Wie Musiala: Reporter macht den Reha-Selbsttest der Bayern-Stars
VonVinzent Tschirpke
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Ito, Davies, Musiala – beim FC Bayern arbeiten derzeit mehrere Profis an ihren Comebacks. Doch worauf kommt es bei einer erfolgreichen Reha an? Die tz macht den Test.
München – Jeder Hobbysportler kennt es: Ein kurzes Zwicken im Bein, ein Wegknicken mit dem Fuß – und schon muss man seine Sportpläne für ein paar Tage bis Wochen abhaken. Bei Profifußballern ist es nicht anders: Auch sie haben mit Verletzungen zu kämpfen und gehen jeden Tag das Risiko einer neuen Blessur ein. Spieler wie Joshua Kimmich scheinen dabei unverwundbar, andere Profis wie Marco Reus leiden quasi ihre ganze Karriere unter kleineren und großen Verletzungen. Doch woran liegt das? Und was ist das Geheimnis, um nach einer Verletzung bestmöglich zurückzukommen?
Um diese Fragen zu beantworten, besucht die tz das Athletics and Health Institut in München. Hier betreut DOSB-Sportphysiotherapeut Marco Kaufmann zahlreiche DSV-Athleten wie Dajana Eitberger oder das Langlauf-Nationalteam von Peter Schickenrieder, vor ihrem tragischen Unfall arbeitete er auch mit Laura Dahlmeier zusammen.
Zeit- und Erfolgsdruck bei den Profisportlern
In seinem Institut kümmert er sich darum, mit Athletiktraining Verletzungen präventiv zu verhindern oder die Reha danach effizient zu gestalten. Schließlich erhöht sich nach jeder Verletzung das Risiko einer Folgeverletzung – hier sieht Kaufmann speziell im Fußball Nachholbedarf: „Die Vereine geben den Spielern oft zu wenig Zeit, um sich vollständig auszukurieren und neue Muskulatur aufzubauen. Das liegt am extremen Erfolgsdruck und den wirtschaftlichen Konsequenzen.“
Auch bei ihm geht es darum, schnellstmöglich wieder auf Wettbewerbsniveau zu kommen – dafür gibt es jedoch neue Techniken, die in der Premier League oder Spanien bereits verbreitet sind, in der Bundesliga aber noch zu selten genutzt werden. Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) sieht von außen aus wie ein U-Boot (siehe Fotos), in der Kabine wird der Druck und die Sauerstoffzufuhr erhöht. „Das Prinzip ist wie beim Höhentraining, hier wird jedoch ein Tauchgang simuliert“, erklärt Kaufmann.
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Dadurch kommt mehr Sauerstoff in die Muskeln, die Regeneration und der Muskelaufbau werden schneller und effizienter. Eine solche Druckkammer kostet 150.000 Euro aufwärts. „Novak Djokovic und Cristiano Ronaldo haben sie bei sich zu Hause und nutzen die HBOT vor und nach ihren Trainings. In der Premier League ist sie sehr verbreitet.
Eintracht Frankfurt hat eine solche Druckkammer, der FC Bayern vermutlich nicht.“ Im Hinblick auf die langzeitverletzten Ito, Davies und Musiala rät der Sportphysiotherapeut vor allem: Zeit – und gezieltes Athletiktraining, das über den Muskelaufbau hinausgeht. Hobbysportler sollten dagegen auf ihren Schlaf, die Ernährung (Proteine, Fettsäuren) und genug Wasser achten.