Von Henning Bräuninger
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Mit einem groben Foul sorgt ein deutscher Nationalspieler für hitzige Debatten. Hätte er vom Platz fliegen müssen?
Im Spiel von Real Madrid gegen den FC Getafe am Montagabend kam es in der 27. Minute zu einer unschönen Szene, die im Nachgang für große Aufregung sorgt. Der DFB -Verteidiger Antonio Rüdiger traf den am Boden liegenden Diego Rico mit dem Knie im Gesicht. Diese Aktion blieb jedoch ohne Konsequenzen, da weder der Schiedsrichter Alejandro Muniz Ruiz noch der VAR eingriffen.
Antonio Rüdiger (rechts) viel bereit in der Vergangenheit mit unsportlichem Verhalten auf dem Platz auf.
© IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Die Szene ereignete sich, als Rüdiger im Zweikampf mit vollem Einsatz gegen Rico vorging. Der Getafe-Spieler schrie vor Schmerzen auf, doch das Spiel wurde zunächst fortgesetzt. Erst als der Ball ins Aus ging, wurde die Partie unterbrochen. Die Entscheidung, Rüdiger nicht zu bestrafen, führte zu heftigen Diskussionen in den spanischen Medien.
DFB-Star in den Schlagzeilen: Rüdiger-Foul sorgt für Medien-Aufruhr in Spanien Schiedsrichterexperte Alfonso Pérez Burrull äußerte im Radio Marca , dass der VAR hätte eingreifen müssen, um die Szene zu überprüfen. „Meiner Ansicht nach hätte der Real-Madrid-Verteidiger vom Platz gestellt werden müssen“, so Burrull. In der Tat sieht die Aktion nicht wie ein gewöhnlicher Zweikampf aus, sondern wie eine unsportliche Tätlichkeit.
Die Kritik an der Entscheidung, Rüdiger nicht zu sanktionieren, war weitreichend. Journalist Dani Garrido von Cadena Ser betonte: Rüdiger hätte Rico „an Ort und Stelle den Kiefer brechen können“. Juanma Castaño, spanischer Sportmoderator und Kommentator, bezeichnete die Aktion als „eines der brutalsten Fouls, die wir je gesehen haben“. Rüdiger war bereits im vergangenen Jahr länger wegen einer Tätlichkeit gesperrt.
Rückblick WM 2014 – Was können wir für 2026 lernen? Zur Vorbereitung auf die WM wurden vier Freundschaftsspiele geplant, davon das letzte als Benefiz-Spiel. Zwischen dem zweiten und dritten Spiel fand vom 21. bis 31. Mai 2014 ein Trainingslager im Passeiertal in Südtirol statt. © imago sportfotodienst Geschlossen, konzentriert, ohne Allüren – so startete Deutschland 2014 ins Turnier. Schon hier war zu spüren, dass Hierarchien klar verteilt waren. 2014 gewann kein Star das Turnier, sondern eine funktionierende Ordnung. © imago sportfotodienst Thomas Müller eröffnete die WM mit brutaler Effizienz. Drei Tore erzielte der damals 24-Jährige im Auftaktspiel gegen Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo. Ein Turnierstart, den wir uns 2026 so auch wünschen würden. © imago sportfotodienst Plötzlich geriet Deutschland ins Wanken. Im zweiten Gruppenspiel gegen Ghana war das DFB-Team gefordert. Gegen Prince Boateng und Co. kamen die Deutschen nicht über ein 2:2 hinaus. Ein Spiel, das den Charakter der deutschen Elf testete. © imago sportfotodienst Miroslav Klose kam von der Bank – und traf zum 15. Mal bei einer WM. Erfahrung entschied in einem schwierigen Moment. Die Bedeutung eines verlässlichen Jokers wurde hier erstmals sichtbar. Miroslav Klose kam von der Bank – und traf zum 15. Mal bei einer WM. Erfahrung entschied in einem schwierigen Moment. Die Bedeutung eines verlässlichen Jokers wurde hier erstmals sichtbar. © imago sportfotodienst Gegen die USA mit Cheftrainer Jürgen Klinsmann gab es kein Spektakel, sondern eine wahren Arbeitssieg im Flut-Regen von Recife. Dank des vierten Turniertreffers von Müller gewann die DFB-Elf mit 1:0 und wurde Gruppensieger. Hier zeigte sich erstmals die Beharrlichkeit von Jogi Löws Team. Gegen die USA mit Cheftrainer Jürgen Klinsmann gab es kein Spektakel, sondern einen wahren Arbeitssieg im Flut-Regen von Recife. Dank des vierten Turniertreffers von Müller gewann die DFB-Elf mit 1:0 und wurde Gruppensieger. Hier zeigte sich erstmals die Beharrlichkeit von Jogi Löws Team. © imago sportfotodienst Im Achtelfinale gegen Algerien herrschte defensives Chaos in den deutschen Reihen. Kapitän Philipp Lahm wurde nach der Verletzung von Shkodran Mustafi aus dem Mittelfeld wieder nach hinten beordert – als Rechtsverteidiger. Die Abwehr wirkte dennoch ungewohnt offen. Im Achtelfinale gegen Algerien herrschte defensives Chaos in den deutschen Reihen. Kapitän Philipp Lahm wurde nach der Verletzung von Shkodran Mustafi aus dem Mittelfeld wieder nach hinten beordert – als Rechtsverteidiger. Die Abwehr wirkte dennoch ungewohnt offen. © imago sportfotodienst André Schürrle kam, sah, traf und erlöste Deutschland mit dem 1:0 in der Verlängerung. Die Kadertiefe der DFB-Elf war 2014 kein Schlagwort, sondern der entscheidende Unterschied. Jogi Löw konnte sich auf alle Spieler in seinem WM-Kader verlassen. André Schürrle kam, sah, traf und erlöste Deutschland mit dem 1:0 in der Verlängerung. Die Kadertiefe der DFB-Elf war 2014 kein Schlagwort, sondern der entscheidende Unterschied. Jogi Löw konnte sich auf alle Spieler in seinem WM-Kader verlassen. © imago sportfotodienst Und dann war da ja noch Manuel Neuer! In dieser Partie wurde der Keeper des FC Bayern zur Legende. Er spielte wie ein zusätzlicher Innenverteidiger, seine Antizipationen, teilweise mehrere Meter vor seinem Strafraum, retteten Deutschland mehrfach. Mit dieser Leistung setzte Neuer neue Maßstäbe und veränderte das Torwartspiel für immer. Und dann war da ja noch Manuel Neuer! In dieser Partie wurde der Keeper des FC Bayern zur Legende. Er spielte wie ein zusätzlicher Innenverteidiger, seine Antizipationen, teilweise mehrere Meter vor seinem Strafraum, retteten Deutschland mehrfach. Mit dieser Leistung setzte Neuer neue Maßstäbe und veränderte das Torwartspiel für immer. © IMAGO/Witters Sport-USA TODAY Sports Das Spiel gegen Algerien kostete Kraft – physisch wie mental. Doch genau solche Siege schweißen zusammen. Danach wirkte das deutsche Team noch deutlich gefestigter. Am Ende gewann Deutschland mit 2:1. Das Spiel gegen Algerien kostete Kraft – physisch wie mental. Doch genau solche Siege schweißen zusammen. Danach wirkte das deutsche Team noch deutlich gefestigter. Am Ende gewann Deutschland mit 2:1. © imago sportfotodienst Im Viertelfinale wartete Frankreich. In einer Hitzeschlacht im Maracanã in Rio de Janeiro bot sich ein taktisch diszipliniertes Spiel. Deutschland kontrollierte Räume und Rhythmus. Diese strategische Geduld zeichnete die Mannschaft aus. Im Viertelfinale wartete Frankreich. In einer Hitzeschlacht im Maracanã in Rio de Janeiro bot sich ein taktisch diszipliniertes Spiel. Deutschland kontrollierte Räume und Rhythmus. Diese strategische Geduld zeichnete die Mannschaft aus. © imago sportfotodienst Mats Hummels entschied das Spiel per Kopfballtor und wurde damit zum Matchwinner. 2014 war Deutschland bei ruhenden Bällen brandgefährlich. Ein oft unterschätzter, aber turnierentscheidender Faktor, der in diesem Spiel die entscheidende Szene zum Sieg lieferte. Mats Hummels entschied das Spiel per Kopfballtor und wurde damit zum Matchwinner. 2014 war Deutschland bei ruhenden Bällen brandgefährlich. Ein oft unterschätzter, aber turnierentscheidender Faktor, der in diesem Spiel die entscheidende Szene zum Sieg lieferte. © imago sportfotodienst Das Halbfinale war sicher. Doch es gab keinen überschäumenden Jubel, sondern Fokus. Die Mannschaft wusste: Das Ziel war noch nicht erreicht. Diese Nüchternheit und der klare, zielgerichtete Fokus auf den WM-Pokal war Teil ihrer Stärke. Das Halbfinale war sicher. Doch es gab keinen überschäumenden Jubel, sondern Fokus. Die Mannschaft wusste: Das Ziel war noch nicht erreicht. Diese Nüchternheit und der klare, zielgerichtete Fokus auf den WM-Pokal war Teil ihrer Stärke. © imago sportfotodienst Was dann kam ist Fußball-Geschichte! Gegen Gastgeber Brasilien drehte Deutschland komplett auf. Müller traf früh nach Ecke zum 1:0. Das Selbstvertrauen der DFB-Elf war spürbar. Was dann kam, ist Fußball-Geschichte! Gegen Gastgeber Brasilien drehte Deutschland komplett auf. Müller traf früh nach Ecke zum 1:0. Das Selbstvertrauen der DFB-Elf war spürbar. © imago sportfotodienst Mit seinem 16. WM-Tor wurde Klose alleiniger Rekordhalter. Ein historischer Moment, eingebettet in mannschaftliche Dominanz. Das 2:0 nach nur 23 Minuten. Mit seinem 16. WM-Tor wurde Klose alleiniger Rekordhalter. Ein historischer Moment, eingebettet in mannschaftliche Dominanz. Das 2:0 nach nur 23 Minuten. © imago sportfotodienst Deutschland nahm Brasilien auseinander! Zwischen der 23. und 29. Minute wurden die Gastgeber förmlich zerlegt – jeder Angriff saß. Es war die vielleicht effizienteste Halbzeit der WM-Geschichte. Pausenstand: 5:0. Deutschland nahm Brasilien auseinander! Zwischen der 23. und 29. Minute wurden die Gastgeber förmlich zerlegt – jeder Angriff saß. Es war die vielleicht effizienteste Halbzeit der WM-Geschichte. Pausenstand: 5:0. © imago sportfotodienst Trotz des historischen Ergebnisses von 7:1 am Ende, blieb das deutsche Team respektvoll. Keine Provokation, kein Übermut. Souveränität zeigte sich auch im Verhalten der Löw-Truppe, was für noch mehr Sympathien bei den brasilianischen Fans sorgte. Trotz des historischen Ergebnisses von 7:1 am Ende, blieb das deutsche Team respektvoll. Keine Provokation, kein Übermut. Souveränität zeigte sich auch im Verhalten der Löw-Truppe, was für noch mehr Sympathien bei den brasilianischen Fans sorgte. © imago sportfotodienst Jogi Löw und seine Mannschaft hatten sich bis zu diesem Punkt wie ein echtes Spitzenteam präsentiert und wollten diesem Titel im Finale auch gerecht werden. Niemand stellte sich in den Mittelpunkt, das Team blieb das Gesicht des Erfolgs. Genau dieser kollektive Gedanke machte Deutschland damals zum wohl besten Team der Welt. Jogi Löw und seine Mannschaft hatten sich bis zu diesem Punkt wie ein echtes Spitzenteam präsentiert und wollten diesem Titel im Finale auch gerecht werden. Niemand stellte sich in den Mittelpunkt, das Team blieb das Gesicht des Erfolgs. Genau dieser kollektive Gedanke machte Deutschland damals zum wohl besten Team der Welt. © imago sportfotodienst Im Endspiel am 13. Juli 2014 stand man dann Argentinien mit Weltfußballer Lionel Messi gegenüber. Doch der wohl beste Fußballer der letzten Jahre wurde professionell in Schach gehalten und kam kaum zu Aktionen. Es bot sich kein Offensivfeuerwerk. Geduld wurde zur wichtigsten Tugend. Im Endspiel am 13. Juli 2014 stand man dann Argentinien mit Weltfußballer Lionel Messi gegenüber. Doch der wohl beste Fußballer der letzten Jahre wurde professionell in Schach gehalten und kam kaum zu Aktionen. Es bot sich kein Offensivfeuerwerk. Geduld wurde zur wichtigsten Tugend. © imago sportfotodienst Argentinien schockte die DFB-Elf früh – dachte man kurz. Gonzalo Higuaín traf nach einer Abseitsstellung zum vermeintlichen 1:0. Deutschland hatte hier das nötige Quäntchen Glück. Auf dem Weg zum Triumph entscheiden manchmal nur die kleinsten Details. Argentinien schockte die DFB-Elf früh – dachte man kurz. Gonzalo Higuaín traf nach einer Abseitsstellung zum vermeintlichen 1:0. Deutschland hatte hier das nötige Quäntchen Glück. Auf dem Weg zum Triumph entscheiden manchmal nur die kleinsten Details. © imago sportfotodienst via www.imago-images.de Einer, der die Aufopferung und den bedingslosen Willen der Deutschen so wie kein Anderer verkörperte, war Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldspieler war überall auf dem Feld zu sehen, schmiss sich in jeden Zweikampf, wurde mehrfach hart gefoult, doch stand immer wieder auf und spielte mit blutendem Gesicht und Wadenkrämpfen bis zur maximalen Erschöpfung. Eine kämpferische Leistung, die es so vorher nie gegeben hatte. Einer, der die Aufopferung und den bedingslosen Willen der Deutschen so wie kein Anderer verkörperte, war Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldspieler war überall auf dem Feld zu sehen, schmiss sich in jeden Zweikampf, wurde mehrfach hart gefoult, doch stand immer wieder auf und spielte mit blutendem Gesicht und Wadenkrämpfen bis zur maximalen Erschöpfung. Eine kämpferische Leistung, die es so vorher nie gegeben hatte. © imago sportfotodienst Mario Götze wartete lange auf seinen Moment. Trainer Löw brachte den jungen Angreifer erst kurz vor der Verlängerung in der 88. Spielminute ins Spiel. In der 113. Minute machte sich Götze dann unsterblich. Mario Götze wartete lange auf seinen Moment. Trainer Löw brachte den jungen Angreifer erst kurz vor der Verlängerung in der 88. Spielminute ins Spiel. In der 113. Minute machte sich Götze dann unsterblich. © imago sportfotodienst Ballannahme mit der Brust, nach Flanke von Schürrle, dann der Volley ins lange Eck und mitten ins argentinische Herz. Ein technisches Meisterstück unter maximalem Druck. Große Turniere brauchen diesen einen Moment – und jemanden, der ihn nutzt. Ballannahme mit der Brust, nach Flanke von Schürrle, dann der Volley ins lange Eck und mitten ins argentinische Herz. Ein technisches Meisterstück unter maximalem Druck. Große Turniere brauchen diesen einen Moment – und jemanden, der ihn nutzt. © imago sportfotodienst Götzes Tor war die Erlösung für Fußball-Deutschland. Nach 1990 waren wir zum vierten Weltmeister. Ein Triumph der jahrelangen Handschrift von Joachim Löw. Götzes Tor war die Erlösung für Fußball-Deutschland. Nach 1990 waren wir zum vierten Weltmeister. Ein Triumph der jahrelangen Handschrift von Joachim Löw. © imago sportfotodienst Ein Bild für die Geschichtsbücher. Deutschland war nach 24 Jahren wieder Weltmeister und als erste europäische Nation überhaupt, die auf dem südamerikanischen Kontinent den goldenen Pokal gewinnen konnte. Ein Bild, dass sich Julian Nagelsmann und die heutige Nationalmannschaft fest einprägen sollten. Ein Bild für die Geschichtsbücher. Deutschland war nach 24 Jahren wieder Weltmeister und als erste europäische Nation überhaupt, die auf dem südamerikanischen Kontinent den goldenen Pokal gewinnen konnte. Ein Bild, dass sich Julian Nagelsmann und die heutige Nationalmannschaft fest einprägen sollten. © imago sportfotodienst Hunderttausende Fans feierten den vierten Stern am 15. Juli 2014 in mit dem DFB-Team in Berlin. Der Titel verband Team und Land. Kontinuität zahlte sich aus, eine charakter- und fußballerisch- unglaublich starke Mannschaft zog ein in den Fußballhimmel. Hunderttausende Fans feierten den vierten Stern am 15. Juli 2014 in mit dem DFB-Team in Berlin. Der Titel verband Team und Land. Kontinuität zahlte sich aus, eine charakterlich und fußballerisch unglaublich starke Mannschaft zog ein in den Fußballhimmel. © imago sportfotodienst Doch es gab auch andere Meinungen. Die spanische Zeitung Mundo Deportivo sah die Szene milder und sprach von einer Gelben Karte, die Rüdiger hätte erhalten müssen. Doch auch das geschah nicht, und das, obwohl während der Partie tatsächlich sehr viele Karten verteilt wurden. Neunmal Gelb, zweimal Rot – keine davon für Rüdiger. Real verlor das kleine Stadtderby am Ende mit 0:1.
Martin Satriano erzielte in der 39. Minute den entscheidenden Treffer für Getafe. Diese Niederlage war nicht nur ein Rückschlag im Titelkampf, sondern auch historisch, da Real Madrid seit 18 Jahren nicht mehr zu Hause gegen Getafe verloren hatte. „Vier Punkte Rückstand können wir aufholen, und dafür werden wir kämpfen“, erklärte Real-Trainer Alvaro Arbeloa nach dem Spiel mit einem Auge auf die Tabelle, die aktuell von Hansi Flicks Barcelona angeführt wird.
Die Diskussionen um Rüdigers Foul und die ausbleibende Bestrafung werden wohl noch länger anhalten. Die Frage, ob der VAR in solchen Situationen konsequenter eingreifen sollte, bleibt bestehen. Medien und Experten sind sich in dem Punkt einig, dass solche Entscheidungen das Vertrauen in die Schiedsrichter und das VAR-System beeinträchtigen können. (hbr)
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