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Beim FC Bayern geraten nach dem Champions-League-Aus Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic schwer in die Kritik. Thomas Tuchel spricht plötzlich über Uli Hoeneß.
München - Es rumort gewaltig beim FC Bayern: Nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen Manchester City durch das 1:1 (0:0) im Rückspiel kommt spätestens jetzt die Arbeit der Bosse von der Säbener Straße auf den Prüfstand.
FC Bayern: Steht CEO Oliver Kahn in München zur Disposition?
An diesem Donnerstag (20. April) sorgte ein Tweet des TV-Experten Jan Aage Fjörtoft für Aufsehen, wonach Vorstandschef Oliver Kahn als CEO sogar vor dem Rauswurf stehe. Vereinspräsident Herbert Hainer dementierte das Gerücht umgehend. Es schwebt dennoch über dem angeschlagenen Bundesliga-Rekordmeister aus der Isarmetropole.
In dieser Gemengelage ließ auch ein Satz auf der Pressekonferenz in der Münchner Allianz Arena aufhorchen. Gesprochen hatte diesen Trainer Thomas Tuchel. „Ich habe dem Uli Hoeneß bei der Unterschrift versprochen, dass wir auf die Werte des Vereins aufpassen werden“, sagte der 49-Jährige. Markant: Hoeneß hatte sich im November 2019 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Doch: Hat der Patriarch vom Tegernsee viel mehr Macht als nach außen kommuniziert?
Uli Hoeneß: Viel mehr Macht beim FC Bayern als gedacht?
Tuchel ließ zumindest keinen Zweifel daran: Als der bayerische Schwabe den oberbayerischen Bayern Julian Nagelsmann Ende März als FCB-Coach ablöste, saß Hoeneß offensichtlich mit am Tisch.
Zur Einordnung: Der 71-jährige Hoeneß ist Teil des Aufsichtsrates der Bayern, dem gegenüber Vorstand und Geschäftsleitung der ausgegliederten Profi-Abteilung rechenschaftspflichtig sind.
Ich habe dem Uli Hoeneß bei der Unterschrift versprochen, dass wir auf die Werte des Vereins aufpassen werden.
Unmittelbare Entscheidungen im Umfeld der Profi-Mannschaft trifft der Aufsichtsrat eigentlich nicht - eigentlich. Der Kicker kommentierte am Donnerstag mit Blick auf die letztlich unstimmige Kader-Zusammenstellung (kein Mittelstürmer von Weltformat, dafür sieben Außenverteidiger): „Zu verantworten haben das in erster Linie Vorstands-Boss Oliver Kahn und Salihamidzic. Die Frage lautet, wann ihr Wirken in Frage gestellt wird, wie lange der nach wie vor mächtige Hoeneß im und mit dem Aufsichtsrat dem Treiben zuschaut.“
FC Bayern: Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic geraten schwer unter Druck
Muss Kahn wirklich gehen? Fjörtoft brachte sogar ein mögliches Comeback von Hoeneß als Manager in die Debatte ein. Eine zu gewagte These? Vorstandschef Kahn verteidigte die Kaderplanung der Bayern nach dem dritten Viertelfinal-Aus in der Königsklasse in Folge, für die er gemeinsam mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic zuständig ist. Ebenso für Gespräche mit Trainern - eigentlich nur die beiden Bosse.
„Ich glaube nicht, dass wir es verpasst haben, einen Mittelstürmer zu holen. Nach dem Lewandowski-Abgang haben wir uns umgeschaut. Es gibt aber Einfacheres als einen Top-Stürmer zu bekommen. Vor allem in welchem Preissegment es anfängt, ist eine ganz spezielle Frage“, sagte der 53-jährige Badener bei DAZN.
Während im Hintergrund die Debatte über die Arbeit der Münchner Bosse rasant an Fahrt aufnimmt, nachdem bereits die Experten Lothar Matthäus („Nestwärme früher mehr gelebt“) und Thomas Helmer im Gespräch mit der tz („An so viele Baustellen wie aktuell kann ich mich eigentlich gar nicht erinnern“) diese eingeleitet hatten, muss Tuchel schleunigst zusehen, dass er seine Mannschaft wieder aufrichtet.
FC Bayern: Wanken die Münchner jetzt auch in der Bundesliga?
„Am Samstag müssen wir nach Mainz (15.30 Uhr, hier im Live-Ticker, d. Red.), und es ist wieder eine Willensleistung nötig. Damit wir die Gier und den Hunger zeigen, um die Ziele des FC Bayern zu erreichen“, sagte der einstige BVB-Coach auf der PK und kam nochmal auf seine Vertragsunterschrift zu sprechen: „Dieses Versprechen gibst du mit der Unterschrift ab. Samstag ist eine Charakterprobe.“
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