Verletzung

Eintracht: Bittere Kunde aus dem Stadtwald

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Da konnte er noch, wie er wollte. Jetzt liegt er auf Eis: Oscar Hojlund (li.) im Spiel gegen Dortmund.
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Eintracht-Talent Oscar Hojlund wollte eigentlich durchstarten – doch jetzt hat sich der Däne schwer verletztc.

Noch zwei Tage, dann schließt das sommerliche Transferfenster. Am Freitagabend um 20 Uhr ist Schluss, zumindest in den großen europäischen Ligen, die sich nach schlechten Erfahrungen in den letzten Jahren darauf geeinigt haben, die Wechselfrist diesmal gemeinsam zu beenden. Bei der Frankfurter Eintracht hatte sich Sportvorstand Markus Krösche darauf gefreut, den Endspurt auf dem Transfermarkt mit einer Art „kontrollierter Defensive“ zu verbringen. Doch so ganz hat das nicht geklappt. Krösche und Sportdirektor Timmo Hardung arbeiten sehr intensiv daran, den Kader im letzten Moment doch noch zu verändern, zu optimieren. Einerseits sollen Spieler abgegeben, andererseits Schwachpunkte im Aufgebot mit Neuzugängen doch noch ausgemerzt werden. Und so fahren Krösche und die Eintracht in den letzten Stunden des Transferkarussells weiter munter mit.

Mit Faride Alidou haben die Frankfurter am letzten Wochenende einen Angreifer auf Leihbasis mit vereinbarter Kaufoption an Hellas Verona abgegeben, der bei den Planungen von Cheftrainer Dino Toppmöller keinerlei Rolle mehr gespielt hatte. Am Mittwoch wurde nun bekannt, dass auch Aurelio Buta auf dem Weg zu einem neuen Arbeitgeber ist. Der portugiesische Rechtsverteidiger, vor zwei Jahren ablösefrei von Royal Antwerpen gekommen, wird mit Stade Reims in Verbindung gebracht.

Was wird aus Marmoush?

Der französische Erstligist will Buta ausleihen, dazu soll eine Kaufoption in Höhe von sechs Millionen Euro vereinbart werden. Die Eintracht zeigt sich gegenüber diesem Angebot aufgeschlossen, die Gespräche laufen. Im Gegensatz zu Alidou, der an den 1.FC Köln ausgeliehen war, hatte Buta in der letzten Saison zum engeren Kreis der Mannschaft gehört. In drei Wettbewerben hat er für die Eintracht 41 Pflichtspiele bestritten. In dieser Spielzeit war er außen vor geblieben, unter anderem weil Trainer Toppmöller auf der rechten Abwehrseite auf Neuzugang Rasmus Kristensen vertraut. Buta wird also wohl der nächste sein, der den Klub verlässt.

Auch weitere Abgänge sind möglich. Für Dina Junior Ebimbe soll es inzwischen ein erstes Angebot der SSC Neapel geben. Die Italiener wollen den französischen Mittelfeldspieler ausleihen mit anschließender Kaufoption. Die Eintracht bevorzugt dagegen einen direkten Verkauf. Ausgang offen. Gespräche gibt es auch um Omar Marmoush. Das zumindest meldet die englische Zeitung „Telegraph“. Danach bemüht sich Nottingham Forest um den Frankfurter Torjäger, hat in einem ersten Angebot 24 Millionen Euro geboten. Aus Frankfurter Sicht deutlich zu wenig.

Im Gegenzug müssten die Frankfurter handeln, sowohl einen Ersatz für Marmoush holen, als sich auch auf der „Sechser“-Position verstärken. Doch das ist ein kompliziertes Unterfangen, denn der Neuzugang fürs Mittelfeld müsste Anforderungen erfüllen, die dem der etablierten Kräfte Ellyes Skhiri und Hugo Larsson überlegen sind, und andererseits müsste er finanzierbar sein. Zuletzt hatte Trainer Dino Toppmöller in den beiden Pflichtspielen in Braunschweig und Dortmund jeweils den 19 Jahre alten Oscar Hojlund eingewechselt. Dem dänischen Juniorennationalspieler soll die Zukunft gehören.

Unglücklicherweise hat sich der vom FC Kopenhagen gekommene Akteur am Mittwoch im Training im Stadtwald verletzt – und zwar schwer. Er zog sich einen Mittelfußbruch zu, was bedeutet, dass er wohl zwei bis drei Monate fehlen wird. Sehr bitter, denn der Youngster war auf einem guten Weg, begeisterte die Verantwortlichen.

Es gibt sogar Experten, die glauben, dass ihm Zukunft gehört – wenn die Verletzung erst einmal auskuriert ist. Sebastian Kneißl, einst Jugendspieler bei der Eintracht (1998-2000), inzwischen angesehener Experte beim Sender Dazn, ist überzeugt, dass die Frankfurter ihr Mittelfeldproblem mit Hojlund lösen könnten. „Ich glaube, man kann sehr viel Geld sparen, indem man ihm das Vertrauen gibt“, sagte Kneißl im HR. Das war vor der schweren Verletzung des Spielers. Hojlund sei im Training „unfassbar gut“. Woher Kneißl diese Erkenntnis hat, ist offen, denn öffentliche Trainingseinheiten, bei denen sich Journalisten eine fundierte Meinung abseits der Spiele bilden könnten, gibt es bei der Eintracht kaum.

Das Talent von Oscar Hojlund ist freilich unumstritten und wurde ihm in die Wiege gelegt. Vater Anders (52) war Profifußballer, die Brüder sind es ebenfalls. Rasmus, mit 21 Jahren der älteste Hojlund-Spross, stürmt für Manchester United. Emil, Zwillingsbruder von Oscar, hat sich gerade Schalke 04 angeschlossen.

Theate mit gutem Eindruck

Oscar fällt nur in seinem Aufgabenbereich auf dem Spielfeld aus der Rolle. Er ist nicht wie sein Vater und seine Brüder Stürmer, sondern Mittelfeldspieler, Abräumer statt Angreifer. Nur eine halbe Million Euro hat die Eintracht an den FC Kopenhagen bezahlt, zudem wurde eine hohe Weiterverkaufsbeteiligung vereinbart. Hojlund hat einen Vertrag bis 2029 unterschrieben. Am Mittwoch sollte er offiziell den Medien vorgestellt werden. Daraus wurde dann nichts.

Dafür nutzte der bislang letzte Neuzugang, Arthur Theate, die Gelegenheit, seine ersten Eindrücke zu schildern. Die sind, wie eigentlich immer bei der Eintracht, sehr gut. „Alle hier haben geholfen, dass ich mich schnell einlebe“, sagte der 24 Jahre alte Belgier, „ich bin richtig glücklich, hier zu sein.“ Vor dem ersten Heimspiel am Samstag gegen die TSG Hoffenheim verspüre er eine große Vorfreude. „Da müssen wir 150 Prozent geben, um die Punkte zu behalten“, sagte Theate. Er will mit gutem Beispiel vorangehen, ganz egal, ob er nun als linker Außenverteidiger oder in der Innenverteidigung aufgeboten wird. „Das spielt bei mir keine Rolle.“ Schon gar nicht bei der persönlichen Einstellung. Dass er als Vorbilder solche Haudegen wie Carles Pujol, ehemals Barcelona, Sergio Ramos, ehemals Real Madrid, oder Pepe, zuletzt FC Porto nennt, macht deutlich, wie Theate seinem Beruf nachgehen will. „Ich bin ein harter Abwehrspieler, will Zweikämpfe gewinnen und mit Leistung überzeugen.“

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