VonLars Pollmannschließen
Im letzten Spiel mit Mike Tullberg als Interimscoach errang der BVB einen Sieg in Heidenheim. Tullbergs Jubel entzündete Diskussionen.
Dortmund/Heidenheim – Mike Tullberg hat seine Mission als Interimstrainer bei Borussia Dortmund erfolgreich abgeschlossen. Beim 1. FC Heidenheim feierte der BVB am Samstag einen umkämpften 2:1-Sieg. Der dänische Übungsleiter rückt nun wieder in die U19, übergibt bei den Profis an Niko Kovač.
Seinen ersten Sieg als Trainer in der Bundesliga feierte Tullberg mit einem emotionalen Ausbruch unmittelbar nach Abpfiff: Der Ex-Profi riss sich seine Winterjacke vom Leib, rannte vor den Gästeblock und jubelte gestenreich den Fans von Schwarzgelb zu. Der Anhang feierte den Interimscoach mit ‚Tullberg‘-Sprechchören, auch beim obligatorischen Gang der Mannschaft vor die Zuschauer wurde er lautstark hervorgehoben.
Was bei den BVB-Fans offenbar gut ankam, gab den Experten beim TV-Sender Sky erstaunlicherweise Anlass, Tullberg regelrecht abzukanzeln.
Hamann ätzt über Tullberg-Jubel: „Übertrieben ist für mich noch untertrieben“
„Mit einem Wort fand ich es übertrieben“, sagte Erik Meijer. Dietmar Hamann setzte sogar noch einen drauf und sagte: „Ich fand es peinlich. Übertrieben ist für mich noch untertrieben“, ätzte der Ex-Nationalspieler. Schließlich falle die Bilanz von Tullberg lediglich ordentlich aus. „Er hat gegen Bremen nicht gewonnen, hat Donezk geschlagen, die abgeschlagen in der Champions League sind und hat in Heidenheim gewonnen. Wenn ich dann so was sehe ...“, schien sich Hamann zu ärgern, während die Jubelbilder eingeblendet wurden.
„Es hat ja die Diskussion gegeben, ob er Trainer bleiben soll. Ich glaube die Antwort, dass die Dortmunder die richtige Entscheidung getroffen haben, die hat er heute nach dem Spiel gegeben“, meinte Hamann. Tullberg habe bei öffentlichen Auftritten stets die richtigen Worte gefunden, sich nicht in den Mittelpunkt gedrängt. sein Verhalten stehe dem aber genau gegenüber. Mithin wirft Hamann Tullberg vor, sich als Selbstdarsteller entlarvt zu haben.
BVB-Sportdirektor Kehl: „Es war sehr spontan und emotional“
Während Hamann also kaum ein gutes Wort am BVB-Coach ließ, sah Meijer potenziell mildernde Umstände für den Ausbruch. „Vielleicht war der Stress bei ihm sehr hoch, das kann der Grund sein.“
Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl hatte selbstredend eine andere Sicht auf die Jubelszenen von Tullberg. „Es war nicht einstudiert, es war sehr spontan und emotional. Man sieht, wie er diesen Klub lebt. Das hat ihm viel bedeutet. Er hat auch noch schöne Worte in der Kabine gewählt“, sagte der Ex-Kapitän des BVB beim Pay-TV-Sender. „Die letzten Tage waren für ihn eine Herzensangelegenheit, deshalb ist es schön, dass wir das heute so beenden konnten.“ Ab Sonntag amtiert der neue Chefcoach Niko Kovač.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Heiko Blatterspiel

