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Rosberg gegen Hamilton – über Jahre ein legendäres Team-Duell bei Mercedes in der Formel 1. Ein Insider enthüllte spannende Details zur Rivalität.
München – Teaminterne Zweikämpfe um jede einzelne Platzierung? Das lieben die Fans der Formel 1. Besonders brisant wird das vor allem, wenn es plötzlich nicht mehr nur um Rennpunkte oder mal einen Podestplatz geht, sondern um den ganz großen Wurf: den Weltmeister-Titel. Exakt das ist es, was das Duell Nico Rosberg gegen Lewis Hamilton so legendär macht.
Von 2013 bis 2016 fuhren Rosberg und Hamilton Seite an Seite für Mercedes, dessen Teamchef Toto Wolff kürzlich einen Unfall auf einer Rennstrecke hinlegte. Dass die beiden sich Zeit ihrer Team-Zusammengehörigkeit nicht grün wurden, lag vor allem am erbitterten Zweikampf um den Top-Platz im Fahrerranking. 2014 und 2015 wurde Hamilton Weltmeister, Rosberg landete jeweils knapp dahinter auf Rang zwei in der Fahrerwertung. Höhepunkt war der Spanien-Grand-Prix von 2016, in dem beide einen spektakulären Crash hinlegten. Der deutsche Ex-Formel-1-Pilot hatte derweil das bessere Saisonende, sicherte sich hauchdünn vor Hamilton den Titel. Danach beendete er seine Karriere in der Rennsport-Königsklasse.
Formel-1-Spektakel zwischen Rosberg und Hamilton – Ex-Mercedes-Stratege enthüllt spannende Details zu Rivalität
Für die Fans ein Spektakel, für Mercedes war die Rivalität hingegen ein großes Risiko. Man fürchtete, die Situation könnte auf und neben der Rennstrecke eskalieren. Ein brisantes Dokument enthüllt nun, wie das Team plante, die beiden Konkurrenzkämpfer in Schach zu halten. Darüber berichtete James Vowles, früher Chefstratege bei Mercedes und heute Teamchef beim Rennstall Williams im „High Performance Podcast“.
Es sei ein „riesen Ding“ bereits vor der Saison 2014 gewesen, dass sowohl Rosberg, als auch Hamilton gewusst hätten, „dass es einer von ihnen beiden sein wird, der dieses Jahr gewinnen wird“, erklärt Vowles. „Sie wussten das, bevor sich das erste Rad im ersten Rennen überhaupt gedreht hat“. Deshalb habe Vowles die Aufgabe bekommen, extra ein Dokument mit klaren Richtlinen zu erstellen, „wie wir miteinander arbeiten werden und wie wir gegeneinander kämpfen werden“. Das Dokument habe man „Rules of Engagement“, also sozusagen „Einsatz-Regeln“, genannt.
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„Wirst es den Rest deines Lebens bereuen“: Ex-Mercedes-Stratege packt über Dokument für Rosberg und Hamilton aus
Konkret sei es laut Vowles im Dokument um klare „Grenzen“ zwischen den beiden Fahrern gegangen. Fokus: „So wollen wir uns verhalten und so wollen wir performen“, erklärt der Ex-Silberpfeil-Stratege. Auf der ersten Seite habe demnach gestanden, was es bedeute, ein „Sportsmann“ zu sein. Laut Vowles habe man dort erklärt: „Du kannst eine Weltmeisterschaft gewinnen, aber wenn du das in einer Art tust, die nicht fair und sportlich ist, wirst du es den Rest deines Lebens bereuen. Ja, du hast einen Titel. Aber er wird besudeld sein, er wird schmutzig sein, er wird nicht sauber sein“.
Laut Vowles sei das eine Methode, die sehr gut funktioniere unter derartig kompetitiven Sportlern. „Es ist eine einfache Entscheidung, wenn du so etwas einem echten Sportsmann präsentierst – im Endeffekt wollen sie alle die Saison, die dir ein Vermächtnis einbringt.“ Ob das Dokument im Endeffekt dafür gesorgt hat, dass Rosberg und Hamilton besser miteinander auskamen, blieb offen. Auch Vowles gestand im Podcast ein, es sei eben nicht gelungen, alle Zwischenfälle zu verhindern, besonders in Rosbergs Titel-Jahr 2016. Aus Team-Sicht gab es aber immerhin so gesehen ein Happy End. Schließlich reichte es drei Jahre in Folge zur Doppel-Spitze in der Fahrer-WM – und damit natürlich auch zum Sieg in der Konstrukteursweltmeisterschaft.
Die Formel-1-Saison 2024 ist derweil erst zwei Rennen alt – aber liefert bereits Schlagzeilen. Der letzte deutsche Formel-1-Fahrer, Nico Hülkenberg, muss etwa um sein Cockpit für 2025 kämpfen. (han)
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