Bundesliga

Terzic, Siewert, Walter: Trügerisches Vertrauen

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Nicht direkt ein Quell der Freude in letzter Zeit: BVB-Trainer Edin Terzic.
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In Dortmund, Mainz und Hamburg dürfen die Cheftrainer weitermachen. Aber alle arbeiten nur auf Bewährung. Ein Kommentar.

Gefühlt nimmt die Rastlosigkeit des Profifußballs gerade in der Vorweihnachtszeit ein unerträgliches Ausmaß an. Und das Ende der Fahnenstange ist ja längst nicht erreicht, weil vor allem Uefa und Fifa immer noch ein neuer Wettbewerb einfällt. Nun gut, ganz so schlimm wie in England ist es noch nicht, wo ein Spiel am Heiligabend ausgetragen wird und dann bekanntlich zwei Tage später das Faszinosum Boxing Day zur Aufführung kommt.

Aber auch in Deutschland haben die meisten Verantwortlichen kaum Zeit für Besinnlichkeit, weil sich zum Jahresende vielerorts grundsätzliche (Trainer-)Fragen gestellt haben. Darf der wichtigste (aber auch am schnellsten austauschbare) Angestellte bleiben? Bei Borussia Dortmund haben sie dazu die Haltung entwickelt, dass Edin Terzic, früher Fan, heute Coach, weitermachen darf.

Der in der Außenwahrnehmung nicht unsympathische Fußballlehrer hat den Vertrauensbeweis seinem Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke zu verdanken. Bessere Ergebnisse im neuen Jahr braucht Terzic trotzdem, denn irgendwann nützt in der Branche auch die beste Freundschaft nichts. Die kritische Analyse hat auch Tim Walter beim Hamburger SV überstanden – noch so ein emotionaler Standort mit riesiger Reichweite, wenn auch eine Liga tiefer. Während von Terzic mehr Mut zur Offensive gefordert wird, hat Walter den Auftrag, mehr Arbeit in die Defensive zu stecken. Auch er braucht im neuen Jahr deutlich mehr Siege als Niederlagen.

Beim 1. FC Köln waren derweil zehn Pleiten in 16 Bundesligaspielen zu viel. Nur zehn Tore geschossen, bloß zehn Punkte geholt: Das ist die Bilanz eines Absteigers. So gut der Typ Steffen Baumgart in die Domstadt und seine Art ins Rheinland passte: Der Effzeh, von der Fifa zu allem Überfluss mit einer Transfersperre bedacht, will einen Neuanfang, und das ist auch sein gutes Recht.

Die Trennung vom Sympathieträger mit der kultigen Körperhaltung in der Coaching Zone war eine ähnlich schwierige Entscheidung wie vor wenigen Wochen die verfahrene Gemengelage beim FSV Mainz, wo sich Bo Svensson trotz maximaler Verbundenheit mit Stadt und Verein unter Tränen verabschiedete. Die Nullfünfer haben sich kurz vor dem Fest dazu entschlossen, dessen Nachfolger Jan Siewert zu behalten. Der U23-Coach bekommt sogar über 2024 hinaus die Verantwortung bei den Profis. Eines haben die Bekenntnisse in Dortmund, Hamburg oder Mainz gemeinsam: Alle arbeiten weiter doch nur auf Bewährung. Auf milde Gaben kann in diesem gnadenlos auf Erfolg getrimmten Geschäft grundsätzlich niemand hoffen.

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