Khedira geht mit DFB-Elf nach EM-Aus hart ins Gericht
VonStefan Schmid
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Der Jubel über die Leistungen des DFB-Teams bei der EM war groß. Sami Khedira lobt einige Entwicklungen, sieht aber auch deutliches Verbesserungspotenzial.
Frankfurt am Main – Nach sportlich durchwachsenen Jahren präsentierte sich die DFB-Elf bei der Europameisterschaft in einem erfrischenden Gewand. Das begeisterte viele Fans und Expert:innen, die nicht selten das verlorene Viertelfinale gegen Spanien zum vorgezogenen Endspiel erklärten. Doch nicht alle stimmen vorbehaltlos in die Jubelstürme ein. Darunter Weltmeister Sami Khedira, der seine Kritik an der Leistung deutlich formuliert.
Khedira kritisiert DFB-Leistungen bei EM: „Nicht auf dem Top-Niveau“
Die deutsche Nationalmannschaft hat etwas erreicht, was es seit fast zehn Jahren nicht mehr gab. Positive Fußballstimmung schwappte durch die Republik. Schon nach dem 5:1-Auftaktsieg gegen Schottland schien für viele Fans alles möglich. Der EM-Titel war für einige fast nur noch eine Formsache. Doch dann kam Mikel Merino in der 119. Minute des Viertelfinales angeflogen und köpfte die großen Träume aus den Köpfen der DFB-Fans.
Einer, der im Ausscheiden nicht nur fehlendes Schiedsrichterglück einer eigentlich überragenden Nationalmannschaft sieht, ist Sami Khedira. Gegenüber dem Kicker und DAZN legte er den Finger in die Wunde: „Wenn wir das dann sportlich im Endeffekt bewerten, sehe ich es nicht ganz so positiv, wie viele es dann letztendlich auch dann geschrieben haben. Es war gut, es war ein gutes Fundament, aber es war nicht auf dem Top-Niveau, auf dem uns viele da gesehen haben.“
Khedira sieht Kritik am DFB-Niveau nicht als Widerspruch zu guter Arbeit des Teams
Die Kritik am Niveau will Khedira aber nicht als Generalabrechnung mit dem DFB-Team verstanden wissen. Explizit stellte er seinen Worten ein „dennoch“ voran und kein „aber“. Ein solches würde laut Khedira dazu führen, dass das zuvor Gesagte negiert werden würde.
Khedira sei „positiv überrascht“ davon gewesen, „wie schnell Julian Nagelsmann und sein Trainerteam (…) es geschafft haben, wirklich eine Mannschaft wieder zu emotionalisieren“. Die Fans der deutschen Nationalmannschaft seien wieder gerne ins Stadion gegangen und wären wieder stolz darauf gewesen, die DFB-Elf zu unterstützen. „Das ist, glaube ich, das mit Abstand wichtigste gewesen“, sagte Khedira über den Erfolg des Trainerteams.
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Zukunft der DFB-Elf noch mit einigen Fragezeichen versehen
Egal wie man nun die Leistung der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft bewertet, fest steht, dass es für einige Spieler das letzte große Turnier gewesen war. Toni Kroos bestritt gegen Spanien sein letztes Spiel und auch hinter der DFB-Zukunft von Thomas Müller und Manuel Neuer stehen Fragezeichen. Während Neuer in zwei Jahren wohl noch aktiv sein wird, steht Müller laut einem Medienbericht kurz vor dem Rücktritt aus der DFB-Elf.
Bei so viel Aderlass auf der Führungsebene stellt sich die Frage nach den zukünftigen Leitwölfen im Team. Einer, der den Anspruch mitbringt, ist Joshua Kimmich. Doch der ist nicht unter allen Beobachter:innen restlos unumstritten. Dem wiederum widerspricht Khedira. Der ging im Angesicht unsachlicher Kritik am Rechtsverteidiger in der Vergangenheit schon einmal richtig an die Decke. (sch)