Bei den Olympischen Spielen in Paris sind kaum Transathleten dabei. Weil sie einen Vorteil hätten? Diese Regeln gelten bei den Wettbewerben in Paris.
Laurel Hubbard hat Historisches geschafft. Sie ist die erste Transfrau, die bei Olympischen Spielen an den Start ging. 2021 in Tokio startete Hubbard für Neuseeland im Gewichtheben. Sie wurde als Mann geboren, trat lange bei Männerwettkämpfen an, identifizierte sich aber als Frau, durchlief eine Geschlechtsangleichung und ging dann bei den Frauen an den Start. 2024 in Paris wird Hubbard nicht dabei sein. Und auch andere Transmenschen fehlen.
Olympia 2024: Warum dürfen Transgender nicht starten?
Nach den Spielen in Tokio befasste sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) intensiv mit dem Umgang mit trans Menschen im Spitzensport. Eine einheitliche Regelung gibt es bislang jedoch nicht. Die Sportarten seien dafür viel zu unterschiedlich, heißt es vom IOC. In den Komitee-Leitlinien heißt es, grundsätzlich solle niemand aufgrund seines Transgender-Status ausgeschlossen werden. Letztlich liegt die Entscheidung aber bei den jeweiligen internationalen Sportverbänden.
In den meisten Sportarten läuft es so: Transfrauen dürfen bei Sportwettbewerben für Frauen nur antreten, wenn sie die männliche Pubertät nicht durchlebt haben – wenn sie ihre Geschlechtsangleichung also vor dem zwölften Lebensjahr hatten. Das dürfte kaum eine Transfrau erfüllen, da Geschlechtsangleichungen in vielen Ländern wie Deutschland mit zwölf Jahren gar nicht erlaubt sind. In anderen Sportarten gelten zudem bestimmte Grenzwerte des männlichen Hormons Testosteron, die nicht überschritten werden dürfen.
Transfrau gewinnt Schwimmrennen: Kein Start bei Olympia
Die Verbände argumentieren mit dem Fairnessgedanken. Männer haben allein aufgrund ihres Körperbaus in vielen Bereichen einen Vorteil. Transfrauen, die die männliche Pubertät durchlebt haben, hätten es dann leichter, wenn sie gegen Frauen antreten. Das Thema wird teils sehr emotional diskutiert, zuletzt etwa im Schwimmen rund um die Transfrau Lia Thomas.
Thomas wurde in den USA als Mann geboren, machte 2019 eine Geschlechtsangleichung mit Hormonersatztherapie und startete seitdem bei den Frauen. 2022 holte sie bei einem US-College-Rennen im Freistil-Schwimmen den Titel. Dieser Erfolg einer Transfrau im Frauenwettkampf löste internationale Debatten aus.
Andere Schwimmerinnen forderten öffentlich den Ausschuss von Thomas. Der Weltschwimmverband entschied daraufhin, dass nur Transmenschen mit einer Geschlechtsangleichung vor dem zwölften Lebensjahr an Wettbewerben des anderen Geschlechts teilnehmen dürfen. Thomas hatte ihre mit 20 und klagte gegen die Entscheidung vor dem Internationalen Sportgerichtshof. Das aber ohne Erfolg.
Trans und nicht-binär: Diese Athletinnen und Athleten sind bei Olympia dabei
Auch andere Transsportler und -sportlerinnen dürfen nicht an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen. So etwa die französische Sprinterin Halba Diouf oder die amerikanische BMX-Fahrerin Chelsea Wolfe. Einen Transathleten wird es bei Olympia trotzdem geben: Hergie Bacyadan, Boxer von den Philippinen. Bacyadan identifiziert sich als Mann, hatte aber noch keine Geschlechtsangleichung. Daher startet er bei den Frauen.
Hinzukommen zwei Athleten, die sich als non-binär identifizieren, also weder Frau noch Mann. Sie werden ihrem Geburtsgeschlecht zugeordnet. So startet US-Leichtathlet:in Nikki Hiltz im 1500-Meter-Lauf der Frauen. Quinn aus Kanada spielt für die Frauen-Fußballnationalmannschaft, mit denen sie 2021 Olympia-Gold holte. Dieses Jahr wird die Mission Gold-Verteidigung ungleich schwerer: Die Kanadierinnen bekamen wegen Verfehlungen von im Trainerstab sechs Punkte abgezogen. (as)
Rubriklistenbild: © Imago/USA TODAY Network//UPI Photo/Chai v.d. Laage/NurPhoto (Montage)

