VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht Frankfurt giert nach Erfolg, benötigt noch etwas Geduld und ist heiß auf das Spitzenduell gegen die Bayern. Das Lob von Boss Axel Hellmann passt in dieser Phase.
Am Mittwoch hat Oscar Hojlund bei sonnig-kalten Temperaturen wieder trainiert, im Schatten der WM-Arena im Stadtwald und mit der Mannschaft. Er hat das, wie es sich für einen Skandinavier mit zweitem Vornamen Winther gehört, in kurzen Hosen getan, allerdings ein bisschen eingeschränkt. Die Blessur, die er sich am Sonntag im Punktspiel gegen Holstein Kiel am Fuß zugezogen hatte und wegen der er schon kurz nach der Pause ausgewechselt werden musste, hatte sich nicht als so gravierend herausgestellt. Man war ein wenig in Sorge um den defensiven Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, er hat ja im vergangenen Sommer eine Fraktur des Schussfußes verkraften müssen. Dieses Mal war es kein Beinbruch, „strukturell“ sei nichts beschädigt worden, lautete das ärztliche Bulletin, etwas kürzer musste der Däne aber treten. Ein Einsatz am Sonntag beim FC Bayern ist dessen ungeachtet keinesfalls ausgeschlossen.
Kaum oder gar nicht beim doppelten Üben an Vor- und Nachmittag waren Torwart Kevin Trapp (Belastungssteuerung), Ellyes Skhiri (Rippe), Robin Koch (Schulter) und Igor Matanovic (Fuß) dabei, wobei bis auf den Stürmer dieses Trio durchaus eine Option für München ist. Trapp wird definitiv viele Bälle halten dürfen und müssen. Selbst ein Einsatz im Spitzenspiel von an der Schulter lädierten Robin Koch ist nicht ganz ausgeschlossen, wenn auch nicht sehr realistisch.
Hojlund trainiert
Ansonsten ging es sehr lebhaft zu auf dem satten Grün an der Wintersporthalle, alle waren mit Feuereifer dabei. Das hätte Axel Hellmann, hätte er dem Training der Profis nur zugeschaut, sicher gefallen. Ohnehin ist der mächtigste und klügste Kopf, der vermutlich je bei Eintracht Frankfurt die Strippen gezogen hat, ein überzeugter und riesengroßer Fan dieser Mannschaft.
Der Vorstandsboss macht kein Hehl daraus, er sagt: „Wir haben eine herausragend gute Mannschaft, die herausragend Fußball spielen kann.“ Den Satz aus der Vergangenheit vom besten Kader ever hat er längst einkassiert, verstecken bracht sich auch diese Generation nicht, zumal seit dem neunten Spieltag Anfang November ein Champions League-Platz durchgehend in Frankfurter Hand war: „Das hört sich gut an, das ist auch gut, es ist sogar sehr gut“, hebt der Chef den Daumen.
Das tut er natürlich nur, um dann gleich den warnenden Zeigefinger hinterher zu schicken, ein mittelgroßes Aber. „Wir haben noch Herausforderungen“, schrieb Hellmann seinen Profis auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag coram publico ins Stammbuch. Es sei kein Geheimnis, dass diese Mannschaft gerade bei Ballbesitz „mehr Dominanz“ entwickeln, ausstrahlen und dies nach Möglichkeit „90 Minuten durchziehen“ müsse.
Felsen in der Brandung
Ihn störte zuletzt, dass viel zu früh in „den Passivmodus“ geschaltet wurde. Freilich ist eine 90-minütige Dominanz eine Vorgabe an die Kicker, die nur die wenigsten Klubs in Gänze erreichen. Aber man soll sich seine Hürden ja nie zu niedrig aufbauen.
Und ein paar Sticheleien gehören zudem zur Jobbeschreibung eines Vorgesetzten, der die teilweise lähmenden Auftritte in der vergangenen Saison noch in unguter Erinnerung behalten hat. „Das hat zu einer gewissen Nervosität geführt“, gab Hellmann gerne zu. Inzwischen indes sei dieses Team auf „eine Schiene gesetzt“ worden, die „danach giert, erfolgreich zu sein“, ein gravierender Unterschied zur letzten Runde.
Der auch ein Lernprozess erforderlich machte. Gerade „jungen Mannschaften muss man Zeit für Entwicklungen lassen“, findet Hellmann. Am vergangenen Sonntag hatte die Eintracht das jüngste Team der Liga gestellt, etwa mit Nnamdi Collins (21), Nathaniel Brown (21), Oscar Hojlund (20), Hugo Larsson (20), Can Uzun (19), Hugo Ekitiké (22). Das gehe bestenfalls Stück für Stück und erfordere „Geduld, Standfestigkeit, Stabilität“. Und bedürfe einer Handvoll Routiniers, die das Ganze zusammenhalten. Hellmann nannte stellvertretend Timothy Chandler, Trapp, Mario Götze oder Koch, allesamt „Felsen in der Bandung“, die es bei allem Talent eben auch brauche.
Dieser Weg sei für ein Klub wie Eintracht Frankfurt alternativlos, zumal die jungen Spieler ja sehr genau mitkriegten, dass die Durchlässigkeit nach oben - sprich: zu den ganz großen Klubs - gegeben sei. Bestes Beispiel ist da Stürmer Omar Marmoush, bei dessen Weggang er „eine Träne im Knopfloch“ gehabt habe, dem er aber „die Chance seines Lebens“ nicht verbauen wollte, sagte Hellmann. „Omar ist ein Spieler mit Charakter. Wenn man so im Guten von einem Klub scheidet, dann wird das auch andere Spieler ermutigen, unseren Weg zu gehen“.
Und Axel Hellmann konnte sich dann doch einen kleinen Seitenhieb auf Randal Kolo Muani nicht verkneifen, der im Sommer mit unschöner Begleitmusik den Transfer zu Paris Saint-Germain forciert hatte. „Man kann auch ohne Verrenkungen und ohne Streik gehen.“
