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Eintracht: Der Millionen-Poker um Neue

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Ein Verkaufskandidat: Jesper Lindström. Foto: Imago images
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Eintracht Frankfurt hat schon eine Menge Geld ausgegeben, aber nichts eingenommen. Im Visier stehen: Bisseck, Demirovic und Boniface. Einer bleibt bis 2028.

Der Frankfurter Sportchef Markus Krösche ist bekannt dafür, relativ schnell Fakten zu schaffen. Zocken bis zum Deadline-Day, klar, kann mal passieren, entspricht aber nicht der generellen Herangehensweise des Eintracht-Sportvorstands. „Für einen Trainer ist es wichtig, zu Beginn einer Vorbereitung kein Stückwerk vorzufinden, sondern einen möglichst kompletten Kader“, sagte er. „Dazu müssen wir früh handeln.“

Das hat er auch jetzt schon wieder getan. Insgesamt fünf Spieler sind in den vergangenen Wochen bereits fest verpflichtet worden: Verteidiger Willian Pacho (neun Millionen Euro Ablöse) vom belgischen Meister Royal Antwerpen, Hugo Larsson (knapp zehn) von Malmö FF, Omar Marmoush (ablösefrei) vom VfL Wolfsburg sowie die beiden schon bisher auf Leihbasis für die Eintracht auflaufenden Eric Dina Ebimbe (6,5) von PSG und Philipp Max (knapp zwei) von PSV Eindhoven. Damit sind die Personalplanungen natürlich noch lange nicht abgeschlossen.

So wird, im ersten Schritt, auch Ansgar Knauff nun für knapp fünf Millionen Euro von Borussia Dortmund ausgelöst und erhält einen Vertrag bis 2028. „Ansgar hatte mit seinen Leistungen in den vergangenen eineinhalb Jahren einen maßgeblichen Anteil am sportlichen Erfolg, weshalb es außer Frage stand, dass wir ihn in der Folge auch fest an uns binden wollten“, sagt der ab 1. Juli als Sportdirektor firmierende Timmo Hardung. „Wir freuen uns, dass Ansgar bei der Eintracht seine neue sportliche Heimat sieht, und sind von seinen bisher gezeigten fußballerischen Qualitäten überzeugt. Zudem haben wir Ansgars zielgerichtete Einstellung und seinen Charakter in den letzten 18 Monaten schätzen gelernt und wissen, dass wir gemeinsam mit ihm in seiner Entwicklung die nächsten Schritte gehen wollen.“

Wird interessant sein zu sehen, ob und wie schnell sich der junge Ex-Shootingstar noch mal berappeln kann. Der neue Trainer, der Dino Toppmöller heißen und alsbald vorgestellt wird, wird intensiv mit ihm (und den anderen Jungen) arbeiten, ihm das Selbstvertrauen zurückgeben und ihn aufpäppeln müssen. Knauff seinerseits wird, ganz allgemein, beweisen müssen, dass er mehr war als eine Eintagsfliege und er unter einem neuen Coach zu alter Stärke zurückfinden kann. Bei Oliver Glasner wäre es für den immer noch erst 21-Jährigen schwer geworden, der Ex-Coach war weder mit der Einstellung noch den Trainingsleistungen zufrieden. Da ging nur noch wenig zusammen im Miteinander. Für Knauff ist es eine enorm wichtige Saison. Make it or break it.

74 Millionen durch TV-Geld

Auffällig an den bisherigen Transferaktivitäten ist in erster Linie das finanzielle Volumen. Schon jetzt hat die Eintracht 35 Millionen Euro in den Kader gesteckt. Eingenommen hat sie bisher nichts. Almamy Touré, Daichi Kamada und Evan Ndicka sind mit warmen Worten, aber ohne finanziellen Gegenwert verabschiedet worden. Um die Diskrepanz zwischen Ausgaben und Einnahmen so gering wie möglich zu halten, ist es daher mehr als wahrscheinlich, dass die Eintracht einen oder zwei Leistungsträger verkaufen wird, also entweder den Überflieger Randal Kolo Muani, was aber bei erwarteten 100 Millionen (plus/minus) generell die gesamte Statik und Einkaufsstrategie ändern würde. Oder Djibril Sow (acht bis zehn Millionen) und/oder Jesper Lindström (30 bis 35 Millionen).

Gerade Sow wird kritisch gesehen, weil er das Spiel zu oft verschleppt und nach hinten spielt. „Wir wollen offensiven und mutigen Fußball spielen“, stellte aber Manager Krösche in einem vereinseigenen Interview klar. Die Mannschaft soll entsprechend ausgerichtet werden. Dazu muss investiert werden, unter kaufmännischen Gesichtspunkten.

Hilfreich ist, dass die Eintracht in hohem Maße von den Medienerlösen der DFL profitiert. Sie wird in der neuen Saison rund 74 Millionen Euro einstreichen und liegt damit auf Rang fünf der Liga. Sie hat zwar in der nationalen TV-Tabelle zwei Plätze verloren, konnte das aber durch die internationalen Erfolge ausbügeln und verbucht einen leichten Anstieg zur vorherigen Spielzeit (73,5 Millionen). Es ist kein Geheimnis: Die Medienerlöse sind deshalb so attraktiv, weil sie fast eins zu eins in den Kader gesteckt werden können.

Zudem ist auffällig, dass Krösche darum bemüht ist, die Mannschaft – im Wortsinne – zu vergrößern. Das ist nötig, denn die Frankfurter hatten ein kleines Team und waren anfällig bei Standards. Diese Schwäche, hinten wie vorne, kostete wichtige Punkte im Kampf um Europa. Entsprechend hoch aufgeschossen sind die Abwehrspieler, die bereits verpflichtet oder im Visier sind. Antwerpens Pacho misst knapp 1,90. Zudem hat die Eintracht, wie bereits im Winter, bei Yann Bisseck von Aarhus GF vorgefühlt. Der deutsche U-21-Nationalspieler drängt auf einen Wechsel nach Frankfurt, besitzt eine Ausstiegsklausel für diesen Sommer. Im vergangenen Winter war ein Transfer des 22-Jährigen an der zu hohen Ablöseforderung der Dänen gescheitert. Bissecks Körpergröße: 1,96. Und auch bei El Chadaille Bitshiabu von Paris Saint-Germain hofft die Eintracht weiter auf ein Leihgeschäft mit Kaufoption. Der 18-Jährige gilt als Rohdiamant. Körpergröße: 1,96.

Lenz soll gehen

Auch auf der linken Seite will der Klub nachlegen, Christopher Lenz darf den Verein verlassen. Und die Eintracht wird in der Offensive schauen, was sie bewerkstelligen kann. Ein Kamada-Ersatz ist avisiert, und im Sturm wird alles davon abhängen, was mit Kolo Muani passiert, und ein bisschen was davon abhängen, was aus Rafael Borré und Lucas Alario wird. Beide können gehen, Alario freilich könnte umdenken, falls der neue Trainer ihm eine faire Chance verspricht. Doch irgendwie scheint das Eintracht-Spiel über einen Strafraumstürmer wie ihn hinweggegangen zu sein, das gilt mit Abstrichen auch für Borré.

In den Überlegungen der Hessen spielt auch Ermedin Demirovic vom FC Augsburg eine Rolle, freilich nicht als Kolo-Ersatz. Der 25-jährige Stürmer ist bis 2026 gebunden, zudem dieser Tage am Knie operiert worden, der Außenmeniskus. Der Bosnier, zuvor eher mau in Freiburg unterwegs, machte in 30 Ligaspielen acht Tore und bereitete sechs weitere vor.

Auch das Interesse an Victor Boniface vom belgischen Topklub Royale Union Saint Gilloise ist nach wie vor vorhanden. Die Eintracht verfolgt den Sturmkoloss schon längere Zeit. Der Nigerianer, der mit Royale in den letzten Minuten eines dramatischen Finishs den Titel in Belgien verspielte, hat in 55 Pflichtspielen 22 Tore gemacht und zwölf vorbereitet. Zurzeit ist er verletzungsfrei, das war nicht immer so: Der Kerl, 22, hat schon zwei Kreuzbandrisse wegstecken müssen.

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