Sensations-Podium beim Biathlon-Weltcup

David Zobel muss erst mal klarkommen

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„Einfach episch“: David Zobel marschiert freudestrahlend an den Athleten auf den Rängen vier bis acht vorbei und darf auf das Stockerl beim Weltcup in Kontiolahti steigen.
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Das konnte er selbst nicht fassen: David Zobel vom SC Partenkirchen hat sich beim Weltcup-Auftakt der Biathleten in Kontiolahti Platz drei im Einzel erkämpft. Schlüssel zum Erfolg: eine makellose Schießbilanz.

Kontiolahti – David Zobel weiß, was er gerade getan hat, was ihm geglückt ist. Er weiß auch, dass es zu einem starken Ergebnis führen wird. Wie stark, das ahnt er allerdings nicht. Soeben hat der Biathlet vom SC Partenkirchen beim Weltcup-Auftakt in Kontiolahti (Finnland) sein viertes Schießen absolviert und seine Scheiben 16, 17, 18, 19, 20 getroffen. Kein Fehler im Einzel, das bringt automatisch einen Platz ganz weit vorne. „Ich dachte, ich bin so auf Top-sechs-Kurs“, erzählt der Murnauer hinterher. Aufklären wollten ihn auf der Schlussrunde Techniker und Trainer des DSV-Teams. Problem nur: „Ich hab’ kein Wort von denen verstanden. Ich hab’ nicht gecheckt, dass ich auf Podiumskurs war.“ Erst die Worte von Co-Trainer Uros Velepec verstand Zobel. Wie knapp es war, das sah er erst, als er über die Ziellinie fuhr. „Da war so ein kleines Tableau. Auf dem hab’ ich gesehen, dass ich Dritter bin.“

Ich hab’ nicht gecheckt, dass ich auf Podiumskurs war.“

David Zobel, SC Partenkirchen

In extatischen Jubel brach Zobel nicht aus, hingegen fiel er zu Boden, schnallte mit letzter Kraft seine Ski ab und legte sich mit allen Vieren von sich gestreckt in den kalten Schnee von Kontiolahti. „Ich musste erst mal wieder klar kommen in meinem Leben“, berichtet er lachend. Kurz durchschnaufen, dann rappelte er sich wieder hoch und streckte seine Skier jubelnd in die Lüfte. Soeben hat er sein erstes Weltcup-Stockerl erreicht – abgesehen von seinem dritten Platz mit der Staffel in der Vorsaison. „Einfach episch“, kommentierte er überglücklich.

Roman Rees, der Vierter wird, gönnt es seinem Teamkollegen

Anschließend suchte Zobel seinen Teamkollegen Roman Rees auf und entschuldigte sich bei ihm. Denn ihn hatte er von Rang drei geschubst, war 1,6 Sekunden schneller. „Ich gönne es ihm total, aber es ist ein bisschen bitter, wenn dich der eigene Teamkollege vom Podium stößt“, sagte Rees. Dass Zobel das geglückt ist, konnte er noch nicht so ganz realisieren. „Ich bin mir noch nicht schlüssig, was da passiert ist. Ich denke, dafür brauche ich noch bis morgen.“ Kein Wunder, war der SCP-Athlet doch als absoluter Außenseiter gestartet. Erst im zweiten Rennen der teaminternen Qualifikation war es ihm geglückt, sich überhaupt seinen Startplatz für Kontiolahti zu sichern. Der Schlüssel zum Erfolg war derselbe wie nun im Weltcup: ein fehlerfreies Schießen. „Das war das zweite Mal in meinem Leben, dass ich viermal Null geschossen habe.“

Zobel überwindet die Angst beim finalen Schießen

Hilfreich beim Auftakt war auch, dass sich Zobel direkt nach dem Start an Rees hängen konnte. „Das hat super funktioniert, wir haben uns gegenseitig gepusht.“ Er konzentrierte sich auf das Laufen, machte sich gar keine Gedanken über das Schießen – bis zum finalen Stehendanschlag. „Nach dem dritten Schuss hat es mir gedämmert, dass das ganz schön gut werden könnte.“ Genau in diesem Moment setzte die Angst ein, die Aussicht auf eine große Leistung, die dann die Athleten verkrampfen lässt, die sie zum Scheitern führen kann. Nicht Zobel, nicht an diesem Tag. „Ich hab’ mir einfach gedacht: Ein bisschen Schiss darf man haben.“ Und so wandelten sich auch die Scheiben 19 und 20 von schwarz zu weiß. Seine insgesamt langsame Schießzeit – „war nicht das Gelbe vom Ei“ – fiel so nicht ins Gewicht. Am Ende reichte es zu Platz drei hinter Sieger Martin Ponsiluoma aus Schweden und dem Schweizer Niklas Hartweg.

Hoffnung auf einen Platz in der Staffel

Nun steht für Zobel und Co. ein Tag Pause an, am Mittwoch sind die Frauen im Einzel gefordert. Weiter geht es für die Herren am Donnerstag mit der Staffel. Mit Zobel? „Weiß ich noch nicht. Aber ich denke, Platz drei ist kein schlechtes Argument für einen Startplatz.“

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