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Nach der Krise der vergangenen Wochen galt Leon Goretzka bereits als Streichkandidat für Julian Nagelsmann. Mit seinen starken Leistungen gegen Lazio und Mainz beweist der Sechser aber, wie wichtig er für die DFB-Elf werden kann - und klärt außerdem auf, was es mit seinem PSG-Boxsack auf sich hat.
Ein Fettnäpfchen räumte Leon Goretzka gleich nach Abpfiff aus der Welt: „Das ist das Trikot von Sergio Ramos, wir haben mal Trikots getauscht“, erklärte der Mittelfeldspieler das von ihm gepostete Foto, das unter der Woche für Aufsehen gesorgt hatte. Darauf war Goretzka im hauseigenen Fitnessraum zu sehen, der Boxsack hatte dabei ein Trikot von Paris Saint-Germain übergestülpt.
Reagiert sich der Nationalspieler also daheim am langjährigen Champions-League-Konkurrenten ab? „Das hängt da nicht, weil es ein Boxsack ist, sondern weil ich ihn als Spieler extrem respektiere und zu ihm aufgeschaut habe“, sagte Goretzka und schob hinterher: „Wenn ich ihn benutze, mache ich das Trikot runter.“ Ob mit oder ohne Boxsack, Goretzkas Extra-Schichten haben sich gelohnt. Lange war der Nationalspieler in dieser Saison angezählt, verlor seinen Stammplatz zeitweise an Aleksandar Pavlovic oder Raphael Guerreiro.
Gegen Mainz durfte er mit neuem Partner Konrad Laimer auf der Doppelsechs ran - und lieferte mit zwei Toren und zwei Vorlagen eine überragende Leistung ab. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich habe heute speziellen Besuch von Bekannten und Freunden, die ich lange nicht gesehen habe. Die haben gesagt: Wir sind jetzt schon mal hier, dann musst du auch ein Tor machen“, so Matchwinner Goretzka.
„Ich habe dann gesagt, dass das auf der Position, die ich mittlerweile spiele, eigentlich gar nicht mehr geht. Dass es dann mit vier Scorerpunkten geklappt hat, ist natürlich eine schöne Geschichte.“ Damit spielte der 29-Jährige auf die Rolle an, die er beim FCB derzeit übernimmt. Im Achtelfinal-Rückspiel gegen Lazio zog sich der Sechser in die Innenverteidigung zurück, formte beim Spielaufbau mit Dier und de Ligt eine Dreierkette. Gegen Mainz hatte er dann wieder mehr Impulse nach vorne, bereitete mit zwei starken Chip-Bällen hinter die Abwehr Treffer von Harry Kane und Serge Gnabry vor. Sonderlob gab es dafür auch von Trainer Thomas Tuchel: „Leon war der Spieler des Spiels.“
Wandelbarkeit wird zum Trumpf
Goretzka hat sich nach dem Formtief durchgeboxt - und ist so wieder ein heißer Kandidat für den DFB! Schließlich galt er zuletzt als einer der ersten Streichkandidaten von Julian Nagelsmann, der Überraschungen für die Kader-Nominierungen ankündigte. Mit starken Leistungen wie gegen Lazio und Mainz kommt der Trainer aber kaum an Goretzka vorbei, auch wenn im DFB-Mittelfeld traditionell ein Überangebot an Sechsern herrscht: Durch die Rückkehr von Toni Kroos und die mögliche Nominierung von Pavlovic stünden bereits zwei Ballverteiler im Kader, mit Ilkay Gündogan hat außerdem ein weiterer Spieler seine Stärken im Passspiel. Mit seinem Auftritt als Innenverteidiger gegen Lazio und dem Offensivdrang gegen Mainz hat Goretzka aber innerhalb einer Woche bewiesen, dass er außerhalb vom Passspiel weitere Qualitäten ins DFB-Spiel einbringen kann.
Wie es derweil für ihn beim FCB weitergeht, ließ er nach Spielende offen. Goretzka hat noch bis 2026 Vertrag und kann bis zu 18 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Aufgrund des hohen Gehalts galt er zuletzt als Verkaufskandidat, Juventus Turin wurde als Interessent genannt. Inwiefern ein neuer Trainer ab Sommer auch seine Zukunftsplanung beeinflusst, wollte er nicht beantworten: „Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir darüber im Moment überhaupt keine Gedanken, Ich denke, das ist die Aufgabe des Vereins.“


