Bayern obenauf im Titelkrampf – Restprogramm lässt keine Prognose zu
VonManuel Bonke
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Nach dem Heimsieg gegen die Hertha ist der FC Bayern wieder Tabellenführer. Joshua Kimmich und Co. tun alles daran, dass dem bis Ende Mai so bleibt.
München – Obwohl Thomas Müller erneut nur die Rolle des Edeljokers blieb, gab er beim 2:0 (0:0) des FC Bayern München gegen Hertha BSC mal wieder den Ton an – zumindest nach Abpfiff in den Katakomben der Allianz Arena. Breitbeinig und vor Mia san mia strotzend marschierte die Vereinsikone aus dem Spielertrakt und brüllte: „Da sind wir wieder! Wir holen uns das Ding. Könnt ihr schreiben!“ Hiermit geschehen.
FC Bayern München
Gründung:\t
27. Februar 1900
Präsident:
Herbert Hainer
Trainer:
Thomas Tuchel
Mitglieder:
über 300.000
Offensivspiel der Bayern erinnert zurzeit eher an Titelkrampf als an Titelkampf
Ja, die Münchner Welt ist nach dem Pflichtsieg gegen das Bundesliga-Schlusslicht und dem Patzer der Meister-Konkurrenz aus Dortmund wieder in Ordnung. Da schauen Spieler und Trainer gerne darüber hinweg, dass weite Teile des Bayernspiels erneut einen Offenbarungseid in der Offensive darstellten und mehr an einen Titelkrampf erinnerten.
Es war vor allem dem Adlerauge und den feinen Pässen von Joshua Kimmich zu verdanken, dass die bis dahin unauffälligen Serge Gnabry (69.) und Kingsley Coman (79.) sich noch in die Torschützenliste eintragen durften. Der Mittelfeldchef zeigte sich überrascht, dass die Mannschaft an diesem Tag die Fähigkeit hatte, „auch mal geduldig zu bleiben. Ich glaube, dass es in den vergangenen Wochen eher so gewesen ist, dass wir den Kopf verlieren und anfangen, ein Risiko zu nehmen, wo es nicht angebracht ist“. Es sei zwar kein Schützenfest gewesen, aber eine reifere Leistung als in den vergangenen Wochen.
Geht für Bayern „nicht darum, den Schönheitspreis zu gewinnen“, sagt Vorstandschef Kahn
Dem Team von Trainer Thomas Tuchel ist es mittlerweile egal, wie die drei Punkte eingefahren werden. Hauptsache, sie werden eingefahren. „Man hat der Mannschaft angemerkt, was auf dem Spiel steht. Es ist alles enorm eng. In so einer Phase geht es nicht darum, den Schönheitspreis zu gewinnen, sondern es geht darum, zu gewinnen und die Tabellenführung zu übernehmen“, beschrieb Vorstandschef Oliver Kahn die Situation.
Die Wortwahl zeigt, dass die Münchner vom einstigen Top-Niveau derzeit meilenweit entfernt sind. Das war auch Hertha-Trainer Pal Dardai nicht entgangen: „Wir wollten lange gut verteidigen, das ist uns gut gelungen. Bayern ist eine Top-Mannschaft, aber nach 60 bis 70 Minuten waren die platt. Eigentlich müssen wir hier mit einem Punkt nach Hause gehen.“
Mittelfeld-Regisseur Kimmich vom Titelgewinn der Bayern überzeugt
Das gelang den Herthanern nicht, und so ist in der Tabelle der deutsche Rekordmeister nun wieder obenauf und kann einen Zähler mehr (62) als die Dortmunder vorweisen. „Wir haben es in der eigenen Hand. Wir können alle zählen und rechnen: Wir müssen vier Spiele gewinnen“, erklärte Kimmich und kündigte an: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Deutscher Meister werden!“
Präsident Herbert Hainer setzt indes auf die wiedererlangte Selbstständigkeit der Mannschaft: „Jetzt haben wir es selbst in der Hand – und das ist das Beste, was man sich wünschen kann, wenn man sich nicht auf andere verlassen muss.“ CEO Kahn prophezeite, dass der Kampf um die Meisterschaft, die keineswegs ein Trostpreis sei, super eng bleibe, „vielleicht bis zur letzten Minute des letztens Spieltags“.
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Restprogramm von Bayern und Dortmund lässt keine Prognosen zu
Ein Blick auf das Restprogramm der Bayern (in Bremen, gegen Schalke und Leipzig daheim, in Köln) und der Dortmunder (zu Hause gegen Wolfsburg und Mönchengladbach, in Augsburg und daheim gegen Mainz) zeigt: Prognosen sind schwierig. Beide Teams schwanken in ihrer Leistung – am Ende wird der Wille entscheiden. Fragt sich nur, für wen das spricht. (bok)