SGE-Neuzugang Omar Marmoush: Allein in Klein-New-York
VonIngo Durstewitz
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Omar Marmoush sucht noch die richtigen Wege bei der SGE. Er brennt aber für das Projekt Eintracht Frankfurt und ist voller Vorfreude.
Frankfurt - Eine gewisse Orientierungslosigkeit kann und will Omar Marmoush gar nicht verbergen. Für den ägyptischen Zugang der Eintracht ist alles neu in Frankfurt, das Areal am Stadion ist groß, die Wege weit, das Proficamp verschachtelt.
Nachdem sich der 24-Jährige am Freitag erstmals der breiten Öffentlichkeit vorstellte und einen guten ersten Eindruck hinterließ, wollte er sich wieder auf den Weg in den Kabinentrakt machen, fand aber den rechten Weg nicht, weshalb er keine 60 Sekunden nach seinem Abgang den Kopf in den Presseraum steckte und freundlich nach Eintracht-Sprecher Bartosz Niedzwiedzki verlangte. „Äh, wo muss ich denn hin?“, fragte er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Dem Mann konnte geholfen werden.
Omar Marmoush
Geboren:
7. Februar 1999 (Alter 24 Jahre), Kairo, Ägypten
Position:
Mittelstürmer
Vertrag bei Eintracht Frankfurt bis zum:
30. Juni 2027
Marktwert:
6 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de)
„Wie New York“: Eintracht-Zugang Marmoush muss sich noch an Frankfurt gewöhnen
Man muss das verstehen: Der schnelle Offensivspieler kickte zuletzt für den VfL Wolfsburg, in der Autostadt am Mittellandkanal also, wo der Bahnhof gleichzeitig der Mittelpunkt im Stadtbild ist. Frankfurt ist da eine ganz andere Hausnummer, „das ist eine große Umstellung“, flötet Omar Marmoush und erzählt lachend: „Das ist für mich hier wie New York, ich bin so ein bisschen überfordert.“ Gut, dass die Mitspieler alles dufte Typen sind, in der Umkleidekabine sitzt er neben Führungskraft Kevin Trapp. Der kennt sich aus.
Und es ist ja nicht so, dass sich der Ägypter in Großstädten generell nicht zurechtfindet. Er ist in Kairo aufgewachsen und hat lange in der pulsierenden Zehn-Millionen-Metropole gelebt. Vor sechs Jahren kam er nach Wolfsburg – und hat seitdem fleißig mit einem Privatlehrer Deutsch gebüffelt. Der Lohn: Er beherrscht die fremde Sprache ganz hervorragend. Das hilft natürlich auch, Barrieren zu überwinden und sich schnell zu integrieren. Damit hat er sowieso kein Problem. „Ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen“, befindet er. „Ich bin ein Straßenjunge.“
„Ich war direkt überzeugt“: Marmoush schwärmt vom „Projekt“ Eintracht Frankfurt
Omar Marmoush fühlt sich gut aufgehoben in der ungewohnten Umgebung, die Vorfreude und Aufregung springen die Zuhörer förmlich an, wenn er von dem „Projekt“ Eintracht spricht. Er grinst und feixt und scheint kaum glauben zu können, dass er nun ein Teil dessen ist, was ihn schwer beeindruckt hat. „Der Verein ist riesig, hat eine richtige Strahlkraft.“ Und überhaupt: „In den letzten Jahren ging es nur nach oben, das weiß jeder in Deutschland, du kannst an der Eintracht gar nicht vorbeischauen.“
Deshalb habe er nicht lange nachdenken müssen, als Sportvorstand Markus Krösche ihn vor drei, vier Monaten fragte, ob er sich vorstellen könne, in Zukunft mit dem Adler auf der Brust auflaufen zu wollen. „Ich war direkt überzeugt“, sagt er. „Ich möchte hier den nächsten Schritt gehen, es ist perfekt für mich.“ Der Klub habe große Ambitionen, genauso wie er persönlich. „Das passt.“
Neu-Frankfurter Omar Marmoush: Vorbild Kolo Muani
Der flinke Stürmer blickt auf ein insgesamt ganz gutes Jahr in Wolfsburg zurück. In 15 von 33 Spielen stand er in der Startformation, fünf Tore sind herausgesprungen, natürlich auch eines gegen die Eintracht. Damals hatte sich schon abgezeichnet, dass er in der neuen Saison die Farben wechseln würde. Doch Gnade kannte er nicht. Er war damals noch in Wolfsburg angestellt. „Da ist es klar, dass ich 100 Prozent für meinen Verein gebe.“
Mit seiner Bilanz ist er ganz zufrieden, will jetzt aber noch mehr. Dass es schwer wird, ist ihm klar, die Konkurrenz ist groß. „Ich werde hart arbeiten“, sagt er. Vielleicht könne er ja sogar eine Doppelspitze mit Randal Kolo Muani bilden, wenn dieser bleiben und Coach Dino Toppmöller auf zwei Stürmer setzen würde. „Kolo ist riesig“, sagt Marmoush beinahe ehrfürchtig. „Ich habe mir einiges bei ihm abgeschaut. Ich wünsche mir, mit ihm hier zu spielen.“ Wo genau er im Angriff eingesetzt wird, ist dem 18-fachen Nationalspieler nicht so wichtig.
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In der Länderauswahl spielt er Linksaußen, in Wolfsburg und in Stuttgart, wohin er zuvor ausgeliehen war, stürmte er zentral. Ihm ist beides recht. Vorgenommen hat er sich, kaltschnäuziger zu werden. Er komme häufig in vielversprechende Abschlusssituationen, doch „der letzte Push fehlt, ich möchte meine Torchancen besser nutzen.“
Nach gemeinsamer Zeit in Wolfsburg: Kovac gratuliert Marmoush zu SGE-Wechsel
Niko Kovac, der frühere Frankfurter und aktuelle Wolfsburger Coach, riet ihm auch dazu, an seiner Defensiveinstellung zu arbeiten. „Wenn er denkt, er muss wie Messi spielen, dann wird’s problematisch“, sagte der Kroate über seinen Schützling, den er oft lobte, aber auch hart anpackte, wenn es sein musste. Im April dieses Jahres strafte Kovac seinen Spieler erbarmungslos ab, in der Partie gegen den VfL Bochum wechselte er ihn zur zweiten Halbzeit ein und holte ihn nach nicht mal 20 Minuten schon wieder runter.
„In dem Moment ist man natürlich sauer“, erinnert sich Marmoush. Aber er habe zu Kovac eine sehr gute Beziehung gehabt. „Er hat es mir erklärt. Ich habe es akzeptiert.“ Und nachtragend sind sie beide nicht. Nachdem der Wechsel feststand, habe Kovac, Eintracht-Mitglied auf Lebenszeit, ihm ausdrücklich gratuliert und ihm gesagt: „Du kommst zu einem Top-Verein, das ist ein Top-Schritt für dich.“ (Ingo Durstewitz)