„Es ist einfach unglaublich zu sehen“

Ski-Queen Mikaela Shiffrin sorgt vor Gesamtweltcup-Entscheidung für Gänsehaut-Lob an Emma Aicher

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Emma Aicher ist weiterhin in Topform. Ihre Konkurrentin im Kampf um den Gesamtweltcup, Mikaela Shiffrin, ist schwer beeindruckt.

Für Emma Aicher geht in wenigen Wochen eine Saison zu Ende, die besser nicht hätte verlaufen können. Die 22-Jährige fährt in allen Disziplinen unglaublich stark, holte bei den Olympischen Spielen zwei Silbermedaillen. Die Zukunft gehört der jungen Allrounderin – doch auch die Gegenwart könnte noch eine Sensation parat halten. Aicher hat nach wie vor eine Chance auf den Gesamtweltcup. Ausgerechnet ihrer Konkurrentin Mikaela Shiffrin nötigt das den größten Respekt ab.

Emma Aicher ist Mikaela Shiffrin auf den Fersen.

Beim Slalom von Are landete Aicher direkt hinter Shiffrin. Eigentlich eine schlechte Nachricht, denn so wuchs der Rückstand auf die US-Amerikanerin auf 140 Punkte an. Trotzdem jubelte die zweifache Vize-Olympiasiegerin ausgelassen, denn „auf heimischem Boden“, wie sie auf Instagram verriet, fühlte sich der Sprung aufs Podest besonders schön an.

Ski-Queen Mikaela Shiffrin singt tolles Loblied auf Emma Aicher

400 Punkte werden im Damen-Weltcup noch vergeben. Aicher weiß: Ihr großes Plus ist ihre unglaubliche Variabilität. Ob Speed oder Technik, die gebürtige Schwedin ist mittlerweile überall Weltklasse. Abfahrt, Super-G, Slalom und Riesenslalom stehen noch auf dem Programm. Mikaela Shiffrin ist in den Speed-Disziplinen nicht zu den Besten zu zählen, kennt dafür die Stärke ihrer jungen Konkurrentin.

Die Favoritin auf die große Kristallkugel muss zugeben: „Es gibt noch einiges zu tun.“ Der Respekt für ihre Konkurrentin könnte größer nicht sein. „Wie man sehen kann, fährt Emma in jeder Disziplin einfach unglaublich gut. Sie hat sich diesen Kampf verdient, denn es ist einfach unglaublich zu sehen, dass sie in allen Disziplinen gut dabei ist – da ist sie eigentlich die Einzige. Aber ich werde kämpfen.“

Vom Wunderkind zur Weltcup-Siegerin: Wie Emma Aicher zum nächsten deutschen Ski-Star wurde

Emma Aicher ist zurzeit eine der größten DSV-Hoffnungen. Wie sie vom Wunderkind zum Ski-Star wurde.
Emma Aicher ist zurzeit eine der größten DSV-Hoffnungen. Wie sie vom Wunderkind zum Ski-Star wurde. © IMAGO/Sergio Bisi/IPA Sport/Sammy Minkoff/Eibner-Pressefoto/Memmler (Montage)
Aicher wurde am 13. November 2003 in Sundsvall in Schweden geboren. Während ihre Mutter aus Schweden stammt, ist ihr Vater Deutscher. Aicher hat einen jüngeren Bruder.
Aicher wurde am 13. November 2003 in Sundsvall in Schweden geboren. Während ihre Mutter aus Schweden stammt, ist ihr Vater Deutscher. Aicher hat einen jüngeren Bruder. © IMAGO/Igor Kupljenik / SPP
Die Aichers, beide selbst passionierte Skifahrer, brachten ihre Kinder schon früh auf die Piste.
Die Aichers, beide selbst passionierte Skifahrer, brachten ihre Kinder schon früh auf die Piste.  © Screenshot Instagram @emmaaicher
In ihrer Jugend zieht Aicher mit ihrer Familie für einige Jahre nach Engelberg in die Schweiz. Dort trainiert sie im lokalen Skiklub.
In ihrer Jugend zieht Aicher mit ihrer Familie für einige Jahre nach Engelberg in die Schweiz. Dort trainiert sie im lokalen Skiklub. © Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter
Als Teenagerin ist Aicher übrigens nicht nur auf der Piste aktiv, sondern auch leidenschaftliche Fußballerin.
Als Teenagerin ist Aicher übrigens nicht nur auf der Piste aktiv, sondern auch leidenschaftliche Fußballerin. © Screenshot Instagram @emmaaicher
Im Alter von 15 Jahren setzt Aicher ein echtes Ausrufezeichen und gewinnt den Slalom beim FIS Children Cup in Tschechien – damals noch unter schwedischer Flagge.
Im Alter von 15 Jahren setzt Aicher ein echtes Ausrufezeichen und gewinnt den Slalom beim FIS Children Cup – damals noch unter schwedischer Flagge. © Screenshot Instagram @emmaaicher
Seit 2020 startet Aicher für Deutschland. Den Wechsel vom schwedischen Verband begründet sie mit den besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen.
Seit 2020 startet Aicher für Deutschland. Den Wechsel vom schwedischen Verband begründet sie mit den besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen. © IMAGO/FrankHoermann/SVEN SIMON
Im Januar 2021 fährt sie im Europacup-Slalom erstmals aufs Podium – ein frühes Signal ihres Talents auf internationalem Niveau.
Im Januar 2021 fährt sie im Europacup-Slalom erstmals aufs Podium – ein frühes Signal ihres Talents auf internationalem Niveau.  © dpa/Michael Kappeler
Im Februar 2021 wird Aicher (2. v. li.) überraschend und kurzfristig für die Weltmeisterschaft in Cortina nachnominiert. Dort schafft sie im Teamwettbewerb mit Andrea Filser (li.), Stefan Luitz (2. v. r.) und Alexander Schmid besonderes und holt die Bronzemedaille.
Im Februar 2021 wird Aicher (2. v. li.) überraschend und kurzfristig für die Weltmeisterschaft in Cortina nachnominiert. Dort schafft sie im Teamwettbewerb mit Andrea Filser (li.), Stefan Luitz (2. v. r.) und Alexander Schmid Besonderes und holt die Bronzemedaille. © IMAGO/Sammy Minkoff
Für die erst 17-jährige Aicher (li.) ist es der erste große Auftritt auf der Weltbühne.
Für die erst 17-jährige Aicher (li.) ist es der erste große Auftritt auf der Weltbühne.  © IMAGO/Sammy Minkoff
Im November des selben Jahres debütiert Aicher im Weltcup. In Lech fährt sie im Parallelrennen auf einen beachtlichen 19. Platz.
Im November desselben Jahres debütiert Aicher im Weltcup. In Lech fährt sie im Parallelrennen auf einen beachtlichen 19. Platz. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder
Nur wenige Wochen später erlebt Aicher das erste große Highlight ihrer Karriere: Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.
Nur wenige Wochen später erlebt Aicher das erste große Highlight ihrer Karriere: Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder
Im Slalom fährt sie auf den 18. Platz, im Riesenslalom (Bild) beendet sie das Rennen auf Rang 21. Doch das ist nicht alles ...
Im Slalom fährt sie auf den 18. Platz, im Riesenslalom (Bild) beendet sie das Rennen auf Rang 21. Doch das ist nicht alles ...  © IMAGO/Kenjiro Matsuo
Denn im Mannschaftswettbewerb gewinnt Aicher (li.) mit nur 18 Jahren ihre erste olympische Medaille. Gemeinsam mit Julian Rauchfuss, Lena Dürr, Alexander Schmid und Linus Strasser holt sie Silber.
Denn im Mannschaftswettbewerb gewinnt Aicher (li.) mit nur 18 Jahren ihre erste olympische Medaille. Gemeinsam mit Julian Rauchfuss, Lena Dürr, Alexander Schmid und Linus Strasser holt sie Silber. © IMAGO/RICK T WILKING
Im Januar 2023 fährt Aicher in Flachau zum ersten Mal in die Top bei einem Weltcup-Rennen. Ein weiterer Schritt Richtung Weltspitze ist getan.
Im Januar 2023 fährt Aicher in Flachau zum ersten Mal in die Top Zehn bei einem Weltcup-Rennen. Ein weiterer Schritt Richtung Weltspitze ist getan. © IMAGO/Sammy Minkoff
Einige Wochen später wird sie bei der Ski-WM in Meribel Achte in der Kombination.
Einige Wochen später wird sie bei der Ski-WM in Meribel Achte in der Kombination. © IMAGO/@ Siegfried Dammrath
Zum Abschluss der Weltcup-Saison 2022/23 landet Aicher in den Disziplinen Abfahrt, Super-G und Slalom unter den Top 30.
Zum Abschluss der Weltcup-Saison 2022/23 hat Aicher in Abfahrt, Super-G und Slalom mehrfach Top-30-Resultate eingefahren und sich damit in allen Disziplinen im Weltcup etabliert. © IMAGO/DANIEL STILLER
Zu Beginn der nächsten Saison fährt Aicher, kurz nach ihrem 20. Geburtstag, in St. Moritz in der Abfahrt auf den sechsten Platz. Es ist ihr bis dato bestes Ergebnis.
Zu Beginn der nächsten Saison fährt Aicher, kurz nach ihrem 20. Geburtstag, in St. Moritz in der Abfahrt auf den sechsten Platz. Es ist ihr bis dato bestes Ergebnis. © IMAGO/Sergio Bisi/IPA Sport / ipa-agen
2025 gelingt Aicher endgültig der Durchbruch. Bei der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm wird sie in der Abfahrt und im Super-G Sechste – und fährt damit jeweils das beste deutsche Ergebnis ein.
2025 gelingt Aicher endgültig der Durchbruch. Bei der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm wird sie in der Abfahrt und im Super-G Sechste – und fährt damit jeweils das beste deutsche Ergebnis ein. © IMAGO/Cornelius Poppe
Nur wenige Wochen später folgen die ersten Weltcup-Erfolge. In Kvitfjell fährt sie im Februar 2025 in der Abfahrt auf Platz zwei und damit ihr erstes Podium.
Nur wenige Wochen später folgen die ersten Weltcup-Erfolge. In Kvitfjell fährt sie im Februar 2025 in der Abfahrt auf Platz zwei und damit ihr erstes Podium. © IMAGO/Geir Olsen
Nur einen Tag später ist es dann soweit: Aicher gewinnt in der Abfahrt ihren erstes Weltcup-Rennen.
Nur einen Tag später ist es dann so weit: Aicher (m.) gewinnt in der Abfahrt ihr erstes Weltcup-Rennen. © IMAGO/Geir Olsen
Wiederum nur knapp zwei Wochen später gewinnt die DSV-Athletin ihren ersten Super-G-Weltcup in La Thuile und verweist dabei die Top-Stars Sofia Goggia und Federica Brignone in ihre Schranken.
Wiederum nur knapp zwei Wochen später gewinnt die DSV-Athletin ihren ersten Super-G-Weltcup in La Thuile und weist dabei die Top-Stars Sofia Goggia und Federica Brignone in ihre Schranken. © IMAGO/R4924_italyphotopress
Ihre bis dato erfolgreichste Saison schließt Aicher als 15. des Gesamtweltcups ab. Doch das soll erst der Anfang sein.
Ihre bis dato erfolgreichste Saison schließt Aicher als 15. des Gesamtweltcups ab. Doch das soll erst der Anfang sein. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Im Dezember 2025 gewinnt Aicher (li.) in der Abfahrt von St. Moritz ihr drittes Weltcup-Rennen – vor Ski-Legende Lindsey Vonn (m.).
Im Dezember 2025 gewinnt Aicher (li.) in der Abfahrt von St. Moritz ihr drittes Weltcup-Rennen – vor Ski-Legende Lindsey Vonn (m.). © IMAGO/Ervin Monn
Nach ihren Weltcup-Siegen ist Aicher zum Shootingstar des DSV aufgestiegen. Die Hoffnungen ruhen im Alpinsport primär auf den Schultern der inzwischen 22-jährigen Ausnahmesportlerin.
Nach ihren Weltcup-Siegen ist Aicher zum Shootingstar des DSV aufgestiegen. Die Hoffnungen ruhen im Alpinsport primär auf den Schultern der inzwischen 22-jährigen Ausnahmesportlerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 gewinnt Emma Aicher die erste deutsche Medaille. Die 22-Jährige holte Silber in der Abfahrt, Gold ging an die US-Amerikanerin Breezy Johnson.
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 gewinnt Emma Aicher die erste deutsche Medaille. Die 22-Jährige holte Silber in der Abfahrt, Gold ging an die US-Amerikanerin Breezy Johnson. © IMAGO/Revierfoto
Die zweite olympische Medaille holt sich Aicher in der Teamkombination mit Kollegin Kira Weidle-Winkelmann.
Die zweite olympische Medaille holt sich Aicher in der Teamkombination mit Kollegin Kira Weidle-Winkelmann. © IMAGO / Eibner
In der laufenden Saison verpasst sie die kleine Kugel im Abfahrtsweltcup verpasst sie im letzten Rennen um 83 Punkte an die Italienerin Laura Pirovano.
In der laufenden Saison verpasst sie die kleine Kugel im Abfahrtsweltcup verpasst sie im letzten Rennen um 83 Punkte an die Italienerin Laura Pirovano. © IMAGO/NTB
Bis zum letzten Rennen macht es Aicher spannend und hat noch immer Chancen den Saisonrennen zu gewinnen. Vor dem letzten Riesenslalom fehlen ihr auf Mikaela Shiffrin 85 Punkte.
Bis zum letzten Rennen macht es Aicher spannend und hat noch immer Chancen den Gesamtweltcup zu gewinnen. Vor dem letzten Saisonrennen fehlen ihr auf Mikaela Shiffrin 85 Punkte. © IMAGO/ZUMA Press

Sollte Shiffrin in Abfahrt und Super-G keine Punkte holen oder die Rennen gar auslassen, um sich voll und ganz auf Slalom und Riesenslalom konzentrieren zu können, hätte Aicher eine realistische Chance auf den ganz großen Coup. Unter Druck setzen möchte sich die Senkrechtstarterin aber nicht, denn sie weiß um ihren ohnehin schon starken Winter.

„Dass ich hier stehen kann, und sagen kann, dass ich im Kampf dabei bin, das ist schon riesig für mich. Vor einem Jahr war ich ja noch nirgends im Vergleich. Ich bin schon sehr stolz, dass das so ist“, stapelte Aicher tief. Mikaela Shiffrin dürfte wissen: Selbst, wenn sie 2026 noch ganz oben steht: Das Schicksal hat ihr für die kommenden Jahre eine gute Gegnerin präsentiert. Eine sehr, sehr gute. (is)

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