Vertrag wird nicht verlängert

FC Bayern beendet Katar-Sponsoring – die Hintergründe

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  • Philipp Kessler
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    Hanna Raif

Der FC Bayern und Qatar Airways verlängern den auslaufenden Sponsoring-Vertrag nicht. Die Verantwortlichen befinden sich in Gesprächen mit potenziellen Nachfolge-Sponsoren.

München – Die Ruhe an der Säbener Straße wird von den Verantwortlichen des FC Bayern als herrlich angesehen. Die Spieler haben frei, auf dem Platz ist nichts geboten, und was in den oberen Etagen der Geschäftsstelle passiert, kocht höchstens in der Gerüchteküche des Transfermarktes hoch.

Dass diese Woche anders werden würde, war aber zu erwarten, denn der 30. Juni ist CEO Jan-Christian Dreesen und seinen Kollegen seit Wochen, Monaten, ja sogar Jahren im Kopf. An diesem Freitag läuft der Vertrag mit dem umstrittenen Sponsor Qatar Airways aus. Und seit Mittwochvormittag ist klar: Er wird nicht verlängert werden.

FC Bayern beendet Zusammenarbeit mit Qatar Airways

Die offizielle Mitteilung, eine gemeinsame Erklärung des deutschen Rekordmeisters und der Fluggesellschaft, kam um 10 Uhr. Zuvor hatte unsere Zeitung die Information bereits als erstes Medium herausgegeben. Die Zeichen für eine Trennung hatten sich im Laufe der Woche verdichtet und waren immer eindeutiger geworden.

Wer genau hinschaute, hatte schon am Sonntag – beim Lesen des ersten offiziellen Interviews, das Dreesen der BamS gegeben hatte – vernehmen können, dass ein dringliches Thema ausgespart wurde. Kein Wort hatte der 55-Jährige zum Sponsoring gesagt, obwohl die Tendenz bereits klar war.

Der FC Bayern und Qatar Airways beenden den Sponsoring-Vertrag.

FC Bayern: „Einvernehmliche Trennung“ mit Qatar Airways

Man einigte sich bei der Information der Öffentlichkeit auf eine „einvernehmliche Trennung“ nach fünf „gemeinsamen, sehr spannenden Jahren“. Und wies zum Abschluss noch mal auf die „Freundschaften“ hin, „die weiter bestehen werden“. Was nicht mehr bestehen wird, ist die Platin-Partnerschaft, die dem FC Bayern seit 2018 rund 25 Millionen Euro pro Jahr eingebracht hat.

Viel Geld, das den Verein trotz des offensichtlichen Unmuts aus dem Fanlager hat grübeln lassen. Eine mögliche Fortführung des Sponsorings wurde viel und intensiv diskutiert, Möglichkeiten in alle Richtungen besprochen. Auf dem Prozess, der lange unter der Federführung des ehemaligen CEO Oliver Kahn vonstatten ging, wurden neben den finanziellen auch rechtliche und soziale Aspekte intensiv geprüft.

Katar-Sponsoring wurde beim FC Bayern lange diskutiert

Sogar die Option, im Fanshop Trikots mit und ohne Ärmelsponsor anzubieten, stand zur Debatte. Dass die Katar-Seite die kritischen Töne aus Deutschland während der WM und davor und danach aus dem Umfeld des FC Bayern vernommen hatte, machte die Verhandlungen nicht einfacher. Es konnte nicht passend gemacht werden, was nicht mehr passt. Und die Bayern sind nun auf Ärmel-Sponsor-Suche.

Nach Informationen unserer Zeitung werden verschiedene Varianten geprüft. Die Akquise neuer Partner geht nicht von heute auf morgen, dessen ist man sich bewusst. Genauso wie dem Fakt, dass das finanzielle Volumen nicht von einem Partner alleine gestemmt werden kann. Es ist daher, so hört man, sogar wahrscheinlich, dass nicht nur ein neuer Partner, sondern zwei nachfolgen. Einer für den Ärmel, ein anderer in einem anderen Sponsoring-Paket.

Katar-Thema belastete Verhältnis des FC Bayern mit den Fans

„Erfolgreich zusammengearbeitet und voneinander gelernt“ habe man, sagte Dreesen zum Abschluss. Auch Akbar Al-Baker, CEO von Qatar Airways sprach von einer „über all die Jahre fruchtbaren Zusammenarbeit“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Thema das Verhältnis zu einem Teil des Fanlagers in den vergangenen Jahren enorm belastet hat.

Die Jahreshauptversammlung 2021 – Zitat Uli Hoeneß: „schlimmste Veranstaltung, die ich beim FC Bayern je erlebt habe“ – war der Tiefpunkt, aus dem man seine Lehren zog. Dennoch gab es noch zuletzt in der Allianz Arena immer wieder Protest-Plakate zu sehen.

Nach der Nachricht twitterte Haupt-Kritiker Michael Ott: „Das kam völlig unerwartet, ist aber umso schöner! Vielen Dank an alle Unterstützer, die sich gegen das Sponsoring engagiert haben. Gemeinsam sind wir stark!“ Ab sofort herrscht also auch bei diesem Thema: herrliche Ruhe.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

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