Von Korbinian Kothny
schließen
Deutschland ist bei der Frauen-WM völlig überraschend bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. Nicht mal einen Heimreiseplan gibt es.
München / Brisbane – Damit hatte wohl keiner gerechnet. Deutschland ist bei der Frauen-Weltmeisterschaft bereits in der Gruppenphase gescheitert – zum ersten Mal in der Geschichte. Das 1:1 gegen Südkorea am Donnerstag besiegelte das nächste deutsche WM-Debakel.
Frauen-Weltmeisterschaft Austragungsort: Australien, Neuseeland Teilnehmer: 32 Finale: 20. August 2023 in Sydney
Frauen-WM: Wie kommt die deutsche Nationalmannschaft nach Hause? Dass selbst die DFB-Verantwortlichen ein so frühes Ausscheiden nicht für möglich gehalten haben, zeigt der Abreiseplan für das Nationalteam. Denn diesen gibt es schlichtweg nicht.
Sydney Lohmann und das DFB-Team müssen aus Australien abreisen.
© IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
In der Nacht auf Freitag übernachtete der DFB-Tross noch in Brisbane, wo das letzte Gruppenspiel stattgefunden hat, bevor es am Freitag zurück ins Base Camp nach Wyong (100 Kilometer nördlich von Sydney) geht. Wie es dann allerdings weitergeht, ist noch völlig unklar.
DFB-Tross reist nicht gemeinsam nach Deutschland Der DFB teilte lediglich mit, dass der gesamte Tross „nach und nach“ von Sydney in die Heimat zurückkehren werde. Das Problem: Die Flieger von Australien nach Deutschland sind voll. Einen Extraflieger für das gesamte DFB-Team gibt es nicht, da die Verantwortlichen nicht mit einem so frühen Aus gerechnet haben und kurzfristig kein Flieger organisiert werden kann.
Werdende Mutter, Zahlen-Genie, Babysitter im Quartier: Deutschlands WM-Frauen im Überblick Ann-Katrin Berger, Torhüterin, FC Chelsea: Lernte ihre Freundin, die zuvor ihre WG-Mitbewohnerin war, während ihrer Zeit beim Londoner Top-Klub kennen. Kehrte bereits zwei Mal nach einer Krebsdiagnose auf den Platz zurück. © Imago / ActionPictures Merle Frohms, Torhüterin, VfL Wolfsburg. Geht als deutsche Nummer eins in die WM. Hat neben ihrer Karriere als Fußballerin ein Studium in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Stina Johannes, Torhüterin, Eintracht Frankfurt. Kickte vor ihrem Engagement bei der SGE für drei Monate in Japan. Absolviert ein Bachelor-Studium der Mathematik. Als einzige Nominierte noch ohne Länderspiel. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl Sara Doorsoun, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Teilt sich bei der WM ein Zimmer mit Torhüterin Merle Frohms. Engagiert sich für das soziale Projekt „Scoring Girls“ der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tugba Tekkal, das in Berlin, Köln und im Nord-Irak Bildungs- und Sportprogramme für Mädchen und junge Frauen bereitstellt und fördert. © IMAGO/DEAN LEWINS Chantal Hagel beim Spiel Deutschland gegen Sambia Chantal Hagel, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Absolvierte keine einzige Partie für eine Junioren-Nationalmannschaft. Verfügt über ein abgeschlossenes Grundschullehramt-Studium. © IMAGO/Laci Perenyi Marina Hegering beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Marina Hegering, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde einst mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Arbeitete während einer langen Verletzungspause als Kauffrau in einem Bauunternehmen. © IMAGO/Laci Perenyi Kathrin Hendrich beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Kathrin Hendrich, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde 1992 im belgischen Eupen geboren. Bruder Markus ist als Moderator und Stand-Up-Comedian tätig. Freund Sebastian Griesbeck steht aktuell bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag. © IMAGO/Laci Perenyi Sophia Kleinherne gibt nach einem Training der DFB-Frauen Autogramme Sophia Kleinherne, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Befindet sich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Bundeswehr-Soldatin mit dem Rang einer Hauptgefreiten. Bruder Lukas ist in der Bezirksliga aktiv. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl Sjoeke Nüsken beim Spiel Deutschland gegen Sambia Sjoeke Nüsken, Verteidigerin, FC Chelsea. War Teil der DFB-Auswahl, die vor sechs Jahren die U17-EM gewann. Wurde im Alter von neun und zehn Jahren deutsche Meisterin im Tennis. Schwester Hjördis war ebenfalls Junioren-Nationalspielerin. © IMAGO/Revierfoto Felicitas Rauch beim Spiel Deutschland gegen Sambia Felicitas Rauch, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Teilte sich in Wolfsburg eine Wohnung mit Pia Wolter, die unmittelbar vor der WM zu Eintracht Frankfurt ging. Eines der liebsten Fotomotive auf Instagram: ihre Pudeldame. © IMAGO/Heiko Becker Jule Brand beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia Jule Brand, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Mit 20 Jahren jüngste Akteurin im WM-Kader. Stammt aus einer Sportlerfamilie: Mutter war Leichtathletin, Vater war Handballer, Bruder spielte unter anderem in der 3. Liga für den FSV Zwickau. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON Sara Däbritz vor einem Training der DFB-Frauen Sara Däbritz, Mittelfeldspielerin, Olympique Lyon. Einzige Frankreich-Legionärin im deutschen Aufgebot. Studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Mit 97 Länderspielen die zweiterfahrenste DFB-Akteurin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Melanie Leupolz beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Melanie Leupolz, Mittelfeldspielerin, FC Chelsea. Reiste mit Kind und Babysitterin nach „Down Under“. Gewann bereits 2013 mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur Svenja Huth beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Svenja Huth, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Erwartet nach der Weltmeisterschaft ihr erstes Kind mit Ehefrau Laura. Engagiert sich für den Tierschutz und hat mit dem Bolonka-Rüden Jamie auch einen eigenen Vierbeiner zu Hause. © IMAGO/Laci Perenyi Lena Lattwein beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia Lena Lattwein, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schloss ihr Abitur mit der Bestnote von 0,7 ab und studierte im Bachelor Wirtschaftsmathematik, arbeitet aktuell an einem Masterabschluss in Controlling. Schaute in ihrer Kindheit regelmäßig Videos mit Fußballtricks und stellte diese im Garten nach. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur Sydney Lohmann beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Sydney Lohmann, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Wurde von ihren Eltern nach der australischen Metropole benannt, nachdem diese kurz vor der Geburt während einer Weltreise dort Halt machten. Trat bereits im Alter von vier Jahren mit ihrem Vater gegen das runde Leder. © IMAGO/Laci Perenyi Lina Magull beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Lina Magull, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Ging als 14-Jährige in das Sportinternat in Kaiserau, um den Traum vom Profifußball weiter zu verfolgen. Absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ist zertifizierte Ernährungsberaterin. Freund Luca arbeitet als Athletiktrainer beim FC Ingolstadt. © IMAGO/Laci Perenyi Lena Oberdorf beim Training der deutschen Nationalmannschaft Lena Oberdorf, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schaffte es 2022 in die Top 3 zur „UEFA Fußballerin des Jahres“. Wurde 2019 jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte. Machte unmittelbar vor dem Turnier ihre Beziehung mit Freundin Kimberly öffentlich. Schwester Julia spielt American Football in der 2. Bundesliga, Bruder Tim ist Profifußballer (zuletzt Fortuna Düsseldorf). © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Alexandra Popp beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Alexandra Popp, Stürmerin, VfL Wolfsburg. Führt die DFB-Elf als Kapitänin aufs Feld. Absolvierte mit 128 Länderspielen die meisten im Kader. Ausgebildete Zootierpflegerin. Drückt privat Borussia Dortmund die Daumen. © IMAGO/Laci Perenyi Klara Bühl beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia Klara Bühl, Stürmerin, FC Bayern München. Feierte bereits mit 15 Jahren ihr Debüt in der Bundesliga. Ist für ihre Häkelkünste bekannt und zeichnete auf diesem Wege auch für das inoffizielle Maskottchen der DFB-Frauen, einen Koala, verantwortlich. © IMAGO/Revierfoto Nicole Anyomi beim Training der DFB-Frauen Nicole Anyomi, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. Sportliches Vorbild: Cristiano Ronaldo. Setzte mit ihrem Kniefall-Jubel 2020 im DFB-Pokal in Anlehnung an die Proteste nach der Ermordung von George Floyd ein Zeichen gegen Rassismus – als erste deutsche Profifußballerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Laura Freigang auf dem Weg zum Training der DFB-Frauen Laura Freigang, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. War vor ihrem Wechsel in die Bundesliga an der Pennsylvania State University eingeschrieben und kickte für das Uni-Team, die „Penn State Nittany Lions“. Als Kabinen-DJ für die Musik bei der deutschen Mannschaft verantwortlich. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Lea Schüller beim Spiel von Deutschland gegen Sambia Lea Schüller, Stürmerin, FC Bayern München. Wurde 2022 zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt. Studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Freundin Lara Vadlau wurde bereits Welt- und Europameisterin im Sportsegeln. © IMAGO/Laci Perenyi Jetzt müssen die DFB-Mädels auf mehrere Maschinen aufgeteilt werden und reisen getrennt in Richtung Heimat. Das Pikante daran: Es ist nicht der erste Planungsfehler der Verantwortlichen bei dieser WM.
DFB mit mehreren Planungsfehlern Lange Zeit war man beim DFB davon ausgegangen, sich als Gruppensieger für das WM-Achtelfinale zu qualifizieren und hatte seine komplette Planung darauf ausgelegt. Erst nach der Niederlage gegen Kolumbien hatten die Verantwortlichen hektisch einen Notfallplan herausgearbeitet, bei dem der gesamte DFB-Tross das Camp in Wyong aufgegeben und immer zum nächsten Spielort weitergezogen wäre.
Damit dürfte der deutschen Nationalmannschaft nicht nur Häme aufgrund des sportlichen Fiaskos sicher sein. (kk )
Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler