Bundesliga

Die Eintracht streckt die Brust raus – und rauscht durch die Liga

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Der hessische Bundesligist hat die dunklen Wolken vertrieben und rauscht durch die Liga – selbst der Marmoush-Wirbel kann ihm nichts

Ganz zum Schluss eines kurzweiligen Abends im Frankfurter Eisschrank sah sich der eisenharte Zweikämpfer Arthur Theate sogar noch dazu genötigt, die Freiburger Ersatzspieler zu stoppen. Die mussten nach der 1:4-Abreibung bei der Eintracht einige humorlose Sprints auf den Rasen werfen, von Sechzehner zu Sechzehner – dummerweise störten sie dabei die Frankfurter Feierlichkeiten vor der eigenen Fankurve.

Die Folge: Ein Orkan von einem Pfeifkonzert und ein Arthur Theate, der den armen Breisgauern, die ja nur ihre vorgegebene Pflicht erfüllten, mal ordentlich die Meinung geigte und sie aufforderte, doch besser das Weite zu suchen. Und zwar schnell. Schon zuvor, während des Spiels, machte der langmähnige Belgier mit den Freiburgern kurzen Prozess. Als dann alles geregelt war, nahm die nach Siegen obligatorische Zeremonie vor der Nordwestkurve ihren Lauf. Eintracht Frankfurt im Rausch.

So schnell kann das gehen im Fußballsport. Vor gerade mal zehn Tagen, nach einem dürren 1:3 im Testspiel beim FSV Mainz 05, schien die Welt der Hessen so ein bisschen aus den Fugen zu geraten. Schon im alten Jahr blieben sie in fünf aufeinanderfolgenden Spielen sieglos, viermal zogen sie gar den Kürzeren, der Flow war dahin. Und nicht wenige sahen vor dem Restart der Bundesliga beim FC St. Pauli ganz schön düstere Wolken über dem Stadtwald aufziehen. Sie sind aber nicht gekommen. Zwei Bundesligaspiele später hat die Eintracht die Maximalausbeute von sechs Punkten auf ihr Konto gestapelt und Platz drei manifestiert. Mit 33 Zählern blickt sie zudem auf die beste Hinrunde seit Einführung der Drei-Punkte-Regel. Läuft bei ihr.

Lässt nichts anbrennen, auch nach dem Abpfiff nicht: Eintracht-Verteidiger Arthur Theate.

Der Kopf spielt mit

Ganz offensichtlich: Die Frankfurter haben den Turnaround nach dem schmerzvollen Dezember geschafft. Und sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie groß im Fußball die Abhängigkeit von Erfolgserlebnissen, Selbstvertrauen und dem Glauben in die eigenen Fähigkeiten ist. Der Kopf spielt mit. Insofern war der ganz und gar nicht glanzvolle, aber hart errungene 1:0-Auftakterfolg beim FC St. Pauli Gold wert für das zuvor doch mittelschwer verunsicherte Ensemble.

Im ersten Heimspiel des neuen Jahres ließen sich die Hessen auch von einem plötzlichen 0:1-Rückstand nicht ins Bockshorn jagen, sondern schlugen durch ein Kopfballtor von Robin Koch nach einer Ecke von Omar Marmoush zurück. Sehr zur Freude von Trainer Dino Toppmöller, der die ruhenden Bälle in der kurzen Wintervorbereitung auf der Agenda weit nach oben schob. „Ich habe Anfang des Jahres schon gesagt, dass es für uns sehr wichtig ist, auch mal über Standardsituationen ins Spiel zurückzukommen oder das Spiel in unsere Richtung zu lenken.“ So sollte es sein.

Im zweiten Abschnitt erdrückten die Platzherren ihren Kontrahenten förmlich, die Freiburger hatten der Wucht nichts entgegenzusetzen, zeitweise verteidigten sie mit allen elf Mann am eigenen Strafraum. „Das war ein nahezu perfektes Spiel von uns“, resümierte Abwehrchef Koch.

Drei weitere Tore durch den entfesselten Omar Marmoush (wen sonst?), Hugo Ekitiké und Nnamdi Collins fielen zwangsläufig. Gerade das erste Bundesligator des Newcomers Collins freute die gesamte Eintracht-Entourage. Sportvorstand Markus Krösche traut dem vor Kraft nur so strotzenden Powerbündel eine Menge zu, auch eine Laufbahn in der deutschen Nationalmannschaft. „Er hat das Potenzial für eine große Karriere.“ Der coole Defensivmann kommentierte seinen persönlichen Glücksmoment mit glänzenden Augen: „Das ist ein unfassbares Gefühl, das beste bisher in meiner Karriere.“

Spielt er am Freitag?

Trainer Toppmöller hob völlig zu Recht die Stärke des Kollektivs hervor, konnte und wollte seine Hochachtung nicht verbergen. „Mir geht das Herz auf, wenn ich unseren tollen Spirit sehe. Dieser Spirit kann uns sehr weit tragen“, sagte er. „Es ist etwas Besonderes, Teil dieser Gruppe zu sein.“

Einer sticht freilich dennoch heraus, natürlich der Wunderknabe aus Ägypten: Omar Marmoush, einfacher Torschütze gegen den Sportclub und doppelter Vorbereiter. An unfassbaren 34 Treffern in 26 Partien ist er beteiligt gewesen – das ist fast schon monumental.

Der 25-Jährige wird sehr wahrscheinlich nicht mehr lange seine Tore für die Eintracht schießen, das ist bekannt. Er steht vor einem Wechsel zu Manchester City, die Verhandlungen zwischen den Klubs laufen, für 80 Millionen Euro würde der Deal über die Bühne gehen. Noch ist aber – Stand jetzt – nix fix. Ob Marmoush am Freitag gegen den angeknockten BVB spielen wird? „Ich weiß es nicht“, antwortete Toppmöller. Sportchef Krösche zuckte die Schultern: „Er ist ein Spieler von Eintracht Frankfurt, warum sollte er nicht spielen?“ Es gebe keinen neuen Stand. Doch das kann sich stündlich ändern.

Bemerkenswert ist dennoch, wie gut er spielt, wie wenig ihn die Situation offenbar belastet und wie sehr er für seinen noch aktuellen Klub brennt. „Wir haben es hier schon anders erlebt“, sagte Toppmöller in Anspielung auf den einst streikenden Randal Kolo Muani. Marmoush aber sei ein anderer Typ, ein „super Junge mit gutem Charakter“, einer, der sich „nicht so wichtig nimmt“. Ergo: „Omar kann stolz auf sich selbst sein.“ Nicht nur wegen seiner vielen Tore.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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