FC Bayern und Borussia Dortmund spielen in Cincinnati
In den USA gilt Cincinnati, das nun bei der Klub-WM Austragungsort von Spielen des FC Bayern und Borussia Dortmund ist, als größter Ausrichter eines Oktoberfestes. An vier Tagen im September (18.9. – 21.9.) kommen in etwa 800.000 Besucher.
Doch Achtung: Oktoberfest ist nicht gleich Oktoberfest! Die Organisatoren in Cincinnati haben ihren eigenen Style entwickelt.
Der Ursprung des Festes ist offensichtlich: Das rund 300.000 Einwohner große Cincinnati verfügt über eine deutsche Migrationsgeschichte. Jeder Zweite von ihnen soll sogar deutsche Vorfahren haben.
Titel, Talente und Turbulenzen: Die Bayern-Spielzeit in starken Momenten
Einwohner von Cincinnati haben oftmals deutsche Wurzeln
„Cincinnatis deutsche Wurzeln reichen bis in die 1830er-Jahre zurück, als sich eine Welle deutscher Einwanderer im Stadtviertel Over-the-Rhine (OTR) niederließ. Es folgte die Gründung deutscher Vereine, um kulturelle Traditionen zu bewahren. Dies prägt Cincinnati bis heute“, erklärt Samantha Dickinson von der regionalen Handelskammer „Cincinnati Regional Chamber“. Die Handelskammer organisiert das örtliche Oktoberfest, das im Jahr 1976 Premiere gefeiert hat.
Freude bereiten den Besuchern aus Münchner Sicht ganz ungewöhnliche Aktionen. So gibt es das Wettrennen „Running of the Wieners“. Dackel, in Hot-Dog-Kostümen gekleidet, jagen einer Wurst nach. Dackel gelten in den USA als typisch deutsch und werden wegen ihres langgestreckten Körpers auch „Wiener“ genannt.
Bei den „Gemütlichkeit Games“ wiederum gibt es diverse Spiele und Aktionen, wie Bierfässer-um-die-Wette-rollen oder Biergläser möglichst lange mit ausgestrecktem Arm hoch halten. Es ist quasi das Maßkrug-Stemmen auf Amerikanisch.
Apropos Bier: Das darf natürlich auf dem Oktoberfest nicht fehlen. Über 100.000 Liter werden in der Regel an die Besucher ausgeschenkt, dafür gibt es 21 Bier-Verkaufsstände. Hinzu kommen vier Biergärten und ein großes Festzelt, das 1000 Besuchern Platz bietet.
Bayerische Biere im Sortiment
Bei den Biersorten sind bayerische (Erdinger, Weihenstephan) und deutsche Marken (Krombacher, Radeberger) vertreten, aber selbstverständlich auch Biere aus der Region, denn Cincinnati verfüge über eine „stolze Brautradition“, sagt Dickinson: „Von klassischen Lagerbieren bis hin zu kühlen, saisonalen Bieren ist für jeden Bierliebhaber etwas dabei.“
Und wie schaut aus mit dem Bierpreis aus? Ein Pint, das sind in etwa 0,5 Liter Bier, kostet acht bis neun Dollar. Das wären in etwa acht Euro. Auf den Liter hochgerechnet wäre man im Schnitt bei ungefähr 17 Dollar, was wiederum den Münchner Preisen für die Maß von 14 bis 15 Euro entspricht.
Von im Schnitt zehn Besuchern kommen zwei in bayerischer Tracht auf das Oktoberfest, schätzt Dickinson. Die Handelskammer schickt auch immer wieder eine Delegation zum echten Oktoberfest nach München, um sich inspirieren zu lassen.
Womöglich kann sich aber auch das Münchner Oktoberfest etwas abschauen, denn bei der Kopie in Cincinnati gibt es auch gemütliche Ecken.
„Jeder kann seinen eigenen Liegestuhl mitbringen, denn wir veranstalten das Event am Sawyer Point und Yeatmen‘s Cover, die sich in den Parks entlang des Ohio Rivers befinden. Dort gibt es genügend Rasenflächen, um es sich mit Liegestühlen und Decken gemütlich zu machen“, verrät Dickinson.
Brezen als Topseller auf dem Oktoberfest Cincinnati
Fahrgeschäfte und Lebkuchenherzen gibt es keine, dafür aber gelten Brezen und Brezeln als Topseller. Rund 30.000 Stück werden davon in vier Tagen gegessen. Auch Fleischgerichte und Burger aller Art befinden sich im Angebot.
Das große Rahmenprogramm des Oktoberfestes sieht über 30 Veranstaltungen vor, neben kostenlosem Kinderschminken und einem Kinderzirkus zählt auch der Auftritt von Musikbands dazu.
„Jedes Jahr begrüßen wir eine Band aus Deutschland, die während des gesamten Wochenendes auftritt. Ihre Auftritte sind ein Markenzeichen unseres Oktoberfestes“, so Dickinson, die selbst nach Cincinnati zugezogen ist und über die Stadt sagt: „Was ich an Cincinnati am meisten liebe, ist, wie stolz die Stadt ihre Traditionen feiert und bewahrt.“
Die 34-Jährige schätzt die „einzigartige Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart“ der Stadt, „die sie jeden Tag aufs Neue inspiriert“.
FC Cincinnati befindet sich im Aufwind
Und nun natürlich noch die alle entscheidende Frage an Samantha Dickinson: Sind die Menschen in Cincinnati eigentlich Fußball-begeistert?
„Das Interesse am internationalen Fußball wächst stetig“, antwortet sie und weist auf den örtlich ansässigen Klub FC Cincinnati hin, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Dickinson versichert: „Veranstaltungen wie die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sowie der UEFA Champions League finden immer mehr Beachtung in der Region, und mit den Auftritten internationaler Vereine in den USA, einschließlich der Freundschaftsspiele in der Saison-Vorbereitung und der Medienberichterstattung, steigt auch die Neugier der Fans auf Turniere wie die Klub-Weltmeisterschaft.“