Tabellenführer und Barca-Bezwinger

Bayern-Flop spielt Hauptrolle bei Europas größtem Fußball-Märchen

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Der FC Girona schreibt aktuell das größte Fußball-Märchen Europas. Spanien staunt – weil Transfers wie der von Bayern-Flop Daley Blind komplett einschlagen.

Girona – Wer ist aktuell spanischer Tabellenführer? Klar, da denkt man in der Regel direkt an Real Madrid. Oder den FC Barcelona. Vielleicht noch an eines der anderen Topteams, das man international eben so kennt – Atlético Madrid, Valencia, FC Sevilla? Mitnichten. LaLiga wird aktuell vom Girona Fútbol Club angeführt. Und damit Vorhang auf für Europas größtes Fußball-Märchen.

Bayern-Flop Daley Blind spielt Hauptrolle bei Europas größtem Fußball-Märchen

Denn der kleine Klub aus Katalonien war jahrzehntelang in der zweiten und dritten Liga Spaniens zu Hause, in den vergangenen Jahren schnupperte man dann erstmals Luft im Oberhaus. Nach einem Abstieg und einem Wiederaufstieg wurde Girona in der abgelaufenen Spielzeit Zehnter – und setzte mit Beginn der neuen Saison zum Höhenflug an. Mittendrin ist dabei Daley Blind (33).

Der Niederländer schloss sich im Januar 2023 dem FC Bayern München an, wurde dort aber zum Flop. Fünf Einsätze waren es am Ende, vier davon in der Bundesliga, einer im DFB-Pokal. Nur einmal stand der Defensiv-Allrounder die kompletten 90 Minuten auf dem Feld. „Deutscher Meister“ ist Blind seit Sommer 2023 trotzdem. Und mit diesem Titel ging es dann nach Spanien.

Daley Blind startet in Spanien durch: FC Girona ist die Sensations-Mannschaft Europas

Bei Girona war Blind von Anfang an in der Innenverteidigung gesetzt, nur in einem Ligaspiel stand er nicht über die volle Distanz auf dem Feld. Die Bilanz liest sich gigantisch: 13 Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage – 0:3 gegen das große Real Madrid. Der sensationelle 4:2-Sieg beim benachbarten FC Barcelona machte diese Pleite aber mehr als wett. Girona führt die Tabelle aktuell (Stand: 16. Dezember) mit zwei Punkten Vorsprung vor Real an.

Namhafte Superstars haben sie in Girona, 100 Kilometer nordöstlich von Barcelona, nicht. Dafür aber einige Toptalente, Mut und Offensivdrang. Die spanische Presse ist sich jedenfalls einig, dass hier gerade etwas Besonderes seinen Lauf nimmt: „Das sympathische Überraschungsteam, das bisher als Eintagsfliege galt, muss nun endgültig als Titelkandidat betrachtet werden“, analysierte die Sportzeitung AS, die schon vor einigen Wochen vom „Wunder von Girona“ gesprochen hatte, nach dem 4:2-Erfolg über Barça. Ein anderes Madrider Fachblatt, die Marca, stellte fest: „Niemand spielt derzeit besser, niemand versucht einen attraktiveren Fußball als Girona. Spektakulär“.

Vom Bankdrücker beim FC Bayern (l.) zum jubelnden Anführer beim FC Girona: Daley Blind hat sein fußballerisches Glück gefunden.

Spanien feiert FC Girona: Vergleiche mit dem „Dorf der Unbeugsamen“ von Asterix und Obelix

Die Zeitung La Vanguardia verglich den Klub mit dem kleinen, nicht einmal 14.000 Zuschauer fassenden Montilivi-Stadion, der erst seine vierte Erstliga-Saison bestreitet, mit dem „Dorf der Unbeugsamen“ um die berühmten Gallier Asterix und Obelix. Doch während das Comic-Duo seine Macht bekanntlich einem Zaubertrank verdankt, fragen sich immer mehr Leute in Spanien: Wie ist bloß das Fußball-Märchen der „kleinen Katalanen“, des stets offensiv und mutig agierenden FC Girona zu erklären?

Wenn man weiß, dass der Klub seit 2017 zu gleichen Teilen (je 44,3 Prozent) der City Football Group (CFG) von Abu-Dhabi-Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, der unter anderem auch bei Manchester City das Sagen hat, und der Girona Football Group von Pere Guardiola, dem Bruder von City-Trainer Pep Guardiola, gehört, könnte man zunächst einmal stutzig werden. Aber weit gefehlt: Der jetzige Erfolg ist keineswegs auf Öl-Millionen zurückzuführen. „Die bösen Zungen, die das behaupten, liegen völlig falsch“, schrieb beispielsweise die Marca.

1. FC Girona41 Punkte
2. Real Madrid39 Punkte
3. Atlético Madrid34 Punkte
4. FC Barcelona34 Punkte

FC Girona setzt auf ausrangierte Stars – und trifft damit voll ins Schwarze

In der Tat: Die teuerste Verstärkung im Kader von Trainer Míchel Sánchez ist der 26 Jahre alte ukrainische Stürmer Artem Dovbyk, der im Sommer nicht einmal acht Millionen Euro kostete und bereits acht Liga-Tore erzielt hat. Es handele sich laut Marca um eine Mannschaft, die im „Ramschladen“ zusammengestellt worden sei. Um Spieler, die von anderen Klubs ausgemustert wurden und oft zum Nulltarif gekommen seien. Neben Bayern-Flop Blind sind hier der Brasilianer Savinho (19, FC Troyes) oder die Ex-Barça-Profis Eric García (22) und Pablo Torre (20) zu nennen.

Hinzu kommt, dass die Profis, die sich in der vergangenen Saison ausgezeichnet hatten, als der damalige Neuling einen beachtenswerten zehnten Platz schaffte, nicht gehalten werden konnten. Stürmer Taty Castellanos ging zum Beispiel zu Lazio Rom, Mittelfeldmann Oriol Romeu wurde vom FC Barcelona abgeworben – und wird dort kaum eingesetzt.

Fußballstar und Sprachgenie: Diese Spieler können sich in etlichen Ländern verständigen

Mateo Kovacic (FC Chelsea), fünf Sprachen: Als gebürtiger Österreicher spricht der kroatische Nationalspieler neben Kroatisch auch Deutsch. Zudem hat er Kenntnisse in Spanisch, Englisch und Italienisch vorzuweisen.
Mateo Kovacic (FC Chelsea), fünf Sprachen: Als gebürtiger Österreicher spricht der kroatische Nationalspieler neben Kroatisch auch Deutsch. Zudem hat er Kenntnisse in Spanisch, Englisch und Italienisch vorzuweisen. © Imago / Pro Sports Images
Luís Figo, Karriereende: fünf Sprachen: Der einstige Barça- und Real-Star weiß sich neben seiner Muttersprache Portugiesisch auch auf Spanisch, Italienisch, Französisch und Englisch zu verständigen.
Luís Figo (Karriereende), fünf Sprachen: Der einstige Barça- und Real-Star weiß sich neben seiner Muttersprache Portugiesisch auch auf Spanisch, Italienisch, Französisch und Englisch zu verständigen. © Imago / ZUMA Wire
Mikel Arteta (Karriereende), fünf Sprachen: Der heutige Arsenal-Trainer kann sich mit seinen Spielern auf Spanisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch unterhalten.
Mikel Arteta (Karriereende), fünf Sprachen: Der heutige Arsenal-Trainer kann sich mit seinen Spielern auf Spanisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch unterhalten. © Imago / Sportimage
Maxwell, Karriereende: fünf Sprachen: Der einstige Linksverteidiger aus Brasilien, der unter anderem für Ajax und Barcelona spielte, beherrscht neben seiner Muttersprache Portugiesisch auch Französisch, Niederländisch, Spanisch und Englisch.
Maxwell (Karriereende), fünf Sprachen: Der einstige Linksverteidiger aus Brasilien, der unter anderem für Ajax und Barcelona spielte, beherrscht neben seiner Muttersprache Portugiesisch auch Französisch, Niederländisch, Spanisch und Englisch. © Imago / agefotostock
Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), sechs Sprachen: Der deutsche Nationaltorhüter kann nicht nur in seiner Muttersprache kommunizieren: Er spricht fließend Französisch, Englisch, Portugiesisch sowie Spanisch und verfügt über Grundkenntnisse in Italienisch.
Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), sechs Sprachen: Der deutsche Nationaltorhüter kann nicht nur in seiner Muttersprache kommunizieren: Er spricht fließend Französisch, Englisch, Portugiesisch sowie Spanisch und verfügt über Grundkenntnisse in Italienisch. © Imago / osnapix
Clarence Seedorf (Karriereende), sechs Sprachen: Der viermalige Champions-League-Sieger spricht Niederländisch, Sranantongo (eine in Suriname gesprochene Kreolsprache), Englisch, Italienisch, Spanisch sowie Portugiesisch.
Clarence Seedorf (Karriereende), sechs Sprachen: Der viermalige Champions-League-Sieger spricht Niederländisch, Sranantongo (eine in Suriname gesprochene Kreolsprache), Englisch, Italienisch, Spanisch sowie Portugiesisch. © Imago / Sportimage
Zlatan Ibrahimovic (AC Mailand), sechs Sprachen: Neben seinen beiden Muttersprachen Schwedisch und Bosnisch spricht „Ibrakadabra“ Italienisch, Spanisch, Englisch und auch ein bisschen Französisch. Und sogar in einigen Formen der Gebärdensprache ist er geübt.
Zlatan Ibrahimovic (AC Mailand), sechs Sprachen: Neben seinen beiden Muttersprachen Schwedisch und Bosnisch spricht „Ibrakadabra“ Italienisch, Spanisch, Englisch und auch ein bisschen Französisch. Und sogar in einigen Formen der Gebärdensprache ist er geübt. © Imago / Independent Photo Agency
Petr Cech (Karriereende), sieben Sprachen: Der ehemalige Weltklasse-Torwart aus Tschechien spricht sogar Deutsch. Außerdem beherrscht er Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Slowakisch und Tschechisch.
Petr Cech (Karriereende), sieben Sprachen: Der ehemalige Weltklasse-Torwart aus Tschechien spricht sogar Deutsch. Außerdem beherrscht er Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Slowakisch und Tschechisch. © Imago / Shutterstock
Gelson Fernandes (Karriereende), sieben Sprachen: Der Schweizer, der einst im Trikot von Eintracht Frankfurt auflief, ist ein echtes Sprachtalent: Er kann sich auf Portugiesisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Kreolisch, Englisch und Spanisch verständigen.
Gelson Fernandes (Karriereende), sieben Sprachen: Der Schweizer, der einst im Trikot von Eintracht Frankfurt auflief, ist ein echtes Sprachtalent: Er kann sich auf Portugiesisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Kreolisch, Englisch und Spanisch verständigen. © Imago / Poolfoto
Miralem Pjanic (Sharjah FC (VAE)), sieben Sprachen: Der Nationalspieler Bosnien und Herzegowinas wuchs in Luxemburg auf und kann sich daher neben Bosnisch auf Luxemburgisch, Französisch und Deutsch unterhalten. Außerdem spricht er Italienisch, Spanisch und Englisch.
Miralem Pjanic (Sharjah FC (VAE)), sieben Sprachen: Der Nationalspieler Bosnien und Herzegowinas wuchs in Luxemburg auf und kann sich daher neben Bosnisch auf Luxemburgisch, Französisch und Deutsch unterhalten. Außerdem spricht er Italienisch, Spanisch und Englisch. © Imago / Newspix
Pa-Modou Kah (Karriereende), acht Sprachen: Der ehemalige Nationalverteidiger Norwegens beherrscht neben Norwegisch Englisch, Französisch, Arabisch, Schwedisch, Niederländisch, Deutsch und aufgrund seiner gambischen Wurzeln auch Wolof (eine westafrikanische Sprache).
Pa-Modou Kah (Karriereende), acht Sprachen: Der ehemalige Nationalverteidiger Norwegens beherrscht neben Norwegisch auch Englisch, Französisch, Arabisch, Schwedisch, Niederländisch, Deutsch und aufgrund seiner gambischen Wurzeln auch Wolof (eine westafrikanische Sprache). © Imago / USA TODAY Network
Henrikh Mkhitaryan (Inter Mailand), acht Sprachen: Der Ex-Dortmunder lässt zwar auf dem Platz eher Taten als Worte sprechen, ist aber auch verbal ein vielseitiger Techniker. Außer seiner Muttersprache Armenisch weiß er sich auf Russisch, Ukrainisch, Französisch, Portugiesisch, Deutsch, Englisch und Italienisch zu verständigen.
Henrikh Mkhitaryan (Inter Mailand), acht Sprachen: Der Ex-Dortmunder lässt zwar auf dem Platz eher Taten als Worte sprechen, ist aber auch verbal ein vielseitiger Techniker. Außer seiner Muttersprache Armenisch weiß er sich auf Russisch, Ukrainisch, Französisch, Portugiesisch, Deutsch, Englisch und Italienisch zu verständigen. © Imago / ZUMA Wire
Romelu Lukaku (Inter Mailand), acht Sprachen: Wie sein armenischer Teamkollege Mkhitaryan ist auch der Belgier ein absolutes Sprachgenie. Er spricht Niederländisch, Französisch, Lingala (eine kongolesische Sprache), Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Deutsch und Spanisch.
Romelu Lukaku (Inter Mailand), acht Sprachen: Wie sein armenischer Teamkollege Mkhitaryan ist auch der Belgier ein absolutes Sprachgenie. Er spricht Niederländisch, Französisch, Lingala (eine kongolesische Sprache), Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Deutsch und Spanisch. © Imago / Gribaudi/ImagePhoto

Girona-Fitnesstrainer lüftet Geheimnis um den Erfolg

Doch was ist dann das Erfolgsrezept von Blind und Co.? Fitnesstrainer David Porcel hat keine Zweifel: „Die Geduld der Klubführung“. Man sei schon einige Jahre zusammen und habe auch in schwierigen Zeiten in Ruhe arbeiten dürfen, etwa als vor drei Jahren der Abstieg in die dritte Liga drohte. Und Trainer Sánchez hole das Beste aus Spielern heraus, die „noch zu Saisonbeginn von 70 Prozent der Erstligaklubs verschmäht worden wären“.

Weitere Zahlen zu Europas größtem Fußball-Märchen: Mit 41 Zählern hat Girona schon sieben mehr als der FC Barcelona. 13 Siege – so viele wie kein anderes Team in den europäischen Topligen. Und keine andere Mannschaft der LaLiga hat so viele Tore wie die Katalanen auf dem Konto (38). Trainer Sánchez kann das Tiefstapeln dennoch nicht lassen: „Mein Team schreibt Geschichte, aber ich weiß nicht, ob wir eine ganze Saison mit Real, Barça und Atlético mithalten können. Bisher haben wir nur den Klassenerhalt sicher.“

Bayern-Flop Blind hätte aber sicher nichts dagegen, die nächste Trophäe im Herbst seiner Karriere zu gewinnen. Vor exakt einem Jahr hätten wohl auch nur die Wenigsten damit gerechnet, dass er kurze Zeit später die deutsche Meisterschaft gewinnen wird. Vielleicht kommt nun ja auch noch die spanische hinzu. (akl/dpa)

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