Jörg Schmadtke erklärt

Ryan Gravenberchs Weg vom Bayern-Flop zum Liverpool-Star

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Ryan Gravenberch dominiert mit dem FC Liverpool die Premier League. Beim FC Bayern konnte er in der Saison 2022/23 nicht überzeugen.

München/Liverpool – Der FC Liverpool hat am traditionellen Spieltag am ‚Boxing Day‘, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, die Tabellenführung in der englischen Premier League durch ein 3:1 gegen Aufsteiger Leicester City ausgebaut. Die Reds haben sieben Zähler Vorsprung auf den FC Chelsea, der dabei eine Partie mehr absolviert hat.

Schon jetzt zeichnet sich deutlich ab, dass Liverpool den Titel eigentlich nur noch selbst verspielen könnte, darauf deutet unter Neu-Trainer Arne Slot jedoch nichts hin. Zu den prägenden Figuren seiner Mannschaft gehört mit Ryan Gravenberch ein Spieler, für den es beim FC Bayern 2022/23 überhaupt nicht lief.

Ryan Gravenberch verpasste beim FC Bayern den Durchbruch

Unter den Top-Trainern Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel verpasste Gravenberch in München den Durchbruch, stand wettbewerbsübergreifend nur sechsmal in der Startelf. Das einzige, was den Niederländer davor rettet, zu den größeren Transferflops der jüngeren Bayern-Historie zu gelten, ist der Umstand, dass er trotz seines schwierigen Jahres mit hohem Transfergewinn an Liverpool weiterverkauft wurde.

„Das war eine späte Geschichte, die kompliziert war und viel Überzeugungsarbeit kostete“, blickte Jörg Schmadtke auf den Deal am Deadline Day des Sommer-Transferfensters 2023 gegenüber der Süddeutschen Zeitung zurück. Der langjährige Bundesliga-Manager war seinerzeit als Sportdirektor bei Liverpool engagiert, fungierte in enger Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp als Transferexperte.

Ryan Gravenberch hat beim FC Bayern keine großen Spuren hinterlassen.

„Bayern-Seite hat mitgespielt, was nicht selbstverständlich war“

„Die Bayern-Seite hat damals mitgespielt, was nicht selbstverständlich war, weil deren Transfer von João Palhinha zur selben Zeit platzte“, so Schmadtke. Das Glück für Liverpool sei gewesen, dass Gravenberch mit seinen wenigen Spielanteilen unzufrieden war. „Als unsere Anfrage kam, hat er aus meiner Sicht relativ schnell Vertrauen gefasst. Der Deal hat allen Seiten geholfen: Die Bayern haben eine ordentliche Ablöse erhalten und Liverpool einen hervorragenden Spieler“, meinte Schmadtke.

Tatsächlich werden sich die Münchner hin und wieder womöglich bei der Frage erwischen, ob sie heute nicht lieber Gravenberch hätten als die Ablöse von kolportierten 40 Millionen Euro. Immerhin ist der Nationalspieler in Liverpool zum Sechser umfunktioniert worden und zeigt herausragende Leistungen. Englische Medien loben Gravenberch dieser Tage als zweitwichtigsten Spieler der Reds nach Superstar Mohamed Salah.

„Gravenberch ist ein Idealbeispiel, wie man sich einen Transfer ausmalt“

„Es ist außergewöhnlich, wie der Junge sich entwickelt hat, und vor allem, wie schnell das gegangen ist. Aber man hat gleich gesehen, über welch großartige Anlagen er verfügt: Passschärfe, Passgenauigkeit, Raumverhalten, Tempo“, schwärmte nun auch Schmadtke. Ob Gravenberch diese Qualitäten beim FC Bayern hätte zeigen können, bleibt ungewiss.

Der Wechsel habe beim Mittelfeldmann „einen Reifeprozess vorangetrieben“, so Schmadtke. „Gravenberch ist ein Idealbeispiel, wie man sich einen Transfer ausmalt – und in diesem Fall hat es funktioniert.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

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