanz: 6 x Gold und 2 x Silber. © imago/sportfotodienst
Dressurreiterin Isabell Werth
Dressurreiterin Isabell Werth (*1969) bringt es als bislang zweitbeste deutsche Olympiateilnehmerin auf satte sieben Gold- und fünf Silbermedaillen. Aufgrund etlicher weiterer Titel gilt sie weltweit als erfolgreichste Reiterin und Dressurreiterin. © imago/sportfotodienst
Birgit Fischer Kanu Olympiasiegerin
Viel besser geht es nicht: Die frühere Kanutin Birgit Fischer (*1962) ist mit acht Gold- und vier Silbermedaillen die erfolgreichste deutsche Olympionikin in der bisherigen Sportgeschichte. Darüber hinaus ist die gebürtige Brandenburgerin die zweiterfolgreichste Olympia-Teilnehmerin (Sommerspiele) allerzeiten. © imago/sportfotodienst

Nun klar: Keine 2036 Olympischen Spiele in Deutschland

DOSB-Präsident Thomas Weikert hatte erst am Dienstag unterstrichen, aus Sicht des Sports wolle man sich auch die Option 2036 offenhalten, wenn man informelle Gespräche mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aufnehme. Über einen deutschen Anlauf schon für 2036, genau 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von Berlin, war kontrovers diskutiert worden. Berlin, Hamburg, Leipzig, München und die Region Rhein-Ruhr haben ihr Interesse an einer Bewerbung mit Absichtserklärungen konkret bekundet.

Die vergangenen Olympia-Kampagnen in Deutschland waren indes am Widerstand und dem Votum der Bevölkerung in München und Hamburg gescheitert. Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland fanden 1972 in München statt. Wie damals bewirbt sich Deutschland nun um die Ausrichtung von Sommerspielen.

Die letzten Olympischen Spiele in Deutschland fanden 1972 statt, hier die Ringe vor dem Münchner Olympiastadion. Sportministerin Faeser will nun einen Neuanlauf um eine Bewerbung.

FDP: „Neue Generation von Sportbegeisterten durch Olympia“

Olympische und Paralympische Spiele seien „eine große Chance für unser Land“, sagte Faeser: „Sie wecken nicht nur Sportbegeisterung, sondern können auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Impulse für die Wirtschaft setzen. Wir können zeigen, für welche Werte unsere freiheitliche Demokratie steht.“

Unterstützung für den Vorstoß kommt von der FDP. Der sportpolitische Sprecher der Fraktion, Philipp Hartewig, sagt IPPEN.MEDIA: „Gerade zum Start der Olympischen Spiele ist der Beschluss ein großartiges Zeichen. Ich bin überzeugt, dass wir als Nation bereit sind, dieses bedeutende internationale Ereignis erneut nach Deutschland zu holen.“

Hartewig sieht in vergangenen Großveranstaltungen im Land positive Orientierungspunkte. „Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land hat zuletzt wieder einmal gezeigt: Sport vereint Menschen unterschiedlichster Herkunft, fördert den sozialen Zusammenhalt und vermittelt Werte wie kaum ein anderer Bereich“, so der FDP-Politiker. „Eine erfolgreiche Olympiabewerbung könnte diese positiven Effekte verstärken und eine neue Generation von Sportbegeisterten inspirieren.“ (as/sid)

Rubriklistenbild: © Imago/SvenSimonThomas Frey/dpa (Montage)

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