Thomas Tuchel übernimmt den Trainerposten beim FC Bayern München und hat sich schon einen Plan für seine ersten Tage zurechtgelegt.
München - Als Thomas Tuchel zum ersten Mal die Bayern-Kabine in seinem neuen Wohnzimmer in Fröttmaning betrat, bewies er gleich Humor. Die Trikots der Münchner Spieler hingen fein säuberlich auf den jeweiligen Plätzen. Ohne Umwege steuerte der 49-Jährige das Dress mit der Nummer 13 an: „Zum dritten Mal. Der arme Kerl.“ Gemeint war Eric Maxim Choupo-Moting, der nach gemeinsamen Stationen in Mainz und Paris nun auch in München wieder mit Tuchel zusammenarbeiten wird.
Name: Thomas Tuchel
Geburtsdatum - und ort: 23. August 1973 in Krumbach (Schwaben)
Bisherige Stationen als Trainer: FSV Mainz 05, Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain, FC Chelsea, FC Bayern München
Wenn Tuchel am Dienstag seinen ersten Arbeitstag an der Säbener Straße antritt, wird der Stürmer einer der wenigen Spieler sein, den der neue Coach dort antrifft. Es ist Länderspielpause und in dieser Phase herrscht bekanntlich wenig Betrieb in der roten Fußballzentrale.
Neben Choupo, der seine Rückenprobleme in den Griff bekommen möchte, wird Tuchel immerhin auf die beiden Kapitäne Manuel Neuer (Reha nach Schien- und Wadenbeinbruch) und Thomas Müller (nicht für die Nationalmannschaft nominiert) sowie Jamal Musiala (Aufbautraining nach Muskelfaserriss) treffen.
Tuchel über BVB-Spiel: „Erstes Ausrufezeichen setzen“
Der Großteil der Nationalspieler wird erst Mittwoch oder Donnerstag zurückerwartet. Leroy Sané, ebenfalls nicht für den DFB nominiert, durfte laut Bild mit Erlaubnis des Vereins seine Familie in England besuchen. Viel Zeit zum Trainieren bleibt also nicht vorm Spitzenspiel gegen Dortmund.
Einen Plan für das brisante Duell, in dem sich die Bayern die Tabellenführung zurückerobern wollen, hat der Taktik-Tüftler trotzdem schon im Kopf: erst Training in Gruppen, Freitag das erste Mal gemeinsam - und am Samstag eine Taktik-Einheit. „Es ist eine entscheidende Saisonphase. Es gilt, am Samstag das erste Ausrufezeichen zu setzen“, sagt Tuchel.
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
Tuchel kündigt Umbruch an: „Werden nicht alle Spieler happy sein“
Darüber hinaus ist nicht geplant, Führungsspieler auf DFB-Reise wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka vorab telefonisch zu kontaktieren, weil er ein Freund des persönlichen Gesprächs sei - und niemanden, sich selbst eingeschlossen, überfrachten möchte: „Es werden nicht alle Spieler super happy sein. Es passiert ein großer Umbruch. Da kann Unsicherheit entstehen.“
Bisher kennt Tuchel die meisten Spieler nur vom Papier oder früheren Begegnungen. Was ihm demnächst regelmäßig über den Weg läuft, scheint ihn aber zu gefallen: „Man kann mit diesem Kader um jeden Titel spielen.” Damit ist freilich auch die Schale gemeint, die Tuchel in seiner Trophäen-Sammlung noch fehlt.
Tuchel weiß um Druck als Bayern-Trainer
Nur mit einem Sieg gegen seinen Ex-Klub haben die Münchner den Kampf um die Schale wieder in der eigenen Hand. Viele taktische Änderungen möchte der Neue dafür nicht vornehmen: „Es ist nicht die Zeit für große Wechsel in der Systematik oder in der Taktik. Weniger ist mehr. Ich habe eine Idee davon, was man machen kann.“
Dass Tuchel ein Experte auf dem Gebiet für die Übernahme einer Mannschaft mitten im Saisonbetrieb ist, hat er bei seiner vorherigen Station in Chelsea bewiesen: Die Blues übernahm er auf Tabellenplatz neun, kletterte mit ihnen bis auf Rang vier - und gewann die Champions League. In München ist sogar noch das Triple für ihn möglich: „Das setzt mich natürlich unter Druck. Aber wenn du bei Bayern unterschreibst, geht es darum, um alle Titel mitzuspielen.“ Das Spiel gegen Dortmund wird so oder so wegweisend. (bok)