DFB am Boden

WM-Debakel: Südkorea-Trainer erfasst Deutschlands großes Problem mit nur einem Satz

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Deutschlands nächstes Fußball-Debakel: Auch die DFB-Frauen scheiden in der WM-Vorrunde aus. Südkoreas Trainer hat Mitleid und analysiert treffend.

Brisbane – Der deutsche Fußball erlebt momentan eine der schwersten Stunden seiner Geschichte. Sowohl die Männer als die Frauen kommen bei der Weltmeisterschaft nicht über die Gruppenphase hinaus. Auch der Nachwuchs enttäuschte jüngst auf ganzer Linie, als die U21 als Gruppenletzter bei der EM ausschied. Was ist eigentlich mit der einst so stolzen Fußball-Nation passiert?

Frauen-WM: Deutschland – Südkorea 1:1 (1:1)

Deutschland:Frohms – Hagel, Hendrich, Hegering, Huth – Oberdorf, Däbritz (64. Lattwein) – Bühl (64. Lohmann), Brand (84. Anyomi) – Schüller, Popp
Südkorea:Kim – Kim, Lee, Shim – Choo, Cho (90. Kang), Chun (63. Park), Ji, Jang – Choe, Phair (86. Moon)
Tore:0:1 Cho (6.), 1:1 Popp (42.)

Das überraschende Aus bei der Frauen-WM ist noch ganz frisch – und schmerzt deshalb am meisten. Gegen den Underdog aus Südkorea kam die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht über ein 1:1 hinaus. Das reichte nicht fürs Weiterkommen, weil Marokko parallel einen überraschenden Sieg gegen den Gruppenersten und Deutschland-Besieger Kolumbien feierte.

DFB-Fiasko bei WM: Kein Sieg gegen Südkorea bedeutet das Aus

Für Südkorea ging es um nichts mehr. Trotzdem kämpften die Asiatinnen bis zum Umfallen und kauften der deutschen Elf teilweise den Schneid ab. Gegen Deutschland schossen die Koreanerinnen ihr einziges Turniertor und ergatterten ihren einzigen WM-Punkt – für die kleine Fußballnation ein riesiger Erfolg.

Das war auch an der Reaktion des englischen Trainers Colin Bell zu erkennen. „Wir als Mannschaft brauchten ein Erfolgserlebnis, wir brauchen ein Tor. Nach dem Tor ist eine ganze Last uns abgefallen, das hat man gesehen“, reagierte er nach dem Spiel überglücklich. Der Brite verbrachte viele Jahre als Spieler und Trainer in Deutschland, führte unter anderem den 1. FFC Frankfurt 2015 zum Champions-League-Sieg.

Südkorea-Trainer Colin Bell trifft in seiner DFB-Analyse einen wunden Punkt.

Deutschland scheitert bei der Frauen-WM – dank Masterplan von Südkorea-Coach

„Ich kenne die deutsche Mannschaft in- und auswendig. Wir haben befreit aufgespielt, taktisch sehr clever“, lobte er sein Team. Aufgrund seiner langen Zeit in Deutschland hatte er auch Mitleid mit dem deutschen Team. „Sie haben alles versucht. Ich habe bis fünf Minuten nach dem Spiel nicht gewusst, dass Deutschland raus ist. Das tut mir echt leid. Über die Hälfte meines Lebens habe ich in Deutschland verbracht, ich liebe das Land. Mein Sohn, meine Enkelin, sie sind deutsch.“

Eine schonungslose Analyse über das DFB-Aus schob er dann auch noch hinterher. Mehr als einen Satz benötigte er nicht, um das deutsche Problem auf den Punkt zu bringen: „Nur mit hohen Bällen in den Strafraum …“, beschrieb Bell Deutschlands Dilemma und legte nach: „Das wäre ein Mittel gewesen, wenn Eun-sun nicht da gewesen wäre. Aber sie ist eben auch eine Waffe.“

Popp, Putellas, Oberdorf: Das sind die besten Fußballerinnen der Welt

Alexia Putellas (29), Spanien, FC Barcelona: Die offensive Mittelfeldspielerin ist das Herzsstück in der spanischen nationalmannschaft und beim FC Barcelona. 2021 und 2022 gewann sie den Titel als Weltfußballerin.
Platz 1: Alexia Putellas (29), Spanien, FC Barcelona: Die offensive Mittelfeldspielerin ist das Herzsstück in der spanischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona. 2021 und 2022 gewann sie den Titel als Weltfußballerin. © IMAGO/Jose Breton
Beth Mead (28), England, FC Arsenal: Die Stürmerin gewann im letzten Jahr mit der englischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. Sie war die erfolgreichste Torjägerin und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt.
Platz 2: Beth Mead (28), England, FC Arsenal: Die Stürmerin gewann im letzten Jahr mit der englischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. Sie war die erfolgreichste Torjägerin und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt. © IMAGO/Adam Davy
Kerr ist Rekordtorschützin der australischen Nationalmannschaft und verhalf Chelsea zuletzt zu vier Meistertiteln in Serie.
Platz 3: Sam Kerr (29), Australien, FC Chelsea: Kerr ist Rekordtorschützin der australischen Nationalmannschaft. Mit ihren Toren verhalf sie Chelsea zuletzt zu vier Meistertiteln in Serie. © IMAGO/JOEL CARRETT
Lena Oberdorf (21), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Mittelfeldspielerin debütierte bereits 2019 in der deutschen Nationalmannschaft. Mit den Wolfsburgerinnen gewann sie zuletzt dreimal in Folge den DFB-Pokal und stand 2023 im Champions-League-Finale.
Platz 4: Lena Oberdorf (21), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Mittelfeldspielerin debütierte bereits 2019 in der deutschen Nationalmannschaft. Mit den Wolfsburgerinnen gewann sie zuletzt dreimal in Folge den DFB-Pokal und stand 2023 im Champions-League-Finale. © IMAGO/Revierfoto
Bonmati kommt vor allem im zentralen und offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Mit Barcelona gewann sie 2023 die spanische Meisterschaft und die Champions League.
Platz 5: Aitana Bonmati (25), Spanien, FC Barcelona: Bonmati kommt vor allem im zentralen und offensiven Mittelfeld zum Einsatz. Mit Barcelona gewann sie 2023 die spanische Meisterschaft und die Champions League. © IMAGO/Kim Price
Alexandra Popp (32), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Stürmerin ist in der deutschen Nationalmannschaft und beim VfL Wolfsburg unverzichtbar. Die DFB-Kapitänin führte Deutschland 2022 bei der Europameisterschaft auf Platz zwei.
Platz 6: Alexandra Popp (32), Deutschland, VfL Wolfsburg: Die Stürmerin ist in der deutschen Nationalmannschaft und beim VfL Wolfsburg unverzichtbar. Die DFB-Kapitänin führte Deutschland 2022 bei der Europameisterschaft auf Platz zwei. © IMAGO/Scott Barbour/Shutterstock
Ada Hegerberg (28), Norwegen, Olympique Lyon: Hegerberg gehört seit jahren zu den besten Stürmerinnen der Welt. Mit Lyon gewann sie insgesamt sechsmal die Champions League und wurde 2018 als Weltfußballerin ausgezeichnet.
Platz 7: Ada Hegerberg (28), Norwegen, Olympique Lyon: Hegerberg gehört seit jahren zu den besten Stürmerinnen der Welt. Mit Lyon gewann sie insgesamt sechsmal die Champions League und wurde 2018 als Weltfußballerin ausgezeichnet. © IMAGO/Lise Åserud
Wendie Renard, Frankreich, Olympique Lyon: Die 1,87 Meter große Innenverteidigerin gilt als robust und kopfballstark. Mit 102 Einsätzen ist sie Rekordspielerin der Champions League und gewann den Wettbewerb mit Lyon insgesamt acht mal.
Platz 8: Wendie Renard, Frankreich, Olympique Lyon: Die 1,87 Meter große Innenverteidigerin gilt als robust und kopfballstark. Mit 102 Einsätzen ist sie Rekordspielerin der Champions League und gewann den Wettbewerb mit Lyon insgesamt acht mal.  © IMAGO/Sydney Low
Catarina Macario (23), USA, Olympique Lyon: Die 23-jährige Offensivspielerin etablierte sich innerhalb kürzester Zeit bei Lyon und verhalf dem Team 2022 zur Meisterschaft und dem Gewinn der Champions League.
Platz 9: Catarina Macario (23), USA, Olympique Lyon: Die 23-jährige Offensivspielerin etablierte sich innerhalb kürzester Zeit bei Lyon und verhalf dem Team 2022 zur Meisterschaft und dem Gewinn der Champions League. © IMAGO/Francesco Scaccianoce/LiveMedia/Shutterstock
Lucy Bronze, England, FC Barcelona: Die Abwehrspielerin gehört in der englischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona zum Stammpersonal. Sie konnte mit zwei Vereinen (Barcelona und Lyon) die Champions League gewinnen und wurde 2020 FIFA-Weltfußballerin.
Platz 10: Lucy Bronze, England, FC Barcelona: Die Abwehrspielerin gehört in der englischen Nationalmannschaft und beim FC Barcelona zum Stammpersonal. Sie konnte mit zwei Vereinen (Barcelona und Lyon) die Champions League gewinnen und wurde 2020 FIFA-Weltfußballerin. © IMAGO/Isabel Infantes

„Keine Probleme bereitet“: Südkorea-Trainer analysiert DFB-Aus

Mit Eun-sun Park wechselte er eine 1,82 Meter große Frau, die eigentlich Stürmerin ist, ein und setzte sie auf Alexandra Popp an. Ein taktischer Schachzug, der voll aufging.

„Bis auf Sydney Lohmann hat uns Deutschland keine Probleme mehr bereitet“, analysierte er treffend. Tatsächlich wirkte das deutsche Spiel oft eindimensional. Meist versuchten es die DFB-Frauen mit hohen Bällen auf die kopfballstarken Popp und Schüller, nur war Südkorea darauf eben vorbereitet.

Alle Stimmen zum Deuutschland-Debakel finden Sie hier. (epp)

Rubriklistenbild: © Imago/Keene/Screenshot ZDF

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