VonMelanie Gottschalkschließen
Das DHB-Team hat in der Schlussphase gegen Österreich eine historische Pleite gerade noch abgewendet. Handball-Europameister Jan Immel zeigt die Probleme auf.
Köln – Nach dem zweiten Hauptrundenspiel des DHB-Teams gegen Österreich war Bundestrainer Alfred Gislason bedient: „Grausam“ nannte er die Chancenverwertung seiner Mannschaft im Interview mit der ARD, „wir haben den Punkt im Angriff verloren. 23 Fehlwürfe, meistens frei stehend gegen den Torhüter. Wir hatten auf gewissen Positionen gar keine Gefahr.“ Vor allem von der rechten Seite war es dem Bundestrainer zu wenig. „Unsere rechte Seite war, ehrlich gesagt – unter dem, was wir haben wollen, da war gar keine Gefahr.“
Handball-Europameister Immel zeigt Fehler gegen Österreich auf
Für Jan Immel, Europameister von 2004, lag das Problem des DHB-Teams nach dem 22:22 gegen Österreich noch an einer anderen Stelle: „Von der Halbposition kommt meiner Meinung nach zu wenig aus dem Rückraum, sodass es zumindest aus der Ferne schwer ist, dort zum Erfolg zu kommen. Wenn du dann die Freien nicht nutzt, die du gegen Österreich hattest, dann fehlen dir die Tore“, sagte er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Über die Abwehr und den Torhüter könne man sich nicht beschweren, die Leistung sei in Ordnung gewesen.
„Auf die Frage, wer war gestern in Normalform, würde ich sagen: Wolff. Juri hat sich noch gewehrt, aber halt auch mit Fehlern“, sagte Immel. Knorr sei allerdings auch erkältet gewesen, angeschlagen.
Für DHB-Team sind zwei Siege Pflicht
In den letzten beiden Spielen der Hauptrunde seien für das DHB-Team nun zwei Siege Pflicht. „Gegen Ungarn wirst du auf eine sehr stabile Abwehr treffen, groß, massiv. Ähnlich wie bei den Franzosen. Vielleicht nicht ganz so schnell auf den Beinen. Dadurch musst du aber sicherlich in die Breite spielen und die schweren Jungs da hinten zwingen, den zweiten Schritt zu machen“, analysierte Immel den kommenden Gegner der Deutschen – und hat auch direkt einen Tipp für die deutsche Mannschaft parat, wie sie die Abwehr der Ungarn knacken könnte.
„Den ersten Schritt schaffen sie, wenn sie dich da haben, dann wird es schwer. Aber wenn du es schaffst, die großen Jungs in eine Seitwärtsbewegung mit dem zweiten Schritt zu zwingen und dann schnell bist, dann ist das deine Chance, Lücken zu kriegen beziehungsweise Platz für den Nebenmann zu schaffen“, sagte Immel.
Keine Verschnaufpause für DHB-Team: Am Montag wartet Ungarn
Gleichzeitig warnt Immel vor den Kreisläufern der Ungarn. Diese seien sehr stabil. „Das kommt auf dasselbe raus, wie gestern gegen Österreich, da hatten wir ja auch unsere Problemchen in den wichtigen Phasen. Das gefällt mir noch nicht so, diese Lösung, die wir haben“, sagte der Handball-Europameister von 2004.
Was kann das DHB-Team gegen Ungarn besser machen? „Du musst mit 100 Prozent reinspringen, vielleicht einen Tick länger warten und nicht immer auf das Angebot des Torhüters eingehen. Es kann natürlich auch in gewisser Weise eine Frage der Kraft sein. Es ist halt anders, jetzt geht es ans Eingemachte. Alle zwei Tage, das ist knackig. Gislason versucht zwar schon zu wechseln, die Last liegt aber auf zwei oder drei Spielern“, sagte Immel. Im Endeffekt muss aber das ganze DHB-Team noch einmal alles geben, um das große Ziel Halbfinale zu erreichen. (msb)
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