VonThomas Kilchensteinschließen
Die Eintracht verlängert ausdrücklich vorm Endspiel um die Königsklasse den Vertrag mit dem Trainer
Das offene Geheimnis wurde knapp eineinhalb Stunden vor der offiziellen Spieltags-Pressekonferenz vor der nicht ganz unwichtigen Partie beim SC Freiburg gelüftet: Per Pressemitteilung informierte Eintracht Frankfurt darüber, dass der Klub den Vertrag mit Trainer Dino Toppmöller vorzeitig bis 2028 verlängert hat.
Eine wirkliche Überraschung war das nicht, auch nicht der Zeitpunkt: Es war ein offensichtliches Signal, dürfte als nochmaliger Motivationsschub verstanden werden für das Endspiel im Breisgau am Samstag (15.30 Uhr/Sky), wo die Hessen im schlechtesten Fall noch die lang als gesichert geltende Qualifikation zur Champions League verspielen könnten – sie schlössen dann diese Saison erstmals seit November 2024 nicht auf einem Platz ab, der für die Königsklasse erforderlich wäre. Die Europa League wäre da nur ein dürres Trostpflaster.
Der Klub sei für ihn „eine Herzensangelegenheit“, flötete Toppmöller nach der Unterschrift unter einen deutlich besser dotierten Kontrakt, zudem sei er „unheimlich stolz darauf, Cheftrainer von Eintracht Frankfurt zu sein“.
Der 44 Jahre alte Coach, erst selbst Spiel bei der Eintracht, hatte den Klub im Sommer 2023 als Nachfolger von Oliver Glasner übernommen. Es war seine erste ernsthafte Aufgabe als Cheftrainer, zuvor war er Co-Trainer bei Bayern München und RB Leipzig. Er führte das Frankfurter Team zweimal -mindestens - in die Europa League. „Wir wollen diesen tollen Weg weiterführen“, sagte er jetzt.
Toppmöller ertrug klaglos, dass der „von oben sensationell gut geführte“ Klub zweimal die mit Abstand besten Spieler, Randal Kolo Muani und Omar Marmoush, verkaufte. Trotzdem hielt er das Team weitgehend in der Spur. In seine Ägide fielen aber auch bittere Schlappen, das Aus im Pokal gegen den Drittligisten Saarbrücken, das Aus in der Conference League gegen den Außenseiter Union Saint-Gilloise, das Aus im Viertelfinale der Europa League Mitte April dieses Jahres gegen Tottenham Hotspur.
Sportvorstand Markus Krösche erklärte, die Mannschaft habe in „sämtlichen Spielphasen“ sowie im taktischen Bereich „klare Fortschritte“ erzielt, eine „signifikante Weiterentwicklung“ sei erkennbar. „Ein wesentlicher Faktor für diese positive Entwicklung ist die hervorragende Arbeit von Cheftrainer Dino Toppmöller und seinem Trainerteam.“ Das Team habe in puncto „Stabilität, Struktur und spielerischer Reife einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht“.
Zuletzt war wenig Struktur erkennbar
Zuletzt freilich, gerade in den entscheidenden Spielen gegen Mainz (1:1) und St. Pauli (2:2), war von Struktur und Reife nicht viel zu sehen, genau deshalb ist die allerletzte Partie in Freiburg nun so eminent wichtig geworden, ja sie entscheidet darüber, ob diese Saison als gelungen oder eben nicht in die Annalen eingehen wird. „Wir wollen diese tolle Saison mit einem tollen Abschluss krönen“, sagt Dino Toppmöller. Ein schnödes Unentschieden würde reichen.
Der Fußballlehrer hat in dieser Woche großen Wert darauf gelegt, die bösen Geister aus dem Stadtwald zu vertreiben. Die Stimmung im berühmten Frankfurter Umfeld ist ja nach den beiden vergebenen Matchbällen nicht die allerbeste, das Vertrauen in das Team ist bei Außenstehenden merklich geschwunden. „Klar, wir waren am Sonntag alle restlos enttäuscht“, gab Toppmöller einen Einblick ins Seelenleben, und diese Enttäuschung musste sich auch Bahn brechen. Aber aus diesem Scheitern müsse neue Energie entstehen, „du musst die Enttäuschung umarmen“, philosophierte der Frankfurter Fußballlehrer, „daran wird man wachsen.“
Und den Freiburger will man einen ordentlichen Kampf anbieten. Angst vor diesem Spiel, do-or-die, habe er nicht, Angst sei ohnehin ein ganz schlechter Berater. „Wir brauchen die Gier aufs Gewinnen, nicht Angst vor dem Verlieren.“
Erinnerung an die besten Saisonspiele
Was er verlange von seinen Spielern, ist einfach: „Ich will sehen, dass wir alle den Tank leer fahren.“ Noch einmal werde jeder an sein Limit gehen müssen. „Wir wollen uns holen, was wir uns verdient haben“, sagt der 44-Jährige und verwies auf die vielen kleinen Höhepunkte in dieser Saison, die herausragenden Spiele gegen Bayern, Borussia Dortmund, den VfB Stuttgart oder zuletzt RB Leipzig, das 7:2 gegen Bochum, die packenden Begegnungen gegen Besiktas oder Gladbach im Pokal. „Wir wollen in die Champions League. Das wäre das i-Tüpfelchen auf eine überragende Saison.“
Änderungen im gewohnten Ablauf sind nicht zu erwarten. Bei aller Bedeutung dieser letzten 90 Minuten will Toppmöller ein gewisses Maß an Normalität wahren. Die richtige Balance zu finden zwischen Angespanntheit und Lockerheit sei das Gebot der Stunde.
90 Minuten plus Nachspielzeit noch – und dann ist diese Saison Geschichte, 90 Minuten freilich, die darüber entscheiden, ob der Daumen hochgeht oder nicht. Wie auch immer: Am Mittwoch, 9. Juli, startet der Trainingsbetrieb für die Saison 2025/26.
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