VonFrank Hellmannschließen
Beim SV Werder macht die Frankfurter Leihgabe Rafael Borré pünktlich zum Gastspiel der Eintracht auf sich aufmerksam
Als Rafael Santos Borré in der Nachspielzeit zur Auswechslung an den Spielfeldrand trabte, streckten sich ihm viele Hände entgegen. Es war nicht ein pflichtschuldiges, sondern ein dankbares Abklatschen, das die meisten Mitspieler von Werder Bremen in diesem Moment vornahmen. Beim VfL Wolfsburg (2:2) hatte der Kolumbianer sein mit Abstand bestes Spiel im dunkelgrünen Auswärtsdress gemacht – und Entscheidendes zum hochverdienten Punktgewinn am Mittellandkanal beigetragen.
Er war ständig anspielbereit, extrem kämpferisch und gut eingebunden. Erst holte er den Freistoß heraus, den Marvin Ducksch so kunstvoll zum 1:0 in den Giebel zirkelte, dann erzielte er mit Köpfchen sehenswert das 2:2. Es war Werders Wortführer Ducksch, der eine wahre Lobeshymne auf die Leihgabe von Eintracht Frankfurt anstimmte: „Der Junge macht es richtig gut. Ich glaube, dass er mittlerweile auch unsere Abläufe verinnerlicht hat. Klar braucht das immer ein bisschen Anlaufzeit. Ich glaube, dass wir in den nächsten Wochen richtig Spaß mit ihm haben werden.“
Der 28-Jährige scheint mit einiger Verspätung in Bremen angekommen zu sein. Trainer Ole Werner hatte sich anfangs nicht auf den zweiten Stürmer neben dem gesetzten Ducksch festgelegt. Doch weder Neuzugang David Kownacki, noch der schnelle Justin Njinmah oder der lange Nick Woltemade überzeugten bei ihren Startelfeinsätzen. Borré erhielt nun zum zweiten Mal in Folge das Vertrauen und hat sich die Einsatzgarantie für die nächsten Spiele gesichert. Für Ducksch sind die fehlenden Deutsch-Kenntnisse des stürmenden Kollegen kein Problem: „Er ist so ein guter Instinktfußballer. Da reichen auch Gesten oder Blickkontakte, dass man weiß, wie der andere spielen will. Man sieht, dass er Bock auf das Ganze hat.“
Pünktlich zum Gastspiel seines Stammvereins aus Frankfurt im Weserstadion (Sonntag 17.30 Uhr) ist Borré also in Form. Ein besonderes Spiel für den stolzen Südamerikaner, der sich mit dem letzten Elfmeter im Europa-League-Finale 2022 einen Platz in der Eintracht-Historie gesichert hat. Dass Borré in der vergangenen Saison im Schatten von Himmelsstürmer Randal Kolo Muani an Selbstvertrauen und Treffsicherheit einbüßte – letztes Tor für die Eintracht am 21. Januar beim 3:0 gegen den FC Schalke 04 – machte den Wechsel an die Weser am 1. September erst möglich.
Lob von Clemens Fritz
Die Hessen hätten am so genannten „Deadline Day“ gar nicht die Freigabe erteilt hätte, wenn nach Schließung des deutschen Marktes nicht noch der 95-Millionen-Deal mit Kolo Muani nach Paris zustande gekommen wäre, wie Sportvorstand Markus Krösche unverhohlen im Nachgang einräumte. Werder Sportlicher Leiter Clemens Fitz stellte am Sonntagabend im NDR-Sportclub diesen Umstand ebenfalls heraus: „Rafa ist spät zu uns gestoßen. Jetzt merkt man sukzessive, dass die Automatismen besser greifen. Wir sind grundsätzlich froh, dass wir ihn überhaupt ausleihen konnten. Einen Tag zuvor wäre das ehrlicherweise gar nicht möglich gewesen.“
Mittlerweile habe sich der Angreifer „gut eingebracht und gut eingelebt“. Ob Borré vielleicht über das Saisonende hinaus bleibt? Diese Fragen schob Fritz als möglicher Nachfolger für den im Sommer 2024 scheidenden Geschäftsführer Frank Baumann beiseite. „Was in Zukunft ist, werden wir im Sommer besprechen.“ Unwahrscheinlich, dass die klammen Hanseaten das üppige Paket aus Ablöse und Gehalt stemmen können. Wenn Borré erst einmal tatkräftig mithilft, erneut den Klassenerhalt frühzeitig festzuzurren, wäre für Werder Bremen schon viel gewonnen.
