VonPeter Gradschließen
Der FC Bayern wird kein verbessertes drittes Angebot für Nick Woltemade abgeben. Das bedeutet aber kein Scheitern der Verhandlungen, vielmehr ist es der Startschuss für den Poker mit Stuttgart.
München / Stuttgart - Die Verantwortlichen des VfB Stuttgart, allen voran CEO Alexander Wehrle haben in der vergangenen Woche sehr rasch und rigoros auch die zweite Offerte des Rekordmeisters für den Nationalspieler Nick Woltemade abgelehnt, ebenso kategorisch den FCB-Wunsch nach persönlichen Gesprächen zwischen den Vereinen.
Nach abgelehntem Rekordangebot: Strategie-Wechsel des FCB
Dabei hätte das von den Bossen des FC Bayern - federführend CEO Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl - eingereichte Angebot eine neue Rekordsumme, was Transfers innerhalb der Bundesliga betrifft, bedeutet: 50 Millionen plus fünf Millionen Euro an möglichen Bonuszahlungen. Der bisherige Höchstwert stammt aus dem Jahr 2015: Ausgestattet mit den De-Bruyne-Millionen hatte der VfL Wolfsburg stolze 43 Millionen Euro für Julian Draxler an Schalke 04 überwiesen.
So wartete die deutsche Fußball-Öffentlichkeit mit Spannung auf das nächste Angebot des FC Bayern, würde es die angeblich notwendigen 65 Millionen Euro zur Stuttgarter „Gesprächsbereitschaft“ erfüllen. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters reagieren nun jedoch auf überraschende Weise.
Keine Fortsetzung des „auf der Nase herumtanzen lassen“
Laut der BILD haben Dreesen und Eberl beschlossen, vorerst kein weiteres schriftliches Angebot abzugeben. Die einleuchtende Begründung: Man wolle sich nicht „auf der Nase herumtanzen lassen“. Stattdessen drängt man nun an der Säbener Straße vehement auf persönliche Gespräche, um eine realistische Lösung auszuloten – bislang noch vergeblich.
Während medial bereits über ein endgültiges Scheitern des Deals spekuliert wird und ungeduldige FCB-Anhänger reflexartig dem „unfähigen“ Sportvorstand Versagen vorwerfen, wissen die Münchner Verantwortlichen bei ihrer Vorgehensweise einen sehr wichtigen Verbündeten auf ihre Seite.
Wie einst bei Kane: Gemeinsame Strategie Spieler / FC Bayern
So zeigt auch die Spielerseite unverblümt ihr Unverständnis über das Verhalten des VfB Stuttgart. Nick Woltemades Berater Danny Bachmann gestern gegenüber der dpa: „Wenn ein Bundesliga-Rekordangebot von 55 Millionen nicht einmal für ein gemeinsames persönliches Treffen reicht, stellt sich die Frage, was der VfB eigentlich für außergewöhnlich hält. Das war so nicht abzusehen.“
Dass der FC Bayern im direkten Anschluss an diese öffentliche Ansage des Woltemade-Beraters diesen - für viele überraschenden - Weg geht, dürfte kein Zufall sein. Eher baut man gemeinsam den Druck auf die bislang so sturen Schwaben auf. Bei Wehrle & Co. sollte die Botschaft ankommen: Spieler und FCB ziehen an einem Strang.
Ähnlich haben es die Bayern übrigens auch vor zwei Jahren im scheinbar unendlichen Transferpoker um Harry Kane mit Tottenham Hotspur gehandhabt. Man war sich der Loyalität des Spielers bewusst und hat folglich gemeinsam den Wunschtransfer durchgedrückt, obwohl es zwischenzeitlich noch schlechter als bei VfB Stuttgart und Woltemade ausgesehen hatte.
