VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht Frankfurt droht die starke Doppelsechs Skhiri/Larsson im zentralen Mittelfeld wegzubrechen
Am Abend hatte Mahmoud Dahoud vor den Toren Frankfurts die Niederlage gegen den Fünftligisten SG Sonnenhof Großaspach auch nicht mehr verhindern können, obwohl sich der Deutsch-Syrer ins Zeug legte. 0:1 unterlag da Eintracht Frankfurt dem Oberligisten aus Baden-Württemberg, aber es war kaum Eintracht drin, wo Eintracht drauf stand. Lediglich Dahoud sowie Tuta und Niels Nkounkou waren von den Feldspielern dabei, im Tor wechselten sich Kaua Santos und Jens Grahl ab, den Rest des Teams stellten Spieler aus A-Jugend und U21.
Es war also ein Muster ohne jeden Wert, selbst Trainer Dino Toppmöller hatte den Abend lieber für ein „Laden des Akkus“ genutzt, wie es offiziell hieß, als vor Ort nach Dreieich zu eilen. Kann man so machen. Ohnehin waren ja praktisch alle Eintracht-Profis entweder auf Dienstreisen mit ihren Nationalteams, verletzt, erkrankt oder wurden geschont (Mario Götze).
Für Mo Dahoud waren diese 90 Minuten aber wichtig, fand hinterher der Sportdirektor Timmo Hardung. Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler benötigt dringend Spielpraxis und – minuten, zuletzt hat er die beim Bundesligisten nicht bekommen: Im Jahr 2025 kommt Dahoud gerade mal auf 42 Minuten Spielzeit in der Liga und 39 in der Europa League – bei 15 Begegnungen. Das ist nicht viel. Für die eingesetzten Profis sei so ein Testspieler ohnehin „netter“ als die kleinen Spielformen im Training, darüber hinaus gehe es darum, „im Rhythmus zu bleiben“, versicherte Hardung.
Der Denker Skhiri hat sich stabilisiert
Womöglich wird Dahoud für die nächste Partie gegen seinen alten Klub, den VfB Stuttgart, wichtig für die Eintracht. Den Hessen droht der Ausfall der Doppelsechs: Sowohl Hugo Larsson als auch Ellyes Skhiri sind nicht unbeschadet aus der siegreichen Partie gegen den VfL Bochum herausgekommen, ein Sieg, den Toppmöller angesichts der Verletzung der beiden zentralen Spieler in einer ersten Reaktion als womöglich „teuer erkauft“ eingeschätzt hatte. Beide hatten auch flugs ihren Einsatz bei den Ländermannschaft absagen müssen.
Immerhin sieht es beim Schweden Larsson nicht ganz so gravierend aus, seine Adduktorenprobleme sollte er bis übernächsten Samstag gegen die Schwaben in den Griff bekommen, die Zuversicht ist da, dass Larsson spielen kann. Obwohl auch der 20 Jährige zuletzt immer mal wieder mit leichteren Problemen an der Muskulatur zu kämpfen hat.
Schlechter sieh beim Tunesier Skhiri aus, der sich kurz vor Schluss in Bochum eine Kniestauchung zugezogen hatte. „Wie da das Knie ausgesehen hat, hätte man auch vom Saison-Aus reden können“, sagte Sportdirektor Hardung. Längst ist es nicht so dramatisch, aber für das Stuttgart-Spiel dürfte es bei Skhiri ein Wettlauf gegen die Zeit geben.
Das ist insofern unglücklich, da der 29-Jährige mit Larsson zuletzt ein gutes Duo bildete. Ohnehin sind diese beiden erste Wahl bei der Besetzung des defensiven Mittelfeldes, wobei Skhiri derjenige ist, der Löcher zuläuft und Larsson einen Tick offensiver agiert, auf der sogenannten Acht. Dazu kommt, dass die Form beim Tunesier, seit 2023 bei der Eintracht, in den letzten Partien deutlich nach oben zeigt.
Gegen Ajax Amsterdam war er ein solider Staubsauger vor der Abwehr, sammelte unaufgeregt Bälle auf, im Hinspiel markierte er sogar das 2:0, sein erster Pflichtspieltreffer in dieser Saison. Gegen Bochum machte der Dauerläufer sein bestes Spiel seit langem, war auch mutiger Wegbereiter des wichtigen 1:0 durch Rasmus Kristensen. Ausgerechnet in diese aufsteigende Phase platzt die Knieblessur.
Dass Skhiri offenbar noch einmal die Kurve bekommen hat, haben ihm nicht mehr so viele zugetraut. Dazu waren seine Leistungen oft zu schwankend, er schien plötzlich Probleme mit dem Tempo zu haben, auch im Kopf wirkte er mitunter langsam und verpasste viel zu häufig den richtigen Zeitpunkt des Abspiels. Skhiri ist ein sehr sensibler, nachdenklicher Spieler, dessen Horizont über die Kreidelinien reicht. Einer, der sich Fehler und schwächere Auftritte sehr zu Herzen nimmt.
Trotz alledem ist er bei der Eintracht und im Konzept von Toppmöller ein wichtiger Faktor: In dieser Saison hat er bislang 35 von 39 möglichen Pflichtspielen absolviert. Auf seine Routine können die vielen jungen Leute halt noch nicht verzichten.
Neben Dahoud könnte nun Oscar Hojlund einspringen, auch dieser Konstellation hat Toppmöller schon das eine oder andere Mal sein Vertrauen geschenkt. Larsson und Hojlund, beide 20 Jahre alt, steht ohnehin die Zukunft offen, auf längere Sicht dürften diese beiden im Frankfurter Maschinenraum den Takt vorgeben - sofern sie Sportvorstand Markus Krösche nicht meistbietend verkauft.
Auch Tuta hat schon mal den defensiven Part im Mittelfeld übernommen. Aktuell aber hat der Basilianer genug damit zu tun, seine Leistung als Innenverteidiger zu stabilisieren, als den deutlich anspruchsvolleren Part vor der Abwehr zu übernehmen.
Unterdessen gibt es defensiv ein wenig Entspannung: Arthur Theate, der zuletzt wegen muskulärer Probleme in der Wade die letzten drei Partien verpasst hat, ist vom Trainingscamp der belgischen Nationalmannschaft, absprachegemäß, wieder abgereist und wird seine Reha in Frankfurt fortsetzen.
Zur Nationalmannschaft ist er nur gefahren, um den neuen belgischen Nationalcoach Rudi Garcia und die umstrukturierte medizinische Abteilung persönlich kennen zu lernen. Das Spiel gegen den VfB Stuttgart hat der 24-Jährige jedenfalls angepeilt. „Hoffnung ist da“, sagt Sportdirektor Timmo Hardung.
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