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FC Bayern München: Die Jackson-Klausel erklärt

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  • Hanna Raif
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Die mögliche Kaufpflicht von Bayern-Leihspieler Nicolas Jackson ist weiter großes Thema. Dabei sollen nicht nur Startelf-Einsätze eine Rolle spielen.

München – Nicolas Jackson hat noch keine Minute für den FC Bayern gespielt. Und trotzdem ist der Senegalese in München schon in aller Munde. Ein Grund dafür: der TV-Auftritt von Uli Hoeneß im „Doppelpass“ am Sonntag. Der Ehrenpräsident verriet, dass Jackson 40 Startelfeinsätze in der Saison vorweisen müsse, erst dann müsste der Rekordmeister der den Angreifer für 16,5 Millionen Euro Leihgebühr vom FC Chelsea geholt hat, fix kaufen. Berichten zufolge würde das die Bayern dann 65 Mio. Euro kosten. „Das muss nur dann bezahlt werden, wenn der 40 Spiele von Anfang an macht. Die macht er nie!“, tönte Hoeneß.

Jackson bei der Bayern-Unterschrift.

Doch die Kaufpflicht ist dem Vernehmen nach nicht nur an Startelfeinsätze geknüpft. Wie die tz erfuhr, würde jede Partie, in der er auf mindestens 45 Minuten Spielzeit kommt, zu einer der 40 gerechnet werden. Heißt: Auch eine Einwechslung vor oder mit Beginn der zweiten Halbzeit würde miteinbezogen werden. Dass Jackson so häufig 45 Minuten oder mehr spielt, ist allerdings schwer vorstellbar. Im Sturmzentrum ist Harry Kane gesetzt und kaum verletzt.

Die Nachspielzeit soll nicht dazuzählen

Auch Prämien sind bei Spitzenclubs wie dem FC Bayern an Partien gekoppelt. Interessant: Ein Einsatz unter 45 Minuten zählt dabei oft als halbes Spiel. Bei Jacksons Klausel soll die Vertragslage nach tz-Informationen strenger sein. Dort gibt es keine halben Sachen: entweder Startelf oder ein Einsatz von mindestens 45 Minuten. Die Nachspielzeit soll nicht dazuzählen.

Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition

Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt.
Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt.  © IMAGO/DeFodi Images/MIS
Jüngstes Beispiel ist die Fehde mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade.
Seinen jüngsten Streit erlebt der Bayern-Patron mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade. © IMAGO/HMB-Media/Ulrich Wagner
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“.
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er:  „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“
Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er: „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“  © IMAGO/Sebastian Bach
Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert.
Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert. © SVEN SIMON via www.imago-images.de
Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken.
Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken. © IMAGO / Ferdi Hartung
Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“
Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“ © IMAGO / Revierfoto
Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach der legendären Wut-PK 2018 kritisiert.
Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach dessen Wut-PK 2018 kritisiert. © IMAGO/Lackovic/Jan Huebner
Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll.
Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll. © IMAGO/Sportfoto Zink / Wolfgang Zink
Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023.
Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023. © IMAGO/Dave Bedrosian
Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin.
Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin. © Frank Hoermann/SVEN SIMON
Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte.
Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte. © IMAGO / Sven Simon
„Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß angesprochen auf die PK mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen.
„Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen. © IMAGO/Jan Huebner
Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“
Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“ © IMAGO / Michael Weber
Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“
Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“ © IMAGO / Future Image
Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“
Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“ © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern.
Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“
Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“ © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten.
Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten. © IMAGO/Christoph Hardt
Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“
Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“ © Roland Krivec/DeFodi.de
Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“
Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“ © IMAGO / Frinke
Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren.
Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren. © IMAGO / MIS
Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“
Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“ © IMAGO / MIS
Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Während Hoeneß seinen Bremer Kontrahenten als „Volksverhetzer“ titulierte, nannte Lemke Hoeneß den „Totengräber des Fußballs“.
Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Immer wieder lieferten sich die beiden hitzige Verbal-Duelle. © IMAGO/Kicker/Liedel/teutopress
Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan.
Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan. © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON

„Mit Jackson haben wir eine Ergänzung bekommen, die unseren Team guttut. Er hat die Breite etwas mehr gestärkt“, sagte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen am Mittwoch. Klingt nicht nach vielen Startelf- oder Langzeiteinsätzen. Am Freitag wird Jackson offiziell vorgestellt. Philipp Kessler, Hanna Raif, Vinzent Tschirpke

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