VonThomas Kilchensteinschließen
Ingo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt nutzt die Gunst der Stunde und verschafft sich mit einem 3:1-Sieg gegen TSG Hoffenheim einen dicken Vorteil im Kampf um Europa.
Das Telefongespräch, das Robin Koch so froh gestimmt hat, hatte am Morgen vor dem Spiel stattgefunden, Julian Nagelsmann war am anderen Ende der Leitung. Natürlich ging es um die Nominierung für die beiden Freundschaftsspiele der DFB-Auswahl gegen Frankreich in Lyon und die Niederlande in Frankfurt. Und der Bundestrainer hat da Robin Koch mitgeteilt, mit wem er in der Abwehr plant. Mit Robin Koch? Das wollte der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt am Mikrofon nach dem 3:1 (1:1)-Erfolg am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim noch nicht verraten. Aber wenn man in das schelmisch grinsende Gesicht des Abwehrreckens geblickt hat, dann konnte man es sich denken: Koch wird in die Nationalmannschaft zurückkehren, er ist im Aufgebot.
Dass Robin Koch dann am Sonntagnachmittag im nicht ganz unwichtigen Spiel gegen die unmittelbare Konkurrenz um einen Platz im internationalen Geschäft auch noch einen wichtigen Treffer erzielen konnte, zum 1:1 (32.) in bester Torjägermanier, passte haargenau zu diesem gelungenen Abend im Stadtwald.
Denn Eintracht Frankfurt hat mit diesem Sieg, dem zweiten in Folge, an ihrem 125. Geburtstag und am zweiten Todestag von Klub-Ikone Jürgen Grabowski, einen großen Schritt in Richtung Europa getan. Sieben Punkte haben die Hessen jetzt zwischen sich und dem direkten Konkurrenten TSG Hoffenheim geschoben, ein ordentliches Polster, das vorerst Sicherheit geben sollte. „Es war wichtig, den Konkurrenten auf Abstand zu halten“, freute sich hinterher Sportvorstand Markus Krösche. Das Spiel hatte ja fast schon Endspielcharakter. 40 Zähler hat die Eintracht jetzt aufs Konto gepackt, das ist respektabel und gibt eine gewisse Lockerheit für die nächsten Spiele, unter anderem am nächsten Sonntag bei Borussia Dortmund. „Wir fahren da natürlich hin, um zu gewinnen“, sagte Krösche.
Neben den drei Punkten freute sich der Sportvorstand zudem über eine „ordentliche Leistung“ der Mannschaft, gerade fußballerisch konnten die Gastgeber endlich mal wieder überzeugen. Koch urteilte denn auch treffend: „Das war unser bestes Spiel in diesem Jahr.“ Damit hatte er vollkommen Recht, angesichts der eher schleppenden Auftritte der letzten Wochen war das keine große Kunst.
Denn die TSG Hoffenheim tat als Geburtstagsgast den Frankfurtern den Gefallen, sich früh selbst zu dezimieren. Nach 22 Minuten sah Innenverteidiger Anthony John Brooks nach einer Notbremse gegen den durchgebrochenen Omar Marmoush die Rote Karte. Schon im Hinspiel hatte der baumlange Stopper einen rabenschwarzen Tag erwischt und den Frankfurtern die Arbeit erleichtert, dieses Mal war es erneut Brooks, der dem Spiel die entscheidende Wende geben sollte. „Die Rote Karte hat uns in die Karten gespielt“, sagte Mario Götze später (siehe Bericht auf der nächsten Seite), gegen zehn Mann bekamen die an diesem Tag ohnehin deutlich spielfreudigeren Hessen schnell komplett die Kontrolle. Dabei war es Brooks, der bereits nach sechs Minuten den stimmungsfrohen Frankfurtern eine eiskalte Dusche bescherte und nach einer unnötigen Ecke zum 0:1 einköpfte. Auf der Gegenseite bewahrte Trainer Dino Toppmöller seine Farben vor einem Platzverweis, indem er gerade noch rechtzeitig den Gelb-Rot gefährdeten Fares Chaibi vom Feld nahm (42.). Da hatten die Hessen Glück gehabt, „das war eine enge Kiste“, befand Krösche. Keiner hätte sich beschweren können, wenn der Algerier vom Platz geflogen wäre.
Keine Frage: Der frühe Platzverweis war der sogenannte Gmechanger, in Überzahl waren die Frankfurter dann deutlich überlegen. Ohnehin agierten sie merklich spielfreudiger, merklich griffiger, spürbar aggressiver - auch schon vor dem Feldverweis. Da hatte gerade Eric Dina Ebimbe viele, viele gute Aktien auf dem rechten Flügel, anfangs war er mit dem quirligen Omar Marmoush auffälligster Akteur mit erfreulichem direktem Zug zum Tor. Insofern war es kein Zufall, das er es war, der das 2:1 nach brillanter Vorarbeit von Götze (50.) per Kopf erzielte, „damit hat er uns auf die Siegerstraße gebracht“, fasste Trainer Toppmöller zusammen. Götze höchstpersönlich machte dann mit dem 3:1 (64.) den Deckel drauf. Der Widerstand der Kraichgauer war gebrochen, nach der gelb-roten Karte für Ozan Kabak gänzlich verschüttet. Chancen für einen klareren Sieg hatte es zudem in Hülle und Fülle gegeben, wenngleich die Hessen die Partie am Ende routiniert und professionell nach Hause verwaltet hatten.
Toppmöller war „rundum zufrieden“ mit der Vorstellung seiner Mannschaft. Endlich habe er wieder „Gier, Wachheit und Fokus“ erkennen können, das Positionsspiel sei prima gewesen, dazu „haben wir deutlich besser Fußball gespielt“. Das lag auch an der Rückkehr des zentralen Mittelfelds mit Hugo Larsson und Ellyes Skhiri im Motorraum, die dem Team zuletzt fehlende Stabilität und Struktur zugeführt hatten. Mit ihnen spielen die anderen einfach besser. Der Fußballlehrer entdeckte wieder eine neue Energie. Das habe sich bereits in dieser Trainingswoche angedeutet.
Natürlich ist Toppmöller gefragt worden, ob diese Leistung nun als Maßstab gelten müsse. Im Grunde schon, bedeutete der Trainer, er räumte aber auch angenehm realistisch ein, dass Hoffenheims lange Unterzahl den Ausschlag zugunsten der Hessen bedeutete. Dieser Erfolg war dessen ungeachtet mehr als ein Silberstreif am Horizont.

