2. Bundesliga

SV Wehen Wiesbaden greift nach dem letzten Strohhalm

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Gefeuert kurz vor Saisonende: Wiesbadens Trainer Markus Kauczinski.
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Der SV Wehen Wiesbaden entlässt den im vergangenen Jahr gefeierten Marcus Kauczinski und baut jetzt für den Abstiegskampf der zweiten Liga auf ein Trainer-Duo.

Der Fußball überholt sich manchmal selbst, in einem Affenzahn: Was gestern war, bedeutet heute nichts mehr. Und er kann zuweilen eine Eigendynamik entwickeln, die innerhalb weniger Monate alles auf den Kopf stellt, was gemeinhin gültig war. In beide Richtungen, positiv wie negativ. Hier, beim SV Wehen Wiesbaden, eindeutig: negativ. Damals, Mitte November, schien der Aufsteiger die zweite Liga im Sturm zu nehmen. 2:1-Erfolg gegen Kaiserslautern, 21 Punkte auf dem Konto, nur zwei weniger als der Dritte Holstein Kiel. Und ja, es fegte so ein bisschen was Feuriges umher am beschaulichen Standort, dem kleinen Wellblechpalast an der Berliner Straße. So was wie Begeisterung und Leidenschaft. Der Tabellenkeller schien unendlich weit weg, damit auch der Abstieg. Und Markus Kauczinski, der Aufstiegstrainer, war ein gefeierter Mann.

Tja, und heute, nicht mal sechs Monate später, ist der Erfolgscoach längst kein Erfolgscoach mehr und also Geschichte, am Sonntag nach dem verrückten 3:5 gegen Fürth schnöde von seinen Aufgaben entbunden worden. Mit ein paar geschäftsmäßigen Worten per Pressemitteilung. „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir in dieser Konstellation unsere Ziele nicht erreichen werden und dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht“, s0 Geschäftsführer Nico Schäfer.

Die Trennung sei „unumgänglich“ gewesen. So ist das, wenn man als Trainer zu wenige Punkte holt und die Mannschaft durchgereicht wird – von Rang sieben bis hinunter auf den Relegationsplatz 16. Zudem: fünf Schlappen in den letzten sechs Spielen. Zu wenig des Guten. Der Griff nach dem letzten Strohhalm. Und tschüss, Herr Kauczinski.

Übernehmen werden jetzt die Assistenten Nils Döring und Giuliano Modica. Drei Spiele bleiben Zeit für die Rettung. Wird schwer. Döring, der 2023 die Ausbildung zum Fußballlehrer abschloss, war nach der Trennung von Rüdiger Rehm schon mal eingesprungen, coachte das Team zu vier Punkten in zwei Spielen und machte dann den Weg frei für Kauczinski.

Es ist eine generelle Unruhe entstanden beim SVWW, schon die Trennung von Paul Fernie ging nicht geräuschlos über die Bühne: Der Sportdirektor aktivierte Anfang des Monats seine Ausstiegsklausel, um für den Darmstadt 98 tätig sein zu können. Die Wehener stellten ihn daraufhin sofort frei. Und machten keinen Hehl daraus, dass sie das Verhalten eher mittelmäßig cool fanden. Jetzt hat der Klub sehr viel größere Sorgen. dur

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