„Hat richtig Spaß gemacht“ – die Stimmen zum Kantersieg des FC Bayern gegen den HSV
VonPeter Grad
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Der Hamburger SV ist nach sieben Jahren zurück in der Bundesliga, die nahezu unfassbare Pleitenserie beim FC Bayern setzt sich aber nahtlos fort. Die Stimmen zum Spiel.
München – Über sieben Jahre lang vermisste die Bundesliga den Nord-Süd-Schlager: Am 3. Spieltag der noch jungen Saison war es wieder so weit: Der FC Bayern empfing den Hamburger SV, den Meisterschaftskonkurrenten der frühen 1980er Jahre, in der Allianz Arena. HSV-Ikone Rafael Rafael van der Vaart hatte jedoch schon vor der Partie eine böse Vorahnung gehabt und gehofft, „dass es keine Packung gibt. Auf den HSV wartet eine schwere Aufgabe. Alles unter fünf Gegentoren wäre aus meiner Sicht gut.“
Die Einschätzung des 42-Jährigen war realistisch, bei der 0:5-Niederlage waren seine Nachfolger mit der Raute auf Brust ebenso chancenlos wie die HSV-Mannschaften vor dem Abstieg nach der Saison 2017/18. Zum letzten Mal waren die Hanseaten vor über 18 Jahren beim FCB erfolgreich, die letzten vier Gastspiele in der Fröttmaninger Arena wurden mit einem Gesamtscore von 0:27 verloren - 0:8, 0:5, 0:8, 0:6.
Bayern gnädig, trotzdem Fortsetzung der Hamburger Katastrophenserie
Auch bei der Wiederaufnahme des Klassikers war das Spiel nach nur neun Minuten praktisch entschieden. Zwei Weltklassetore - Entstehung und Abschluss - durch Serge Gnabry und Aleksandar Pavlović bereiteten dem HSV einen gebührenden Empfang beim Meister. Nach einer knappen halben Stunde stand es bereits 4:0, Harry Kane per Handelfmeter und Luis Díaz mit einem abgefälschten Schuss trafen zum Halbzeitstand. Angesichts des bevorstehenden Champions-League-Krachers gegen Klubweltmeister Chelsea schaltete der Rekordmeister sehr früh in den Verwaltungsmodus und beließ es beim 5:0 durch Kane in der 62. Minute.
Die Stimmen zur Partie
FCB-Sportvorstand Max Eberl
„Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, wir haben als Gruppe sehr aktiv verteidigt. Die Jungs haben in der ersten Halbzeit Vollgas gespielt. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein paar Umstellungen, wir sind aber trotzdem weiter auf Tore gegangen. Wenn wir das auf den Platz bringen, was wir können, sind wir nur schwer zu schlagen. Wenn wir meinen, etwas weniger machen zu können, kann es eng werden. Wir wollen so agieren wie heute.
Ich bin gespannt auf das Spiel am Mittwoch. Wir haben Chelsea alle beim Klub-WM-Finale gesehen, das sie verdient gewonnen haben. Ich glaube nicht, dass sie schlechter geworden sind. Es wird ein spannendes und hochkarätiges Spiel. Wichtig war, dass wir heute das Erfolgserlebnis hatten.“
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„Zu null gespielt, fünf Tore gemacht – das war stark. Die Atmosphäre im Stadion war einfach großartig. Es hatte fast schon etwas von Oktoberfest-Stimmung und hat richtig Spaß gemacht. Wir sind gut gestartet, das hilft immer. In der ersten Halbzeit hat alles gepasst, in der zweiten hätten wir vielleicht noch etwas mehr machen können. Aber wir haben vernünftig gespielt, das Spiel kontrolliert und noch ein Tor nachgelegt. Am Ende ist es ein sehr gutes Ergebnis. Man merkt, dass wir uns immer besser verstehen, viele Automatismen sind inzwischen da. Wir haben für die Siege bislang hart gearbeitet, deshalb sind sie auch verdient.“
Kapitän Manuel Neuer
„Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt, sind sehr fokussiert ins Spiel gegangen und haben sensationelle Tore erzielt. Wichtig war, dass wir die Konzentration hochgehalten und bis zum Ende versucht haben, die Null zu halten und gleichzeitig immer weiter auf Tore gegangen sind. Natürlich denken wir an uns selbst und wollen das umsetzen, was wir uns vornehmen. Es war auch wichtig, dass wir den einen oder anderen Spieler etwas schonen konnten. Viele waren mit ihren Nationalteams unterwegs, sind viel gereist. Da war es schon hilfreich, dass wir zur Halbzeit 4:0 vorne lagen und entsprechend wechseln konnten.“
Serge Gnabry, Torschütze zum 1:0
„Insgesamt läuft es bei uns in der Mannschaft sehr gut, es macht riesigen Spaß. Wir spielen stark zusammen, lassen den Ball gut laufen, haben ein blindes Verständnis – es passt einfach. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht, warum ich bei meinem Tor geschossen habe – aber heute ist er halt mal so reingegangen. Ich bin gerade gut drauf, trainiere wie immer, gebe Gas. Als Sportler brauchst du aber auch ein gewisses Glück auf deiner Seite, damit es klappt. Letztes Jahr wurde ich nach einer guten Phase durch das Knie ein bisschen ausgebremst. Jetzt bin ich gesund, fühle mich gut, habe Selbstvertrauen – und gerade bin ich im Flow.“
HSV-Trainer Merlin Polzin
„Natürlich sind wir nicht zufrieden, was das Endergebnis angeht und was insbesondere auch die Leistung der ersten Halbzeit angeht. Wir werden viel daraus lernen und fokussieren uns ab jetzt auf die Aufgaben, die für uns in dieser Saison dann nochmal deutlich wichtiger und wahrscheinlich auch erfolgreicher sein werden.“