Kinder zu neuen Ski-Stars erziehen? Christian Neureuther äußert sich vielsagend
VonPhilipp Kuserau
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In Sachen Erziehung lässt Christian Neureuther mit einer klaren Botschaft an Eltern aufhorchen und räumt mit einem Klischee bezüglich seiner Familie auf.
Garmisch-Partenkirchen – Die Neureuthers stehen wie kaum eine Familie für den Skisport. Nicht verwunderlich: Immerhin durfte sich Rosi Mittermaier Doppel-Olympiasiegerin nennen, Christian Neureuther brachte es unter anderem auf fünf Weltcup-Siege. Sohn Felix, der seinen Vater vor einer tödlichen Krankheit bewahrte, braucht sich mit insgesamt 13 Weltcup-Siegen und drei WM-Medaillen erst recht nicht verstecken und seine Frau Miriam konnte ebenfalls drei Weltcup-Siege einfahren.
Wer nun jedoch glaubt, Christian Neureuther setzte in der Erziehung seiner insgesamt fünf Enkelkinder auf Medaillen, der liegt falsch. „Die sollen Spaß haben, sie sollen sich bewegen und früh mit vielen Sportarten in Kontakt kommen, nicht nur mit einer“, erklärte der 76‑Jährige erst kürzlich bei der Verleihung des Blauen Panther in München. „Und dann kann jedes Kind irgendwann mal entscheiden, was es machen will.“
Kinder zu neuen Ski-Stars erziehen? Christian Neureuther äußert sich vielsagend
Die klare Aussage des Familienoberhaupts der Neureutherskonterkariert damit das gängige Bild vom Leistungsdruck in Sportlerfamilien. „Es wird immer gedacht, dass wir unbedingt Leistungssportler aus unseren Enkeln machen müssen, aber das ist ganz egal“. Natürlich, sagt Neureuther, erkenne man schon bei Drei‑ bis Fünfjährigen „gewisse Neigungen“ und „motorische Fähigkeiten“, die oft angeboren seien. Manche lernten dadurch schneller, andere später – beides sei normal.
Entscheidend sei die breite Basis, nicht die frühe Spezialisierung. Auch auf der Piste bleibt der Ex‑Weltklasse‑Slalomfahrer gelassen: Er wolle nichts „groß korrigieren“, wichtiger sei Vorleben und Freude am Fahren. Gleichzeitig kann er sich den Profi‑Blick nicht ganz verkneifen: „Jeden Schwung schaut man an und überlegt, was man verbessern kann.“
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Beim Thema findet Christian Neureuther, der dieses Jahr seinen Geburtstag vor einem atemberaubenden Alpen-Panorama feierte, deutliche Worte. Kinder dürften „auch mal hinfallen“, sagt er – und man solle einen Sturz sogar positiv rahmen: „Oh, das war ein cooler Sturz. Bravo. Und dann geht‘s wieder weiter.“ Viele Kinder würden „heute so in Watte gepackt und da bin ich überhaupt kein Freund davon.“ Sein Erziehungsprinzip: Üben, Fehler zulassen, weitermachen. Das klingt nach Leistungstradition – ohne Leistungszwang. (kus)