- VonStephan Klemmschließen
Der 19-jährige Flügelspieler des Bundesliga-Aufsteigers 1. FC Köln soll nun auch der U21-Nationalmannschaft helfen.
Es ist erstaunlich, wie schnell sich der sehr emotionale Kölner Trainer Lukas Kwasniok herunterdimmen kann, wenn er auf Said El Mala angesprochen wird. Zum Beispiel am vergangenen Freitagabend. El Mala hatte bei der TSG Hoffenheim mit seiner Spezialität geglänzt, rasanten, raumgreifenden Dribblings, und obendrein nach einem solchen Ausflug mit dem Ball am Fuß das Tor des Tages für den 1. FC Köln erzielt.
Zuvor hatte er vier Hoffenheimer Abwehrspieler ausgespielt und -gewackelt und von links kommend, satt mit rechts abgeschlossen. Das Tor war spektakulär, und normalerweise reagiert Kwasniok auf solch anzündende Momente mit sofort entflammtem Gemüt. Doch er weiß, was er damit im chronisch aufgeregten Kölner Umfeld anrichten würde, von dem El Mala schon jetzt als „El Maladonna“ gefeiert wird. Kwasniok also sagte: „Hat’s Tor gemacht. War gut und wichtig für uns alle.“
Auch bei anderen Gelegenheiten, etwa vor El Malas erster Berufung in die U21 Anfang September, sprach Kwasniok bewusst defensiv über seinen Linksaußen. Was diese Nominierung für El Malas weitere Schritte bedeutet? „Nichts.“ In den Spielen gegen Albanien (2:0) und gegen Lettland (5:0) kam El Mala schließlich jeweils zum Einsatz, auch für das EM-Qualifikationsspiel der U21 gegen Griechenland in Jena (Freitag 18 Uhr/ProSieben) und gegen Nordirland in Belfast (Dienstag 18.30 Uhr/ProSieben) steht El Mala im Kader des DFB-Nachwuchses.
„Straßenfußballer mit gottgegebenen Gaben“
In der Nacht nach dem Kölner Erfolg in Hoffenheim jedoch war Kwasniok doch noch auskunftsfreudiger und hob schließlich zu einer El-Mala-Eloge an: „Said ist ein guter Junge, ein Straßenfußballer, der einfach gottgegebene Gaben hat, Tempo und Dribbling.“ Doch solche Talente habe es schon viele gegeben, auch solche, die mit 17 schon zum Weltstar erklärt worden seien, „aber von denen hörst du nichts mehr. Das Einzige, was dir hilft, ist harte Arbeit und demütig bleiben.“
In Hoffenheim spielte El Mala, der seit Ende August 19 Jahre alt ist, erstmals von Anfang an. Ein Tor hatte er bereits zuvor erzielt, am zweiten Spieltag beim 4:1 gegen den SC Freiburg. Sein Jubel ist exaltiert, auch das reißt die Fans mit: Er rutscht nach langem Anlauf auf dem Rasen in Richtung Eckfahne und hebt die rechte Hand zum Gruß an die Schläfe. Die besonders schnell verknallten Kölner Anhänger sehen in El Mala bereits den fußballerischen Erlöser aus einem Fahrstuhldasein. El Mala ist auf bestem Wege, in Köln so angehimmelt zu werden wie zuletzt Lukas Podolski.
El Mala, 1,83 Meter groß, bringt ja auch alles mit, was ein Publikum begeistern kann: Er ist schnell, 35 Stundenkilometer werden bisweilen nach seinen Sprints gemessen, verfügt über eine außergewöhnliche Körperbeherrschung, kann den Ball am Fuß kleben lassen und besitzt einen platzierten Abschluss. Auf dem Platz wirkt er von links kommend und mit rechts abschließend wie ein seitenverkehrt aufgestellter Widergänger von Arjen Robben.
Über Viktoria Köln zum benachbarten FC
Dass es dieser außergewöhnliche Spieler in die Bundesliga geschafft hat, erscheint angesichts dieser Voraussetzungen zwingend. Doch er benötigte einige Umwege. El Mala, geboren in Krefeld, wurde mit 14 Jahren von seinem damaligen Klub Borussia Mönchengladbach aussortiert. Gemeinsam mit seinem Bruder Malek El Mala, einem Mittelstürmer, wechselte er nach 13 Absagen in deutschen Nachwuchsleistungszentren zum TSV Meerbusch. Dort spielten die El Malas in der Niederrheinliga, eine Klasse unter der Junioren-Bundesliga. Vor allem Said El Mala blühte ohne die taktischen Fesseln auf.
Auf die El Malas wurde Marian Wilhelm aufmerksam, der damalige Trainer der U19 von Viktoria Köln. Said El Mala schaffte als jüngerer Jahrgang den Durchbruch, er und sein Bruder wurden daraufhin in den Drittliga-Kader der Viktoria befördert. Längst war auch der Nachbar 1. FC Köln auf das hochtalentierte Duo aufmerksam geworden und verpflichtete es gemeinsam. Das war trotz der damaligen Transfersperre möglich, weil die Spieler weiterverliehen wurden. Die El Malas blieben bei der Viktoria und wurden in den Drittliga-Kader befördert. Said El Mala fiel in der Vorsaison besonders auf und erzielte 13 Tore in der Liga drei.
Vor dem Wechsel zum FC in diesem Sommer glänzte Said El Mala noch bei der U19 EM. Deutschland erreichte das Halbfinale, verlor dort gegen Spanien, doch El Mala wurde Torschützenkönig und in die Elf des Turniers gewählt. Während Said El Mala gleich den Sprung in den Kader der Bundesliga-Mannschaft des FC schaffte, ist sein Bruder zunächst für die Zweivertretung des Klubs in der Regionalliga West vorgesehen.
Von seinen Teamkollegen wird Said El Mala bereits mehr als akzeptiert. Verteidiger Joel Schmid etwa sagt: „Er macht es unglaublich gut.“ Doch Schmid und auch Abwehrspieler Dominique Heintz wollen sich vor allem darum bemühen, den jungen Kerl am Boden zu halten. Heintz sagt: „Wir älteren Spieler haben Said gut im Griff. Also keine Angst, den bauen wir behutsam auf.“ Der letzte Satz hätte auch von Lukas Kwasniok stammen können.
