VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt kommt in Freiburg auch aufgrund eines kapitalen Fehlers ihres Torwarts nicht über ein 2:2 hinaus. Kapitän Koch erneut mit schwerwiegendem Bock.
Natürlich war es Vincenzo Grifo, das mit allen Wassern gewaschene Schlitzohr, das dem Bundesligaspiel am Sonntagnachmittag zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt eine andere Wendung gab. Kurz vor Schluss der Partie, der Gast aus dem Hessischen führte knapp mit 2:1, entschied Schiedsrichter Deniz Aytekin nach einem unnötigen Foul von Nathaniel Brown auf Freistoß für die Breisgauer, so 22, 23 Meter vor dem Kasten.
Die Breisgauer haben da zwei ausgemachte Spezialisten in ihren Reihen, Jan-Niklas Beste und eben Vincenzo Grifo. Fast alle im Stadion ahnten, was passieren würde – nur Eintracht-Torwart Kaua Santos nicht. Der Brasilianer beorderte nur zwei Mann in die Mauer und postierte sie auch noch falsch, ja, und dann zirkelte Grifo den Ball ganz frech ins kurze Eck; Santos stand auf dem falschen Fuß, reagierte zu spät, und die Kugel schlug ein im Netz (87.). Nichts war es mit dem wichtigen Auswärtssieg für die Eintracht am Fuße des Schwarzwalds, 2:2 lautete das letztlich gerechte Endergebnis in einem niveauarmen Fußballspiel.
Krösche schützt Santos
Hinterher war der 22 Jahre alte Schlussmann Gesprächsthema Nummer eins, nicht etwa Eintracht-Stürmer Jonathan Burkardt, der einen Doppelpack schnürte. „Wenn du so ein Tor bekommst, bist du als Torwart mit drin“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. „Grifo macht es schlau, Kaua sieht da blöd aus.“
Nun tobt in Frankfurt schon länger eine Torwartdebatte, nicht besonders laut, aber doch vernehmlich. Und sie wird nach diesem kapitalen Bock an Fahrt aufnehmen. Völlig zu Recht. Manager Krösche versucht, das Thema kleinzuhalten. „Ich werde hier keine Torwart-Diskussion lostreten“, befindet er. „Er hat keine glücklichen Spiele gemacht, er macht gerade eine schwierige Phase durch. Aber ein junger Torwart macht auch mal Fehler, sie gehören zu seiner Entwicklung dazu. Er wird daran wachsen.“ Die Frage wird freilich sein, wie lange es sich die Eintracht noch erlauben kann, einen solch fehleranfälligen und flatterhaften Torwart in die Kiste zu stellen.
Für die erste Überraschung sorgte Dino Toppmöller schon vor dem Anpfiff. Der Fußballlehrer entschied sich entgegen seinen Gepflogenheiten dafür, dieses Mal eine Dreierkette aufzubieten. Sein Startelfdebüt in dieser Saison durfte Aurele Amenda in der Verteidigung geben. Der Schweizer Nationalspieler, 22 Jahre jung, aber 1,97 Meter groß, kam davor erst zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga in dieser Runde, 60 Sekunden gegen Union Berlin, zwölf Minuten bei Borussia Mönchengladbach. Nun der erste echte Härtetest. Den er souverän bestand. Amenda, so viel vorneweg, machte ein ordentliches Spiel.
Zudem blieben in der Offensive beide „Sprinter“ draußen, kein Ansgar Knauff, kein Jean-Matteo Bahoya. Eine durchaus ungewöhnliche Maßnahme des Trainers, eine derart vorsichtige Aufstellung war eher gegen den englischen Meister FC Liverpool in der Champions League am Mittwoch erwartet worden, aber nicht gegen den SC Freiburg, der in dieser Spielzeit nun auch nicht unbedingt für Offensivfeuerwerke auffällig geworden ist. Aber gefährlich nach Standards ist, zudem feuern sie fast jeden Einwurf hoch und weit in des Gegners Strafraum.
Kristensen rüttelt auf
Und der Chefcoach konnte auch nicht tatenlos zusehen, wie die Gegentorflut immer dramatischere Ausmaße annimmt, im Eintracht-Kasten schlug es nach sechs Spieltagen bereits 16-mal ein. Negativrekord der gesamten Vereinsgeschichte.
Doch selbst die beste Idee verfängt nicht, wenn der Kapitän nach nicht mal zwei Minuten wieder patzt – wie schon vor zwei Wochen im Heimspiel gegen Bayern München, seinerzeit nach zehn Sekunden. Dieses Mal dauert es nicht viel länger. Nach einem völlig sinnfreien, ja katastrophalen Querpass von Robin Koch in der eigenen Hälfte ging es ruckzuck, Derry Scherhant brachte die Breisgauer früh in Führung, nach einer Minute und 52 Sekunden. Was ist nur los mit Nationalverteidiger Robin Koch? „Die einfachen Fehler ziehen sich durch bei uns, wir sind zu sorglos“, monierte Krösche.
So hatte sich das die Eintracht nicht vorgestellt. Doch unter den Augen der Freiburger Kultfigur Christian Streich und Ex-Bundestrainer Joachim Löw fing sie sich nach einer kurzen konfusen Phase. Gerade die Rückkehr von Rasmus Kristensen sollte sich als ungeheuer wichtig herausstellen. Der dänische Internationale ist ein astreiner Mentalitätsspieler, der seine Mitstreiter antreibt und die Kontrahenten beeindruckt.
Der Ausgleichstreffer fiel dann aber doch so ein bisschen aus dem Nichts. Irgendwie flipperte die Kugel in den Lauf von Stürmer Jonathan Burkardt, der sie sehr gekonnt mit rechts annahm und mit links im langen Eck versenkte (18.). Ein lupenreines Stürmertor klassischer Prägung.
Die Gäste hatten da längst die Spielkontrolle übernommen, es war erneut der Ex-Mainzer Burkardt, der zur Stelle war, als Amenda einen Angriff mit einem langen Schlag eröffnete, Can Uzun dann Fares Chaibi bediente, der in die Mitte passte, wo Burkardt erneut zuschlug und die Partie mit dem 2:1 drehte (38.). Sein vierter Treffer in der Liga, hinzu kommen drei in der Champions League. Nicht schlecht.
Die neue Defensive stand dann auch in der zweiten Hälfte stabiler als zuletzt, Toppmöllers Schachzug hatte sich ausgezahlt. Allerdings war die Eintracht nach vorne viel zu passiv. „Wir müssen viel zielstrebiger nach vorne spielen“, sagt der Sportchef. „Wir müssen aufs dritte Tor gehen.“ Die Gastgeber sorgten nur bei ruhenden Bällen für Gefahr. Einer genügte, um zum Ausgleich zu kommen.

