Sensation in Spaniens „LaLiga“

Wunder mit Beigeschmack: Fußballzwerg lässt Real und Barca hinter sich

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Real Madrid, der FC Barcelona und Atletico Madrid haben in Spanien aktuell nur das Nachsehen. Wieso dieser Fußballzwerg die ganz Großen ärgern kann.

Girona – Wer in „LaLiga“, Spaniens höchster Fußball-Spielklasse, nach Spannung gesucht hat, fand meist allenfalls einen Zweikampf zwischen dem FC Barcelona und Rekordmeister Real Madrid. In guten Jahren mischte sich immerhin noch Reals Stadtrivale Atletico Madrid in den Meisterschaftskampf ein. So hieß der Champion seit der Saison 2004/05 am Saisonende fast immer Real oder Barca – nur 2013/14 und 2020/21 sicherte sich Atletico den Platz auf Spaniens Fußballthron.

Selbst andere große Clubs wie Athletic Bilbao (acht Mal Spanischer Meister) oder der FC Valencia (sechs Mal) spielen seitdem kaum eine Rolle im Titelrennen. Nun mischt aber ein Fußballzwerg, der 2007 noch in der vierten Liga gekickt hat, die ganz Großen auf: Der FC Girona.

TeamSpielePunkteTore
FC Girona123129:15
Real Madrid122923:8
FC Barcelona122724:12
Atletico Madrid112526:11

Vor 16 Jahren noch viertklassig: Zerschlägt „Fußballzwerg“ FC Girona Reals und Barcas Dynastie?

Denn nach zwölf Spieltagen steht Girona mit 31 Punkten an der Tabellenspitze, zwei Zähler dahinter rangiert Real Madrid. Auf den amtierenden Meister FC Barcelona (27 Punkte) und Atletico Madrid (25), das noch ein Spiel in der Hinterhand hat, konnte die Mannschaft von Trainer Míchel sogar schon einen kleinen Vorsprung herausspielen. „Wir spielen nicht in einer Liga mit Barca, Madrid oder Atletico. Wir kämpfen darum, in der Liga dahinter eine Rolle zu spielen“, sagte Gironas Coach zwar nach dem jüngsten 4:2-Erfolg bei CA Osasuna, doch die Tabelle und die mit 29 geschossenen Toren beste Offensive der Liga sprechen für sich.

Und dass Girona nach der Aussage Míchels zumindest im oberen Tabellendrittel mitmischen möchte, ist schon eindrucksvoll genug. Schließlich spielen die Katalanen erst seit der vergangenen Spielzeit wieder in der ersten Liga, wurden 2022/23 als Aufsteiger respektabler Tabellenzehnter. Zuvor, 2017 bis 2019, hatte es in der ca. 100 Kilometer nordöstlich von Barcelona gelegenen Stadt schon einmal erstklassigen Fußball gegeben. Davor spielte Girona allerdings neun Jahre in der zweitklassigen „LaLiga2“, nachdem der Verein im Jahr 2007 zunächst in der vierten und im Jahr darauf in der dritten Liga den Aufstieg gemeistert hatte.

Dass dieser (ehemalige) Fußballzwerg aus der 100.000 Einwohner Stadt nun die Liga anführt, ist bemerkenswert. Denn seit der Saison 2004/05 gab es in jedem Jahr nur wenige Tabellenführer, die nicht Real, Barcelona oder Atletico hießen. Mit dem FC Sevilla (2018/19) schaffte es zudem nur ein Verein, zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison noch an der Tabellenspitze zu stehen als Girona. Sollten die Katalanen auch nach dem 13. Spieltag noch Tabellenführer sein, hätten sie Sevillas „Rekord“ bereits eingestellt.

Ekstase pur: Aleix Garcia jubelt mit seinen Teamkollegen über seinen Treffer beim 4:2-Auswärtssieg gegen CA Osasuna.

Mit Abu Dhabi und Guardiola: Die Gründe für Gironas Aufschwung

Der sportliche Aufschwung – wenn auch nicht so rasant – dürfte allerdings schon seit einigen Jahren geplant sein. Denn seit 2017 gehören 44,3 Prozent des Vereins der City Football Group aus Abu Dhabi, die mehrere Clubs unter sich vereint und finanziell unterstützt. Darunter auch Champions-League-Sieger Manchester City, zu dem es eine zusätzliche Verbindung gibt: Denn weitere 44,3 Prozent Gironas gehören der Girona Football Group mit Boss Pere Guardiola an der Spitze. Der Vorstandsvorsitzende ist der jüngere Bruder von Citys Erfolgstrainer Pep Guardiola.

So spielten in den vergangen Jahren bereits mehrere City-Spieler auf Leihbasis beim FC Girona. Aktuelle Beispiele sind Mittelfeldspieler Yangel Herrera, der 2022 aus Manchester ausgeliehen und im Anschluss fest verpflichtet wurde, sowie Verteidiger Yan Couto, der Stand jetzt im kommenden Sommer zu Pep Guardiola zurückkehren wird.

Neymar, Mané, Kanté, Benzema: Diese Stars sind im Sommer nach Saudi-Arabien gewechselt

Franck Kessie bei einem Spiel des FC Barcelona
Für rund zwölf Millionen Euro ging Mittelfeldspieler Franck Kessie vom FC Barcelona zu Al-Ahli. © IMAGO/Ken Asakura
Allan Saint-Maximin bei einem Spiel von Al-Ahli
Anstatt mit Newcastle United Champions League zu spielen, verabschiedete sich Allan Saint-Maximin (re.) in die Wüste zu Al-Ahli. Kostenpunkt: Rund 27 Millionen Euro. © IMAGO/Khalid Alhaj/MB Media
Roger Ibanez bei einem Spiel der AS Rom
Auch Roger Ibanez kickt künftig für Al-Ahli, der Innenverteidiger wurde für kolportierte 30 Millionen Euro von der AS Rom verpflichtet. © IMAGO
Fabinho nach einem Spiel von Al-Ittihad
Mittelfeldspieler Fabinho (li.) schnürt in Zukunft die Treter für Al-Ittihad. Für den Sechser sollen circa 47 Millionen Euro nach Liverpool gewandert sein. © IMAGO/Abdul Ghani Bashir Issa/MB Media
Sadio Mane nach einem Spiel von Al-Nassr
Beim FC Bayern wurde Sadio Mané nicht glücklich, nach nur einem Jahr zog es ihn in zu Al-Nassr. Kostenpunkt: Rund 30 Millionen Euro. © IMAGO / MB Media Solutions
Neymar bei seiner Vorstellung bei Al-Hilal
Der bislang dickste Transfer der Saudi Pro League in diesem Sommer trägt den Namen Neymar. Für angeblich rund 80 Millionen Euro plus 20 Millionen Euro an möglichen Boni ging der Brasilianer von PSG zu Al-Hilal. © IMAGO/Strigner
Bono bei einem Spiel des FC Sevilla
Auch beim FC Bayern soll Torhüter Bono ein Thema gewesen sein, den Zuschlag erhielt aber Al-Hilal, das wohl um die 21 Millionen Euro für den Ex-Sevilla-Keeper hinlegte. © IMAGO/Joaquin Corchero
Merih Demiral bei einem Spiel von Atalanta Bergamo
Der türkische Nationalspieler Merih Demiral, zuvor bei Atalanta Bergamo aktiv, schloss sich für circa 20 Millionen Euro Al-Ahli an. © IMAGO/Giuseppe Maffia
Aleksandar Mitrovic bei einem Spiel vom FC Fulham
Für den FC Fulham erzielte Aleksandar Mitrovic in 202 Pflichtspielen 111 Treffer, nun geht er für Al-Hilal auf Torejagd. Als Ablöse sollen rund 52 Millionen Euro nach London gewandert sein.  © IMAGO/Jed Leicester/Shutterstock
Matthias Jaissle im Trainingslager von Al-Ahli
Matthias Jaissle führte RB Salzburg 2021 erstmals in der Vereinshistorie in die Champions-League-Gruppenphase, verabschiedete sich unmittelbar vor dem Start der Saison 2023/24 aber zu Al-Ahli. © IMAGO/Daniel Scharinger
Mit Slaven Bilic sitzt einiges an Premier-League-Erfahrung auf der Bank von Al-Fateh SC.
Mit Slaven Bilic sitzt einiges an Premier-League-Erfahrung auf der Bank von Al-Fateh SC. © IMAGO / PA Images
Der Vertrag von Karim Benzema bei Real Madrid ist ausgelaufen und er schloss sich Al-Ittihad an.
Der Vertrag von Karim Benzema bei Real Madrid ist ausgelaufen und er schloss sich Al-Ittihad an. © IMAGO / ABACAPRESS
Al-Hilal zahlt 55 Millionen Euro für die Dienste von Ruben Neves an die Wolverhampton Wanderers.
Al-Hilal zahlt 55 Millionen Euro für die Dienste von Ruben Neves an die Wolverhampton Wanderers. © IMAGO / Sportsphoto
Kalidou Koulibay verlässt den FC Chelsea nach einem Jahr für 23 Millionen Euro zu Al-Hilal.
Kalidou Koulibay verlässt den FC Chelsea nach einem Jahr für 23 Millionen Euro zu Al-Hilal. © IMAGO / AFLOSPORT
Roberto Firmino wechselte ablösefrei vom FC Liverpool zu Al-Ahli.
Roberto Firmino wechselte ablösefrei vom FC Liverpool zu Al-Ahli. © IMAGO / PA Images
Nach seinem Vertragsende beim FC Chelsea schloss sich Ngolo Kante Al-Ittihad an.
Nach seinem Vertragsende beim FC Chelsea schloss sich Ngolo Kante Al-Ittihad an. © IMAGO / Pro Sports Images
Für 42 Millionen Euro sicherte sich Al-Hilal Sergej Milinkovic-Savic von Lazio Rom.
Für 42 Millionen Euro sicherte sich Al-Hilal Sergej Milinkovic-Savic von Lazio Rom. © IMAGO / Independent Photo Agency
Für Edouard Mendy zahlte Al-Ahli 18,5 Millionen Euro an den FC Chelsea.
Für Edouard Mendy zahlte Al-Ahli 18,5 Millionen Euro an den FC Chelsea. © IMAGO / PA Images
Marcelo Brozovic wechselte für 18 Millionen Euro von Inter Mailand zu Al-Nassr.
Marcelo Brozovic wechselte für 18 Millionen Euro von Inter Mailand zu Al-Nassr. © IMAGO / ZUMA Wire
Der Portugiese Jota brachte Celtic 29 Millionen Euro von Al-Ittihad ein.
Der Portugiese Jota brachte Celtic 29 Millionen Euro von Al-Ittihad ein. © IMAGO / Sportsphoto
Liverpool-Kapitän Jordan Henderson wechselte für 14 Millionen Euro zu Al-Ettifaq und spielt nun für seinen Vorgänger Steven Gerrard.
Liverpool-Kapitän Jordan Henderson wechselte für 14 Millionen Euro zu Al-Ettifaq und spielt nun für seinen Vorgänger Steven Gerrard. ©  IMAGO / PA Images
Champions-League-Sieger gab Flügelspieler Riyad Mahrez für 30 Millionen Euro an Al-Ahli ab.
Champions-League-Sieger Manchester City gab Flügelspieler Riyad Mahrez für 30 Millionen Euro an Al-Ahli ab. © IMAGO / Nicolo Campo
60 Millionen Euro ließ sich Al-Hilal die Dienste von Malcolm von Zenit St. Petersburg kosten.
60 Millionen Euro ließ sich Al-Hilal die Dienste von Malcolm von Zenit St. Petersburg kosten. ©  IMAGO / Russian Look
Ablösefrei kam Moussa Dembele von Olympique Lyon zu Al-Ettifaq.
Ablösefrei kam Moussa Dembele von Olympique Lyon zu Al-Ettifaq. © IMAGO / PanoramiC
Nachdem der Leihe zum FC Sevilla verkaufte Manchester United Alex Telles für 7,5 Millionen Euro an Al-Nassr.
Nach der Leihe zum FC Sevilla verkaufte Manchester United Alex Telles für 7,5 Millionen Euro an Al-Nassr. © IMAGO / Nicolo Campo
Steven Gerrard ist neuer Trainer bei Al-Ettifaq.
Steven Gerrard ist neuer Trainer bei Al-Ettifaq. © IMAGO / Pixsell
Vom französischen Vizemeister RC Lens wechselt Seko Fofana für 25 Millionen Euro zu CR7-Club Al-Nassr.
Vom französischen Vizemeister RC Lens wechselt Seko Fofana für 25 Millionen Euro zu CR7-Club Al-Nassr. © IMAGO / Sportpix
Jorge Jesus, neuer Trainer von Cristiano Ronald bei Al-Nassr, besitzt einiges an Champions-League-Erfahrung.
Jorge Jesus, neuer Trainer von Cristiano Ronaldo bei Al-Nassr, besitzt einiges an Champions-League-Erfahrung. © IMAGO / NurPhoto

Trotz Unterstützung von außen: Gironas Entwicklung gleicht einer Sensation

Nichtsdestotrotz ist der sportliche Erfolg Gironas beachtlich. Denn laut dem Branchenportal „transfermarkt.de“ lag der Marktwert des gesamten Kaders am ersten September 2023 (Ende des Transferfensters) bei 113,2 Millionen Euro – was gerade einmal Platz zwölf im ligaweiten Ranking bedeutet. Zum Vergleich: Real (998 Millionen) und Barcelona (784 Millionen) befinden sich da in ganz anderen Sphären.

Sollte Girona die aktuelle Spannung in „LaLiga“ aufrechterhalten und am Saisonende tatsächlich die großen Clubs hinter sich lassen, wäre das definitiv eine Sensation. „Es ist noch ein weiter Weg“, sagte Abwehrspieler Eric Garcia, ebenfalls einst bei City aktiv: „Im Moment genießen wir einfach nur. Und dann schauen wir weiter.“ (tos/sid)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ricardo Larreina

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