VonAntonio José Rietherschließen
Torhüterlegende Sepp Maier widerspricht den kritischen Stimmen zu Oliver Kahn, der FC-Bayern-CEO solle noch mehr Zeit in seinem Amt bekommen.
München – Wie geht es beim FC Bayern nach der enttäuschenden Saison weiter? Wie mehrere Medienberichte aus den letzten Wochen andeuten, deutet sich ein Machtwechsel beim Rekordmeister an. CEO und Spielerlegende Oliver Kahn soll demzufolge etwas mehr in der Kritik stehen als Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Nun äußerte sich Weltmeister und Torhüterlegende Sepp Maier zur Debatte um Kahns Zukunft.
| Josef „Sepp“ Maier | |
|---|---|
| Geboren: | 28. Februar 1944 in Metten |
| Vereine: | TSV Haar (1952 bis 1959), FC Bayern (1959 bis 1979) |
| Pflichtspiele für den FC Bayern: | 706 |
| Länderspiele: | 95 für Deutschland |
FC-Bayern-Rekordspieler Sepp Maier kritisiert Brazzos vermeintliche Toptransfers
Maier wurde mit dem FC Bayern nicht nur dreifacher Europapokalsieger und vierfacher deutscher Meister, bis heute ist er mit 706 Einsätzen der Rekordspieler der Münchner. Der 79-Jährige, der in der Saison 1986/87 und zwischen 1994 und 2008 als Torwarttrainer bei seinem Herzensklub tätig war, stimmte im Interview mit dem Kicker äußerst kritische Töne an. Allerdings gegen Salihamidzic.
Wie Maier zwischen den Zeilen meinte, habe dieser vor allem bei der Zusammenstellung der Mannschaft Fehler gemacht. „Was haben die denn für einen Kader beieinander? Bei Mané hieß es: ein super Deal. Bei Sané hieß es: ein super Deal. Aber glaubst du wirklich, dass Pep Guardiola einen super Spieler für 50 Millionen Euro verkauft? Oder dass Jürgen Klopp einen super Spieler gehen lässt?“, fragte der 95-malige Nationaltorhüter. Die Bayern seien „da mal wieder nicht schlau“ gewesen und hätten „Spieler geholt, die woanders nicht mehr gebraucht wurden“, bemängelte Maier.
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Sepp Maier glaubt an Oliver Kahn: „Er wird es mit Ehrgeiz und Verstand hinkriegen“
Die massive Kritik am Vorstandsvorsitzenden kann sich die „Katze von Anzing“ nicht erklären. „Bevor man den Olli angreift, soll man erst woanders schauen. Ich spreche oft mit ihm. Es sind für ihn neue Strukturen“, verteidigte Maier seinen ehemaligen Schützling. „Uli Hoeneß hat den FC Bayern über 40 Jahre zu einem Weltverein auf Weltniveau aufgebaut. Dieses Level zu halten, ist schwierig und kostet viel Energie.“
Kahn könne nicht in „ein, zwei Jahren“ das vollbringen, was Hoeneß in 40 Jahren als Bayern-Macher vollbracht hat, so der gebürtige Niederbayer. Maier forderte darum, den CEO „erstmal in Ruhe arbeiten“ zu lassen und ihm Zeit zu geben. „Es ist für ihn jetzt ein ganz neues, anderes Gebiet. Aber er wird es mit demselben Ehrgeiz wie früher und mit Verstand hinkriegen“, ist er sich sicher.
Sepp Maier sieht wenige Alternativen für Kahn-Nachfolge: „Ich sehe keinen – außer Uli“
Auch den Mangel an Alternativen für Kahns Position spricht Maier deutlich an. „Wer soll’s denn sonst machen? Wer ist denn qualifiziert dafür? Ich sehe keinen – außer Uli macht es nochmal selbst.“ Hoeneß, der seit Ende 2019 nur noch als Mitglied des Aufsichtsrats sowie als Ehrenpräsident tätig ist, ist für Maier also die einzige ernstzunehmende Option für die Kahn-Nachfolge.
Zuletzt hatte es Gerüchte um eine Rückkehr von Karl-Heinz Rummenigge auf den Chefposten gegeben, auch Präsident Herbert Hainer wurde mit der Rolle als Interims-Vorstandsvorsitzender in Verbindung gebracht. Am 30. Mai findet die nächste turnusmäßige Sitzung des Bayern-Aufsichtsrats statt. Auf dem Termin könnten die Weichen für die Zukunft gestellt werden – möglicherweise mit harten Personalentscheidungen auf Spitzenpositionen. (ajr)
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