Neuzugang

Eintracht Frankfurt: Ellyes Skhiri entschuldigt sich erst einmal

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Liebt den intensiven Fußball: Ellyes Skhiri.
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Frankfurts neuer Mittelfeld-Renner hinterlässt bei seiner Vorstellungsrunde eine hervorragenden Eindruck. Und es gibt wenig Zweifel daran, dass das auch auf dem Platz so ein wird.

Eintracht-Dolmetscher Patrick Zeilmann hätte auch eine Stunde früher Feierabend machen können. Eigentlich sollte der versierte Übersetzer nämlich für den Frankfurter Zugang Ellyes Skhiri aus dem Französischen ins Deutsche übersetzen, doch dann hat der Fußballprofi ihm einfach den Job abgenommen. Nur ein paarmal griff der tunesische Nationalspieler auf die fundierten Kenntnisse Zeilmanns zurück, ansonsten meisterte Skhiri die Aufgabe in der für ihn fremden Sprache äußerst souverän. Und das auf einem grell ausgeleuchtetem Podium vor vielen Vertreter:innen der Presse. Respekt.

Als er sich gegen Ende der Vorstellungspressekonferenz lächelnd für sein Deutsch auch noch entschuldigen wollte, protestierten die Medienschaffenden entschieden. Da hat einer eine gute Visitenkarten hinterlassen.

Gut bezahlt wird er in freilich in erster Linie für seine Fußarbeit auf dem Platz. Auch da weiß Skhiri, Spitzname Flacco, zu überzeugen. „Der „Kicker“ hat den 28-Jährigen zuletzt als besten defensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga geadelt. Er hat es mitbekommen, „das haben mir viele geschickt“, sagt er. „Das macht mich sehr glücklich, es ist eine schöne Belohnung für mich“. Und eine Verpflichtung.

Dort, wo er in Köln aufgehört hat, will er in Frankfurt weitermachen. Der Schritt vom Rhein an den Main ist ihm nicht leicht gefallen. „Emotionale Momente“ habe er mit dem FC erlebt, „gute Menschen“ kennen und schätzen gelernt. Die Fans in Müngersdorf sind tieftraurig, dass er den Verein verlässt. Das ist eine Auszeichnung für den Spieler.

FC-Trainer leicht genervt

Und FC-Trainer Steffen Baumgart muss fast täglich Fragen beantworten, wie es ohne den Allrounder in der Zentrale weitergehen soll. „Als Flacco vor vier Jahren gekommen ist, haben nicht alle Hurra geschrien, da hat ihn niemand gekannt“, sagt der Coach, leicht genervt. „Jetzt schreien alle: Warum geht er?“ Das ist relativ leicht zu beantworten: Skhiri ist zu gut geworden. Und hat gespürt, dass die Rheinländer für ihn eine Nummer zu klein geworden sind. „Ich brauchte eine neue Etappe. Für meinen Fortschritt ist das der richtige Schritt.“ Bei der Eintracht habe er von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt, weil sich die Verantwortlichen intensiv um ihn bemüht und nicht locker gelassen haben.

Sportvorstand Markus Krösche legte ihm die Ziele und Visionen dar und zeigte ihm auf, welche Rolle er spielen soll. Trainer Dino Toppmöller vermittelte ihm seine Ideen von Fußball. „Er will schönen, intensiven Fußball spielen lassen, das gefällt mir.“ Der Chefcoach spricht überdies fließend Französisch. „Das ist auch gut“, sagt Skhiri lächelnd. Insgesamt glaubt er: „Frankfurt ist für mich das beste Projekt.“

Bei der Eintracht soll er eine tragende Rolle einnehmen, das haben ihm die Verantwortlichen in den vielen Gesprächen klar aufgezeigt. „Ich habe das Gefühl, dass ich wichtig werden kann“, sagt er. Doch er sei keiner, der die Mannschaft mit einer extrovertierten, aufrüttelnden Art führen wird. „Ich bin kein Lautsprecher, ich bin ruhig und überlegt, ich komme über die Arbeit.“ Er wolle nicht mit großen Worten, sondern „mit meiner Leistung und meinem Charakter glänzen.“ Schonen wird er sich sowieso nicht: „Ich werde sehr hart arbeiten.“ Dafür ist er bekannt.

Der gebürtige Franzose ist ein Laufwunder, kein Bundesligaspieler ist in der vergangenen Saison mehr Kilometer gelaufen, er hat die zweitmeisten Bälle geklaut, seine Passquote von 88 Prozent ist außerordentlich gut. Er ist eigentlich ein perfekter Sechser, modern, stark in beide Richtungen, kommt im Schnitt mit nur einem Foul pro Spiel aus. Und hat auch noch die meisten Tore des 1.FC Köln geschossen, sieben an der Zahl. Das sei aber nicht seine vordringlichste Aufgabe und nicht sein Spezialgebiet. „Ich bin nicht hier, um Tore zu schießen.“ Sie seien eher ein Bonus. Nimmt man aber gerne mit.

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