VonMelanie Gottschalkschließen
Wenige Monate vor der EM im eigenen Land sieht Bastian Schweinsteiger noch eine große Baustelle im DFB-Team: die Abwehr.
Philadelphia – Die USA-Reise dürfte dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann viele Erkenntnisse geliefert haben. Rund ein halbes Jahr vor Beginn der EM 2024 im eigenen Land gilt es für ihn, das DFB-Team auf Kurs zu bringen und die Menschen im Land wieder für die Nationalmannschaft zu begeistern. Der 3:1-Sieg gegen die USA war ein erstes Signal, auch beim 2:2 gegen Mexiko zum Abschluss der Reise waren viele gute Ansätze zu sehen. Für ARD-Experte Bastian Schweinsteiger offenbarte sich aber gleichzeitig das größte Problem der deutschen Nationalmannschaft: die Abwehr.
| Bastian Schweinsteiger | |
|---|---|
| Geboren am: | 1. August 1984 (Alter 39 Jahre), Kolbermoor |
| Profi-Stationen: | FC Bayern München, Manchester United, Chicago Fire |
| Länderspiele: | 121 |
Schweinsteiger kritisiert Abwehr des DFB-Teams
„Heute hat man gute Dinge gesehen, aber auch viele Defizite, was wir noch nicht so gut machen. Ich glaube, dass das für den Trainer ein wichtiges Spiel war, um die richtigen Erkenntnisse rauszuziehen. Auch aus so einem Spiel wird man sicher lernen“, sagte er nach der Partie gegen Mexiko in der Analyse am ARD-Mikro.
Was Schweinsteigers Meinung nach noch nicht gut gelaufen ist? „Die Restverteidigung war nicht gut. Wenn wir den Ball nach vorne bringen, in die Hälfte des Gegners, muss auch unsere Abwehr mit nach vorne gehen und die Stürmer vom Gegenspieler zustellen. Das haben wir nicht gut gemacht“, resümierte er. Zusätzlich seien die Abwehrspieler nicht nah genug am Gegner dran, wenn diese in den Sechszehner eindringen. Das DFB-Team habe genau aus diesem Grund zwei Gegentore kassiert.
Schweinsteiger: „Süle nicht nah genug an Sanchez dran“
Konkret analysiert er diese Schwäche anhand der Szenen vor dem 2:1 für Mexiko. „In der Mitte sieht man, dass Süle (fr.de-Note 5) von Anfang an nicht nah genug an Sanchez dran ist. Sanchez macht eine gute Bewegung, geht ein paar Schritte nach vorne. Der Ball geht über Rüdiger hinweg und da erwarte ich von einem Verteidiger (in diesem Fall Süle, Anm. d. Red.), dass er vorm Gegner da ist“, sagte Schweinsteiger. Es brauche von Beginn an mehr Körperkontakt, um es dem Stürmer schwerer zu machen. „Natürlich darf man nicht dumm am Trikot ziehen, aber du musst es einem Stürmer schwer machen, sich da durchzusetzen“, sagte der ARD-Experte – und erwartet von den Verteidigern des DFB-Teams „viel mehr alte Schule.“
In den kommenden Monaten bis zur EM 2024 in Deutschland hat Nagelsmann also noch viel Arbeit vor sich, vor allem in der Abwehr. „Die Hauptarbeit wird sein, eine Viererkette dahin zu bekommen, dass sie eingespielt sind, dass die Abläufe stimmen“, sagte Schweinsteiger. Die zwei Spiele seien ganz wichtig gewesen, auch mit Blick auf die EM, aber Anfang nächsten Jahres müsse Nagelsmann vier Spieler haben, „die zusammenarbeiten und auch genau wissen, was sie zu tun haben, mit dem Verbund Mittelfeld und Offensivspiel.“
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Schweinsteiger fordert Kimmich als Rechtsverteidiger
Joshua Kimmich, der den USA-Trip aufgrund einer Grippe vorzeitig verlassen hatte, wird bei den kommenden Länderspielen im November wieder mit dabei sein. Doch vor allem das Mittelfeld mit Pascal Groß, Ilkay Gündogan, Jamal Musiala und Florian Wirtz machte eine gute Figur, weshalb Schweinsteiger über eine andere Position für den Bayern-Star nachdenkt.
„Wenn das Mittelfeld gut ist, mit Groß, Gündogan, Musiala und Wirtz, dann muss man sich überlegen, ob man Kimmich als Rechtsverteidiger hernimmt“, sagte der Weltmeister von 2014. Er sei auf jeden Fall eine Option. „Man muss alle Optionen durchgehen, weil es am Ende wichtig ist, dass du elf Spieler auf dem Platz hast, die eine hohe Qualität haben und verstehen, wie das Spiel geht.“ (msb)
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