VonManuel Bonkeschließen
Bayern ist nach dem Sieg gegen PSG in der Champions League bester Laune. Einige Spieler fielen dem Vorstand beim Spiel besonders positiv auf.
München - Es lief die 74. Minute, als sich Kylian Mbappé (24) auf der linken Seite durchsetzte und mit einem Affenzahn auf Yann Sommer (34) zulief. Der Münchner Schlussmann blieb lange stehen, der Winkel wurde dadurch immer spitzer und als der Superstar von Paris Saint-Germain zum Schuss ansetzte, machte Sommer seinen Oberkörper so lang wie nur irgendwie möglich, drehte den Kopf etwas zur Seite und parierte den Ball mit einem Weltklasse-Reflex per Kopf. Mit dieser Seelenruhe, die der Schweizer auch stets mit dem Ball am Fuß ausstrahlt, hielt er den 1:0-Erfolg in der französischen Hauptstadt fest.
„Das zeichnet einen Torwart bei Bayern München aus, dass du nicht so viel zu tun bekommst, aber wenn du gebraucht wirst, da bist“, schwärmte Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn (53), selbst ein Weltklasse-Torhüter. Sportvorstand Hasan Salihamidzic (46) stimmte gerne in diesen Lobgesang mit ein: „Von der ersten Minute an hat er gespielt, als ob er schon länger da wäre. Er spielt sehr gut mit, strahlt Ruhe aus. Da muss man ein Kompliment machen. Yann hat das Vertrauen in sich selbst, in Ruhe rauszuspielen. Er macht das hervorragend.“
FC Bayern: Sommer, Upamecano & Co. lassen PSG verzweifeln
Wie kurz vor seiner Glanzparade, als Dayot Upamecano (24) einen Ball etwas zu hoch zurück auf Sommer spielte, der das Leder einfach gefühlvoll mit dem Fuß aus der Luft saugte. „Ich gewöhne mich an das Spiel, das ich in München habe. Wenn wir auf dem Niveau in der Champions League spielen, kommt ein bisschen mehr Arbeit auf das Tor zu“, berichtete der Torhüter nach der Partie und lobte seine Vordermänner: „Wir haben in der Defensive extrem viel weg verteidigt. Das ist natürlich ein Geschenk für einen Torwart.“
Gemeint war die Dreierkette vor ihm mit Upamecano, Matthijs de Ligt (23) und Benjamin Pavard (26). Das bayerische Bollwerk wuchs gegen den Pariser „Dreizack“ um Mbappé, Neymar (30) und Lionel Messi (35) über sich hinaus und hielt gemeinsam mit Sommer hinten die Null.
Bayern-Bollwerk mit glänzender Vorstellung in Paris: Ein Makel bleibt aber
Einziger Makel war der Platzverweis von Pavard, der in der Schlussphase mit Gelb-Rot des Platzes verwiesen wurde und dadurch im Rückspiel fehlen wird. „Es ist natürlich nicht so leicht, gerade die letzten 20 Minuten. Man sieht, wenn Mbappé reinkommt, was für eine Energie dann auch im Stadion ist und wie sich das Spiel verändert. Dann ist es schon ein schweres Stück Arbeit“, lobte Trainer Julian Nagelsmann (35) seine Hintermänner. Doch auch er hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass hinten über 90 Minuten die Null stand. Als klar war, dass Mbappé vorwiegend über die linke Seite kommen wird, modifizierte Nagelsmann seine Dreierkette, schob vom Zentrum Upamecano auf rechts und ließ ihn im direkten Duell gegen seinen Landsmann antreten. Mit Erfolg!
„Es war sehr wichtig, dass wir kein Gegentor kassiert haben“, erklärte der Chefcoach und hob die „sehr gute Kontrolle“, die seine Mannschaft insbesondere in der Anfangsphase der Partie hatte, hervor. Das neue Bayern-Bollwerk hatte dank seiner Disziplin etwas nicht Alltägliches geleistet: Erst zum zweiten Mal in den letzten 33 Champions-League-Heimspielen von PSG hielt sich die Gäste-Defensive schadlos - beide Male hieß der Gegner FC Bayern. Das sollte für das Rückspiel Hoffnung machen - auch wenn dann von Mbappé 90 Minuten Beschuss droht. (bok)

