VonJan Christian Müllerschließen
Paul Nebel schickt sich an, bei Mainz 05 endlich zum Stammspieler zu reifen. Zwei Gründe dafür? Seine klugen Pässe auf und seine harte Arbeit neben dem Platz.
Vor ein paar Wochen wurde Bo Henriksen nach Paul Nebel gefragt. Warum der 22-Jährige so selten für Mainz 05 spielen darf? Henriksen entgegnete, er sei sicher, dass Nebel ein sehr guter Bundesligaspieler werden wird. In Zukunft.
Die Zukunft hat dann bald darauf begonnen. Am Freitagabend durfte der kleine Nebel, nur 1,69 Meter groß, etwas überraschend von Anfang an mitspielen. Beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach war der offensive Mittelfeldspieler der auffälligste Mann auf dem Platz. Lief schlau in sich öffnende Räume, arbeitete nach hinten, schoss zweimal gefährlich aufs Tor, spielte kluge Pässe und bereitete mit seiner Flanke den Führungstreffer durch ein Eigentor des Gladbachers Stefan Lainer vor. „Ein gelungenes Spiel von mir“, sagte Nebel hinterher und hörte sich dabei überhaupt nicht wie ein Angeber an.
Mittwochabend (20.30 Uhr/Sky) empfängt Mainz 05 den FC Bayern im DFB-Pokal. Trainer Henriksen ließ bereits durchblicken, Nebels hervorragende Leistung gäbe ihm allen Anlass, den Burschen auch gegen den Branchenführer in die Startelf zu stellen. Das wäre dann erst das vierte Mal seit Nebels Debüt im Mainzer Trikot vor mehr als vier Jahren.
Tipps von Mitspieler Amiri
Der ehemalige Jugendspieler von Kickers Offenbach, der mit 14 ins Mainzer Nachwuchsleistungszentrum wechselte, musste erst einen Umweg gehen, ehe er sich nun anschickt, ein echter Bundesligaspieler zu werden. Mainz 05 lieh ihn an den Zweitligisten Karlsruher SC aus, wo Nebel zwei sehr gute Spieljahre erlebte und sichtlich reifte.
Zu Saisonbeginn kehrte der gebürtige Bad Nauheimer dann nach Mainz zurück, kam jedoch zunächst bestenfalls zu Kurzeinsätzen. Aber dann hat Nebel laut seines Vorgesetzten Henriksen so gute Trainingsleistungen gezeigt, dass es kein Vorbei mehr an ihm geben konnte, „Ich bin keiner, der rummotzt und schlechte Stimmung verbreitet“, sagt Nebel, er habe auch in Karlsruhe anfangs nicht gespielt und nie genörgelt, sondern lieber hart gearbeitet. „Für mich war es kein Thema, mich hängen zu lassen.“ Kleiner Mann mit großem Herz, dieser Paul Nebel.
Mitspieler Nadiem Amiri ist der Meinung, Nebel habe sich „weitere Einsätze verdient“, merkte aber auch in der ihm typischen offenen Art an, er wünsche sich, „dass Paul noch mehr nach vorne aufdreht“. So ein bisschen mehr von jenem Selbstverständnis, das der im Sommer für 31,5 Millionen Euro nach Brighton verkaufte Dribbelkönig Brajan Gruda verkörperte, soll Nebel noch an den Tag legen.
Mit seinen kurzen Hebeln erinnert er tatsächlich an Gruda, ist allerdings nicht ganz so explosiv im Antritt, dafür aber besser im Passspiel. Nebel sagt, er sei dankbar für die Tipps vom erfahrenen Amiri, erkenne aber schon einige Gemeinsamkeiten: „Er und ich sehen die selben Räume.“ Die richtigen Raumdeutungen wären gerade gegen den großen FC Bayern notwendig. Der angeschlagene Amiri dürfte bis Mittwoch wieder fit sein - anders als der Mainzer Nationalstürmer Jonathan Burkardt. Der 24-Jährige musste schon in der Frühphase mit einer Zerrung im rechten Oberschenkel vom Feld und fällt mehrere Wochen aus.
