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Deutschland blamiert sich in Österreich. Die Sorge vor der Heim-EM 2024 ist groß. DFB-Sportdirektor Rudi Völler schlägt Alarm.
Wien – Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bei der 0:2-Niederlage gegen Österreich erneut nicht mit Ruhm bekleckert. Nach der Blamage gegen eine B-Elf der Türkei wenige Tage zuvor erlebt die DFB-Elf in Wien einen neuen Tiefpunkt. Sportdirektor Rudi Völler sprach nach dem Debakel Klartext, die Schonfrist für die Nationalspieler ist endgültig vorbei.
Rudi Völler muss nach Österreich-Pleite wieder einen Tiefpunkt der DFB-Elf erklären
Mit Tiefpunkten der deutschen Nationalmannschaft kennt sich Rudi Völler mittlerweile aus. Einst platzte „Tante Käthe“ in seiner Funktion als Bundestrainer nach einer Nullnummer auf Island anno 2003 der Kragen. TV-Experte Günter Netzer hatte zuvor von einem „Tiefpunkt“ gesprochen. Völler entlud seinen Frust im Interview mit Moderator Waldemar Hartmann in einer legendären Wutrede und meinte, dieser habe bereits „drei Weißbier intus“.
Etwas mehr als 20 Jahre später, steht es um die DFB-Elf kurz vor der Heim-EM 2024 wieder nicht gut. Und Völler steht als DFB-Sportdirektor mit in der Verantwortung. Der Weltmeister von 1990 nimmt die Stars in die Pflicht.
Rudi Völler vermisst im DFB-Team „deutsche Tugenden“
„Es geht vordergründig gar nicht um das nackte Ergebnis, aber die Art und Weise, das ist nicht schön, das können wir uns nicht gefallen lassen, und das muss auch besser werden“, sagte Völler nach dem 0:2 gegen Österreich in der Mixed Zone. „Ich weiß, das ist immer ein Begriff, ein Wort, das strapaziert wird, aber uns fehlen ein bisschen die deutschen Tugenden.“ Auch der ehemalige U21-Erfolgstrainer Stefan Kuntz vermisst im DFB-Team deutsche Tugenden.
„Mir fehlt es, auch mal im richtigen Moment dem Gegner wehzutun – nicht so wie heute, die Österreicher uns. Dann bekommen wir naiv einen Platzverweis gegen uns, normalerweise muss der andere vom Platz fliegen, weil er zuerst reagiert hat. Da muss man cleverer und leidenschaftlicher sein“, spielt Völler auf die Rote Karte gegen Leroy Sané an. Eine ähnliche Meinung vertreten auch die Pressestimmen zur DFB-Blamage gegen Österreich: „ÖFB-Helden demütigen Deutschland“.
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„Gesonnt und ausgeruht“: Völler legt nach DFB-Pleite in Österreich Finger in die Wunde
„Vielleicht liege es an den Spielertypen“, vermutet Völler. Möglicherweise habe sich die Mannschaft nach den ersten guten Spielen unter Bundestrainer Julian Nagelsmann auf der USA-Reise „ein bisschen gesonnt und ausgeruht“. Die Art und Weise sei „nicht schön, das muss im März besser werden“.
„Es wird uns nur gelingen, eine gute EM zu spielen und die Menschen wieder auf unsere Seite zu ziehen, wenn wir das machen, was die Türken und die Österreicher gemacht haben: Die fünf Prozent, die wir in den Klubs weniger machen, hier mehr zu machen“, betonte Völler. Nur, wenn „jeder für sich noch eine Schippe drauflegt“, sei die Mannschaft auf hohem Niveau konkurrenzfähig.
Völler fordert von Bundestrainer Nagelsmann personelle Konsequenzen im DFB-Team
Bundestrainer Julian Nagelsmann werde bis zur kommenden Länderspielphase im März „seine Schlüsse“ aus der Niederlage ziehen, „auch, auf wen er am Ende dann setzt“. Die DFB-Auswahl müsse „die fünf bis zehn Prozent an Leidenschaft, an Dynamik, an Energie“ ins Spiel bekommen. „Sonst wird es schwierig“, sagte Völler. DFB-Kapitän Ilkay Gündogan ist sich derweil sicher: „Der Trainer kennt die Gründe“.
Nagelsmann und dessen Taktik machte Völler für die Niederlagen am Dienstag und drei Tage zuvor in Berlin gegen die Türkei (2:3) nicht verantwortlich. „Es geht nicht darum, ob man mit einer Dreier- oder Viererkette spielt, oder ob Kai Havertz linker Verteidiger spielt, das ist nicht der Punkt. Der Punkt sind diese fünf oder zehn Prozent, die haben uns in beiden Spielen gefehlt. Daran müssen wir arbeiten“, sagte der Sportdirektor. (ck/sid/dpa)
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