FCB-Vereinslegende: „Tut Uli weh, was gerade bei Bayern passiert“
VonPeter Grad
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Klaus Augenthaler ist eine absolute Klub-Ikone des FC Bayern. In einem Interview äußerte er sich nun ausführlich zur Position von Uli Hoeneß beim Rekordmeister.
München - 1990-Weltmeister Klaus Augenthaler nimmt in einem Sport1-Interview unter anderem ausführlich Stellung zu seinem Herzensverein, dem FC Bayern. Einen speziellen Platz nimmt dabei FCB-Patron Uli Hoeneß ein, den es laut dem Ex-Nationalspieler schmerzt, „was gerade bei Bayern passiert.“ Der frühere FCB-Kapitän spricht voller Leidenschaft über seinen langjährigen Weggefährten Hoeneß, über Sportvorstand Max Eberl – und darüber, was den Rekordmeister heute prägt.
Der 67-jährige Augenthaler selbst ist immer noch Angestellter des FC Bayern, seine Tätigkeit an der „Global-Akademie“ erläutert er im Interview: „Ich bin beim FC Bayern im Jugendbereich angestellt. Wir haben ein volles Programm: Spieler aus Amerika sind dabei, wir trainieren jeden Tag um zehn Uhr. Es gibt Homeschooling, und wir treten auch gegen starke Gegner an.“
Augenthalers Hochachtung vor Hoeneß
Die Rolle von Uli Hoeneß in der Geschichte des deutschen Rekordmeisters beschreibt Klub-Ikone Augenthaler ohne lange nachzudenken: Ohne ihn „gäbe es den FC Bayern nicht in der Form, in der er heute dasteht. Wir haben damals im Olympiastadion vor nur 4000 Zuschauern gegen Bayer Uerdingen gespielt. Dann kamen Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge, und plötzlich war alles anders, weil die beiden unbedingt vorne mitspielen wollten.“ (Dabei irrt sich der 67-Jährige etwas bei der zeitlichen Einordnung: Rummenigge kam 1974 und damit ein Jahr früher als er selbst zum FCB, Breitner kehrte 1978 zurück.)
Auch die folgende Ausführung entsprach nicht der damaligen FCB-Realität: „Vorher stand der Klub irgendwo auf Platz 14 oder 15. (Anmerk.: Es war tatsächlich der vierte Platz nach der Saison 1978/79). Danach wurden gute Spieler geholt – Dieter Hoeneß, Wolfgang Kraus, Wolfgang Dremmler und noch ein paar andere. Und es hat funktioniert. Aber: Der FC Bayern war damals auch verschuldet. Ich erinnere mich noch gut, wie Uli gesagt hat: „Wir können nicht mehr ausgeben, als wir haben. Erst einmal müssen die Schulden weg.“ Danach ging es Schritt für Schritt aufwärts.“
Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition
Den viel diskutierten Auftritt von Uli Hoeneß im Sport1-Doppelpass hat der siebenfache deutsche Meister (zu seiner Zeit Rekord) „nicht gesehen – leider oder Gott sei Dank. Ich möchte mich da eigentlich raushalten. Momentan läuft beim FC Bayern nicht alles rund. Uli kann nicht loslassen, genauso wie ich nicht loslassen kann. So ist er halt.“
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Augenthaler beschreibt den Charakter von Hoeneß, mit dem er ein Jahr lang (Oktober 1977 bis Oktober 1978) gemeinsam bei Bayern spielte als „direkt und manchmal konfrontativ. Uli hat sich einst auch Fehler eingestanden. Aber er will helfen, stichelt natürlich, weil er sich vorstellt, dass man es besser machen kann. Uli ruft Eberl bestimmt nicht an und sagt: „Du musst das so und so machen.“ Es tut Uli weh, was gerade bei Bayern passiert. In den vergangenen Jahren hat man viel Geld verspielt, weil man viermal nur ins Viertelfinale der Champions League kam. Man müsste mal wieder ins Halbfinale oder ins Finale kommen.“
„Uli möchte nur das Beste für den FC Bayern“, Lob für Eberl
Auf die Sport1-Frage, ob sich der FCB-Patron gerade im Verhältnis zu Lothar Matthäus oder Max Eberl mehr zurücknehmen sollte, antwortet der Weltmeister von 1990: „Ja, vielleicht. Uli hat sich so viel erarbeitet, dass er selbst glaubt, er kann alles sagen. Er hat Lothar nicht beleidigt. Ich bin sicher: Wenn Lothar den Uli anrufen würde, wäre er sofort da. Genauso bei Max Eberl. Uli hat nichts böse gemeint, sein Herz ist einfach rot-weiß.“ Und weiter: „Uli möchte nur das Beste für den FC Bayern. Er würde auch bei einem anderen Klub so reagieren, aber diesen Vergleich haben wir nicht. Uli ist der FC Bayern.“
Für FCB-Sportvorstand Max Eberl findet Augenthaler speziell in dieser Angelegenheit lobende Worte: „Ich finde es gut, was Max auf der Pressekonferenz am vergangenen Freitag gesagt hat. Es war wichtig, dass er gesprochen hat. Er hat alles andere als empfindlich reagiert. Ich habe ohnehin keine Sekunde daran gezweifelt, dass er bleibt. Es ist viel auf Max eingeprasselt, aber er ist der Richtige für diesen Job beim FC Bayern. Und noch einmal: Uli wollte Max ganz sicher nicht schaden.“