VonIngo Durstewitzschließen
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Trainer Dino Toppmöller zählt Ngankam, Hauge, Aaronson an: „Bin enttäuscht, dass der eine oder andere nicht in die Bresche springen konnte“ / Donny van de Beek kommt von Manchester United.
Es gäbe ja, findet Dino Toppmöller, durchaus Aspekte, die man mitnehmen könne von dieser völlig verkorksten Dienstreise nach Schottland. Bei genauerer Überlegung fiel dem Eintracht-Trainer aber doch nur ein einziges Merkmal ein: „Elias Baum hat es sehr gut gemacht, das nehmen wir als positive Sache mit.“ Der Rechtsverteidiger kam bei seinem Startelfdebüt bei den Profis auf eine gute Passquote und ansprechende Zweikampfwerte; das Eigengewächs, erst kürzlich 18 Jahre alt geworden, hat einen abgeklärten Auftritt hingelegt.
An ihm lag es nicht, dass die Eintracht nach einer indiskutablen Vorstellung mit 0:2 beim FC Aberdeen unterlag. „Seine Nominierung für die Startelf ist ein Zeichen an das NLZ, dass die Verantwortlichen dort sehr gute Arbeit machen“, befand Sportvorstand Markus Krösche. Baum, schon seit der E-Jugend am Riederwald am Ball, war tatsächlich der einzige Lichtblick an diesem tranigen Abend unweit der Nordsee.
Elias Baum der einzige Lichtblick
Über andere sprach Coach Toppmöller in einer ersten Reaktion nicht so wohlwollend. Die Reservisten, die dieses Mal eine Chance bekamen und für die diese belanglose Partie auf der Insel ganz und gar nicht belanglos sein sollte, zählte der 43-Jährige deutlich an. Er sei „verärgert“ über diese „unnötige Niederlage“, die zwar vermeidbar gewesen sei, da man die Partie über 90 Minuten im Griff gehabt hätte. Das belegen die Zahlen: 16:4 Schüsse für die Eintracht, 6:2 Schüsse aufs Tor, 77,7 Prozent Ballbesitz, 518:129 Pässe in der gegnerischen Hälfte. Doch was nutzt es, wenn das Resultat 0:2 lautet?
Letztlich nicht mal unverdient, weil die Eintracht gegen ultradefensive Schotten zu langsam, umständlich und einfallslos spielte. Womit man wieder bei den Reservisten, dem Fehlen der Stammkräfte und Toppmöllers Rüffel wäre. Die Ausfälle der beiden leicht kränkelnden Offensivspieler Omar Marmoush und Fares Chaibi sowie die frühe Auswechslung von Eric Dina Ebimbe habe man nicht auffangen können. „Das ist relativ simpel erklärt. Denn sie haben unser Spiel in der Offensive in den letzten Wochen gezogen.“ Im Grunde, sagte er anderntags, „waren es zu viele Wechsel“. Nach einer Nacht und einer verspäteten Landung - erst um 16 Uhr waren die Hessen am Freitag am Proficamp - schwächte der Coach seine Kritik deutlich ab, man müsse das relativieren. Der FC Liverpool etwa habe sein Spiel ebenfalls verloren. Man habe eine gute Mischung finden wollen, das habe nicht geklappt.
Die Nachrücker bleiben viele schuldig
Dennoch: Die, die in der zweiten Reihe mit den Hufen scharten, konnten das Stammpersonal nicht mal im Entferntesten ersetzen. „Ich bin enttäuscht, dass der eine oder andere nicht in die Bresche springen und die Chance nutzen konnte.“ Ein klarer Tadel an Akteure wie Jessic Ngankam, Jens Petter Hauge oder auch Paxten Aaronson. Er, Toppmöller, hasse es zu verlieren, deshalb habe „er seinen Unmut auch in der Kabine kundgetan“. Wie wollen Reservisten auf sich aufmerksam machen, wenn nicht in einem Pflichtspiel, in dem sie spielen dürfen?
Auch die Tatsache, dass die Partie tabellarisch keine Rolle mehr spielte, lässt der 43-Jährige nicht gelten: „Es sind elf Spieler auf dem Platz, jeder einzelne hat den Anspruch, in der Bundesliga ein paar Minuten mehr zu sammeln. Das sollte Ansporn genug sein – sonst hätten wir auch gleich zu Hause bleiben können.“ Geht aber nicht, so was.
Die Conference League ist jedenfalls kein Wettbewerb, den die Eintracht im Sturm nimmt, sie fremdelt noch, hat von sechs Sielen nur drei gewonnen, alle gegen die Schwächsten der Gruppe, aber auch drei Spiele verloren, etwa beide Duelle gegen Spitzenreiter Paok Saloniki und jetzt in Aberdeen. Nun ja.
Donny van de Beek soll im Winter kommen
Das ist nicht der Anspruch des Klubs. 2018 holte die Eintracht in der Europa League in der Gruppenphase alle sechs Siege, Rekord damals. In der Saison 2021/22 reichte es gar zum Titel in Sevilla, ungeschlagen wohlgemerkt. In der vergangenen Spielzeit zog sie als Neuling in der Champions League ins Achtelfinale ein. Von Erfolgen wie diesen ist die Eintracht kurz vor Weihnachten 2023 weit entfernt.
Deshalb wird die Eintracht personell nachlegen, laut des Transferexperten Fabrizio Romano wird Mittelfeldspieler Donny van de Beek kommen, der 26-Jährige in Diensten von Manchester United wird in der Rückserie für 1,5 Millionen Euro ausgeliehen werden, danach soll eine Kaufoption in Höhe von 15 Millionen bestehen. Auch die FR hatte bereits darüber berichtet. Der 2020 für 39 Millionen von Ajax Amsterdam auf die Insel transferierte Profi besitzt einen Vertrag bis zum Sommer 2025, spielt aber unter Trainer Erik ten Hag keine Rolle, kommt nur auf eine Gesamtspielzeit von ganzen zwei Minuten. Der 19-fache Nationalspieler erhofft sich durch mehr Einsatzzeiten bessere Chancen auf eine EM-Teilnahme mit der Oranje-Auswahl.
Jetzt geht es zu Bayer Leverkusen
Auf die Eintracht wartet erst einmal ein riesiger Brocken: Am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) geht es zum wie entfesselt aufspielenden Branchenführer Bayer Leverkusen, seit 23 Pflichtspielen unbesiegt. „Das ist ein Riesenbrett“, Leverkusen aktuell „das Maß der Dinge“, lobt Toppmöller. Die Frankfurter Auswärtsbilanz in Leverkusen ist desaströs: Neun Spiele haben die Hessen in Folge verloren, bei einem Torverhältnis von 6:32, Höhepunkt war die Abreibung in 2019 unter Adi Hütter, als es nach 36 Minuten sage und schreibe 1:6 stand. Der letzte Frankfurter Sieg (1:0) liegt zehn Jahre zurück.
Natürlich verweisen sie jetzt auf die Gala gegen Bayern München (5;1). Das Team habe gezeigt, „mit den Besten mithalten zu können“, macht sich Toppmöller Mut. Man benötige eine aggressive Verteidigermentalität, einen Top-Torwart, gutes Konterspiel und einen Sahnetag“. Für den gesperrten Marmoush plant Toppmöller mit Chaibi, sofern der seine Erkältung auskuriert hat, Ebimbe ist sehr fraglich, er hat sich in Aberdeen die Fußsohle verstaucht. Immerhin steht Kevin Trapp im Tor, der „ein paar Unhaltbare halten“ muss, verlangt Toppmöller, der allen Unkenrufen zum Trotz fröhlich im Wald pfeift: „Wir freuen uns auf dieses Spiel.“

