VonAlexander Kaindlschließen
Der FC Bayern München hat Ryan Gravenberch mit großem Gewinn verkauft. Dahinter steckt eine Strategie, die man auch in Dortmund und Leipzig kennt.
München – Der Deadline Day 2023 ist Geschichte, aus Sicht des FC Bayern verlief er nicht nach Plan. Eigentlich wollte man noch einen defensiven Mittelfeldspieler und einen Verteidiger verpflichten. Beide Vorhaben scheiterten – vor allem im Fall von Joao Palhinha gab es irre Wendungen.
| FC Bayern München | |
|---|---|
| Gründung: | 27. Februar 1900 |
| Vorstandsvorsitzender: | Jan-Christian Dreesen |
| Trainer: | Thomas Tuchel |
Transfer-Sommer des FC Bayern: Viel Bewegung auf dem Markt
Was bei dieser aufregenden Transferperiode beinahe in Vergessenheit gerät, sind die anderen Transfers, die die Münchner getätigt haben. Und da ist immerhin der Rekordeinkauf der Vereinsgeschichte dabei: Harry Kane wurde für 100 Millionen Euro von Tottenham Hotspur verpflichtet.
Auf der anderen Seite haben die Münchner einige Spieler abgegeben. Darunter die großen Namen Lucas Hernandez (45 Millionen Euro, Paris Saint-Germain), Sadio Mané (30 Millionen Euro, Al-Nassr) und Benjamin Pavard (30 Millionen Euro, Inter Mailand). Und auch Ryan Gravenberch hat die bayerische Landeshauptstadt verlassen. Nach nur einem Jahr hat er sich dem FC Liverpool angeschlossen, die Münchner kassieren dafür rund 40 Millionen Euro. Im Sommer 2022 hatten sie den Niederländer für 18,5 Millionen Euro verpflichtet.
FC Bayern und die clevere Transfer-Strategie: Gravenberch-Verkauf ist der nächste Volltreffer
Eine Transfer-Strategie, die den Bayern-Bossen ein sattes Plus in der Kasse beschert – und die auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil bleiben wird. Dank vieler reicher Vereine in Europa (und mittlerweile auch in Saudi-Arabien) werden hochtalentierte Spieler mittlerweile schon fast wie Aktien gehandelt. Oft sind es englische Klubs aus der potenten Premier League, die dann nicht lange zögern und einen Spieler Anfang 20 für – aus deutscher Sicht – viel Geld verpflichten.
Gravenberch ist somit der nächste Bayern-Volltreffer. Die Taktik, ein Talent für vergleichsweise viel Geld zu kaufen, es zu entwickeln (mit mehr oder weniger Spielzeit) und dann für ein Vielfaches wieder abzugeben, haben auch Borussia Dortmund und RB Leipzig in der jüngeren Vergangenheit perfektioniert.
Dortmund und Leipzig: Teuer kaufen, weiterentwickeln – und noch teurer verkaufen
Prominente Beispiele beim BVB: Ousmane Dembélé (für 35 Millionen Euro gekauft, für 135 Millionen Euro verkauft), Jude Bellingham (30/103), Jadon Sancho (20/85) oder Erling Haaland (20/60). Bei Leipzig haben Josko Gvardiol (37/90), Dominik Szoboszlai (36/70) und Christopher Nkunku (19,5/60) jeweils ein hohes Transfer-Plus generiert.
Der Unterschied zum FC Bayern: Beim BVB und bei RB handelte es sich durchgehend um absolute Leistungsträger, Gravenberch war dagegen eher ein Bankdrücker. Tatsächlich haben es Dortmund und Leipzig aber auch schon geschafft, mit Ergänzungsspielern viel Geld zu verdienen. Die „Aktien-Strategie“ war beim einstigen BVB-Stürmer Alexander Isak (8,5/15) oder bei Leipzigs Angreifer Brian Brobbey (7,5/16,35) ebenso ein voller Erfolg.
„Aktien-Strategie“ beim FC Bayern: Richards, Nianzou, Roca – und jetzt Gravenberch
Und tatsächlich hatte auch Gravenberch schon Vorgänger bei Bayern. Bei Spielern wie Omar Richards und Tanguy Nianzou handelte es sich um Talente, die sogar ablösefrei zu haben waren. Der FCB schlug zu – wohlwissend, dass man beide in nicht all zu ferner Zukunft mit einem großen Plus würde verkaufen können, wenn sie sportlich keinen Mehrwert liefern. Und so kam es: Richards ging für 8,5 Millionen Euro, Nianzou sogar für 16 Millionen. Die Idee wurde belohnt, es wurden schnelle Millionen verdient – Richards verabschiedete sich nach einer Saison, Nianzou nach zwei Spielzeiten.
Womöglich gab es bei Marc Roca einen ähnlichen Plan, der Spanier sollte am Ende aber „nur“ mit einem Plus von drei Millionen Euro weiter verkauft werden.
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Bayerns heißeste Aktie heißt Mathys Tel – Wert steigt
Und bei Mathys Tel? Sicher würden interessierte Vereine schon jetzt mehr Geld hinblättern müssen, als die Bayern selbst im Sommer 2022 bezahlt hatten: 20 Millionen Euro. Beim Sturm-Juwel gibt es aber keine Überlegungen, es ziehen zu lassen. Zum Deadline Day war nicht einmal eine Leihe ein Thema – zu wichtig ist der Franzose. Das stellte er beim 2:1-Sieg in Gladbach einmal mehr unter Beweis. Hier geht die „Aktien-Strategie“ in anderer Hinsicht auf: Der Spieler bringt kein kurzfristiges Geld, sondern Leistung. Und wenn Tel eines Tages die 1A-Lösung im Münchner Sturmzentrum sein sollte, hat man mit 20 Millionen Euro ein großes Schnäppchen gemacht. (akl)
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