VonVinzent Tschirpkeschließen
Korbinian Kothnyschließen
Der FC Bayern schlägt den 1. FC Heidenheim und übernimmt zumindest über Nacht die Bundesliga-Tabellenführung. Die Noten und Einzelkritik.
München – Die Maschinerie des FC Bayern läuft auch in der Bundesliga weiter. Ganze 14 Minuten dauerte es, bis Aufsteiger Heidenheim das erste Bundesliga-Gegentor der Geschichte vom deutschen Rekordmeister hinnehmen musste. Durch wen? Überflüssige Frage: Harry Kane natürlich.
Als der Engländer eine halbe Stunde später und damit kurz vor dem Pausenpfiff sein zweites Tor nachlegte, dachte wohl auch der Letzte der 75.000 Zuschauer in der Allianz Arena: Heidenheim wird nicht zum zweiten Saarbrücken für die Mannschaft von Thomas Tuchel. Und das obwohl der Cheftrainer gleich vier Änderungen in seiner ersten Elf vorgenommen hatte. Neben Serge Gnabry und Thomas Müller gab Youngster Aleksandar Pavlovic sein Startelf-Debüt und sogar Bouna Sarr durfte zum ersten Mal seit 31 Monaten wieder von Anfang an in der Bundesliga auflaufen.
FC Bayern feiert nächsten Sieg in der Bundesliga: Tabellenführer über Nacht
Doch die 75.000 Zuschauer hatten die Rechnung ohne die Mannschaft von Frank Schmidt gemacht. Die Bayern ließen es zu Beginn der zweiten Halbzeit zu lässig angehen und wurden prompt bestraft: Mit einem Doppelschlag innerhalb von drei Minuten egalisierte der Aufsteiger das 0:2 aus der ersten Halbzeit und ließ die Besucher in der Allianz Arena nicht schlecht staunen. Danach schaltete die Tuchel-Elf wieder einen oder zwei Gänge nach oben und sorgte nach Treffern der Joker Raphaël Guerreiro (erstes Tor im Bayern-Dress) und Eric Maxim Choupo-Moting doch noch für den neunten Bundesliga-Sieg in dieser Saison – am 11. Spieltag!
Da Bayer Leverkusen erst morgen Krisenkind Union Berlin empfängt, springen die Bayern zumindest über Nacht an die Tabellenspitze. Perfekte Vorzeichen für eine harmonische Jahreshauptversammlung am Sonntag.
Manuel Neuer
Erlebte sehr lange ein Manuel-Neuer-Spiel. Hatte sehr wenig zu tun und musste sich warm halten an diesem kalten Nachmittag. Dann aber kam der Seitenwechsel – und plötzlich klingelte es zwei Mal in seinem Kasten. Daran war er unschuldig, aber er schimpfte natürlich trotzdem. Note: 3
Noussair Mazroui
Sah bereits in der dritten Minute Gelb, als er Jan-Niklas Beste auf dem Weg zum Tor ausbremsen musste. Und war auch in der Folge nicht immer geschickt in seinen Aktionen. Nach der Auswechslung von Dayot Upamecano übernahm er die Innenverteidiger-Rolle – und es fielen zwei Gegentore. Note: 4
Dayot Upamecano
Brauchte nach einigen Unsicherheiten, um ins Spiel zu kommen. Und hatte das Vergnügen, Tim Kleindienst davon abzuhalten, in Richtung Manuel Neuer zu stürmen. Das gelang mal besser, mal schlechter. War oft am Ball, um das Spiel zu ordnen. Note: 3 (ab 61. Raphael Guerreiro o.B.)
Minjae Kim
War aufgrund der ungewöhnlichen Aufstellung mit dem Spielaufbau betraut worden und übernahm so einen Teil der Rolle von Joshua Kimmich. Machte das lange gut, leistete sich aber dann vor dem 2:2 wie schon in Saarbrücken einen Abspielfehler, der hart bestraft wurde. Note: 4
Bouna Sarr
31 Monate lang stand der Senegalese nicht in der Bundesliga-Startelf der Bayern – sein letzter Auftritt von Beginn an war das Pokal-Aus in Saarbrücken. Weil Thomas Tuchel aber Alphonso Davies eine Pause verschaffen wollte und Leon Goretzka mit leichten Muskelproblemen ausfiel, schlug die Stunde von Sarr auf der ungewohnten linken Seite. Mit leichten Ballverlusten zog er anfangs den Unmut der Kollegen auf sich, auch eine gute Möglichkeit vor dem Tor vergab er. Später rückte er nach rechts. Note: 4
Konrad Laimer
War in Abwesenheit des gesperrten Joshua Kimmich und des angeschlagenen Goretzka plötzlich so etwas wie der Dreh- und Angelpunkt im Bayern-Spiel. Zwei Schüsse gingen drüber, ansonsten ein unauffälliger Auftritt als Sechser. Als er später nach rechts hinten beordert wurde, ließ er Tim Kleindienst vor dem Anschlusstreffer viel zu weit weg laufen. Dann ging es wieder zurück auf die Sechs. Note: 4
Aleksandar Pavlovic
Womöglich wird dieser 11. November 2023 irgendwann ein Datum sein, an das man sich beim FC Bayern gerne zurückerinnert. Die internen Lobhymnen auf Aleksandar Pavlovic sind laut, gegen Heidenheim kam der 19-Jährige nun zu seinem Startelf-Debüt. Startete unauffällig, bei einigen misslungenen Pässen sah man ihm die Nervosität an. Wurde aber zunehmend sicherer. Note: 3 (ab 75. Alphonso Davies o.B.)
Leroy Sané
War in einer Reihe mit Thomas Müller und Serge Gnabry derjenige mit der meisten Spielpraxis. Ein erster Schuss ging daneben, dafür bediente der Nationalspieler Harry Kane vor dem 1:0. Die Möglichkeit zum schnellen 2:0 vergab er, weil er den Ball aus dem vollen Sprint leicht nach links verzog. Kane machte es dann nach einer Ecke von Sané, auch okay! Kein Glanz-Auftritt, aber zwei Assists zählen sowieso mehr. Das zählt. Note: 2
Thomas Müller
In der Bundesliga war es das erste sogenannte „Thomas-Müller-Spiel“ seit 8. Oktober. Es war eines, wie man es von ihm kennt: engagiert, mitreißend, nimmermüde. Zwingende Aktionen hatten seine Nebenmänner mehr, trotzdem war der 34-Jährige wichtig im Kombinationsspiel. Note: 3 (ab 61. Mathy Tel o.B.)
Serge Gnabry
Knapp zwei Monate musste es in der Liga nun ohne ihn gehen. „Gottseidank“ aber, sagte Thomas Tuchel, „ist er jetzt wieder zurück“. Die Schiene an der gebrochenen Hand ist nur noch klein, aber auch ohne den „Fremdkörper“ braucht der Nationalspieler noch Anlaufzeit. Hatte einige aussichtsreiche Situationen, es fehlte aber oft die genaue Abstimmung mit den Kollegen. Note: 4 (ab 61: Eric Maxim Choupo-Moting o.B.)
Harry Kane
Machte genau das, was die Bayern so an ihm schätzen: Ließ sich weit zurückfallen – und wusste die Räume dann zu nutzen. So war er bereits am ersten Angriff beteiligt (12.) und nahm den zweiten gleich für das 1:0. Aus der Drehung schloss der 30-Jährige aus rund zwölf Metern ab, Traumtor! Kurz vor dem Seitenwechsel folgte das zweite, nach Ecke von Sané und mit Köpfchen. Hat jetzt 17 Bundesliga-Tore und somit eins mehr als Robert Lewandowski zu diesem Zeitpunkt in der berühmten 41-Tore-Saison auf dem Konto. Note: 1
Aus der Allianz Arena berichten Hanna Raif, Vinzent Tschirpke und Korbinian Kothny.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.


