VonDaniel Schmittschließen
Ingo Durstewitzschließen
Wenn die Eintracht wechselt, sinkt das Niveau - Trainer Dino Toppmöller reagiert entsprechend spät.
Sasa Kalajdzic konnte nicht mehr, schon eine ganze Weile sogar, 20, vielleicht 30 Minuten lang hatte er sich nur noch über den Platz geschleppt. Aber in dieser 88. Spielminute verließen den angreifenden Neuzugang von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt endgültig die Kräfte. Er sank danieder, nahm Platz auf dem Hosenboden, hielt sich den linken Knöchel, schmerzverzerrtes Gesicht. Ende, aus, nichts ging mehr, mal abgesehen von einer meinungsstarken Spielanalyse im Anschluss ans enttäuschende 2:2 der Frankfurter beim SV Darmstadt.
Körperlich also war der noch immer an seiner knappen Spielzeit in Wolverhampton knapsende Kalajdzic ans Limit gegangen, und auch darüber hinaus. Er lief 11,35 Kilometer, sprintete 30-mal, gewann sechs seiner zehn Zweikämpfe, bereitete das 2:0 mit einem schlechten Schuss unfreiwillig vor und spielte den entscheidenden vorletzten Pass zum 1:0. Kurz: Sasa Kalajdzic, der Leihstürmer, machte ein richtiges gutes Spiel, machte einen klaren Fortschritt im Vergleich zum Debütauftritt in Leipzig.
„Er war sehr präsent“, fand der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche, während auch der Trainer Dino Toppmöller „zwei Topmomente“, die Torvorbereitungen, seines Sturmturms erkannte. Doch: „Es können gerne mehr sein.“ Er, Toppmöller, erwarte noch mehr Aktivität vom Österreicher. Kein großes, aber doch ein überraschendes Rumkritteln des Chefs an seinem mit weitem Abstand besten Mann des Samstagnachmittags.
Sasa Kalajdzic bewies, weshalb ihn die Eintracht verpflichtet hat. Da steht jetzt nicht nur ein Zwei-Meter-Kerl vorne herum und wartet auf hohe Zuspiele der Kollegen, die, das nur am Rande, noch viel zu selten in den Sechzehner segeln. Sondern da ist auch einer, der ausgesprochen gut mit dem Ball am Fuß umgehen kann. Der 26-jährige Wiener öffnete mehrfach die offensiven Räume für die Mitspieler, in dem er sich zurückfallen ließ ins Mittelfeld, dort die Bälle verteidigte und geschickt weiterleitete. Und selbst dann, als ihn nach etwas mehr als einer Stunde sichtbar die Kräfte verließen, die Beine schwer wurden, wehrte er sich körperlich, stemmte sich dagegen in den Zweikämpfen, zog Fouls.
Kalajdzic geht ans Äußerste
Zur Wahrheit gehört: Eigentlich hätte Kalajdzic in dieser Phase ausgewechselt werden müssen, eine frische Kraft für mehr Tiefe und Entlastung im Spiel sorgen sollen. Doch wer? Die in Abwesenheit des Afrika-Cup-Fahrers Omar Marmoush einzig verbliebene Sturmspitze, Jessic Ngankam, lässt seit Monaten Bundesliganiveau vermissen, ist ein deutliches Downgrade. Obzwar der gebürtige Berliner, gekommen erst in der 89. Minute für Kalajdzic, für die späten Punkteverluste nicht verantwortlich gemacht werden kann, ist doch offensichtlich, dass Toppmöller die Alternativen auf der Bank fehlen.
Vier Profis wechselte der Trainer erst kurz vor oder in der Nachspielzeit ein - darunter Hrvoje Smolcic als Sechser und Comebacker Sebastian Rode als rechten Halbstürmer auf für sie ungewohnten Positionen. Doch es ist dies Toppmöller kaum anzulasten, längst ist ja bekannt, dass die zweite Reihe trotz Fitnessvorteilen das Frankfurter Spielniveau senkt.
Ngankam, Smolcic, Jens Petter Hauge, Paxten Aaronson - allesamt Profis, die aus verschiedensten Gründen den hohen Ansprüchen der Eintracht im Grunde nicht genügen. Wenn zu allem Überfluss Aurelio Buta, der erste Einwechselspieler des Tages (64.) und an für sich ein solider Spieler, einen rabenschwarzen Tag erwischt, er nur Fehlpässe oder Fouls begeht, wird es eng, können Begegnungen wie in Darmstadt eben kippen. „Er war nicht ganz so glücklich in seinen Aktionen“, deckelte Toppmöller den Rechtsverteidiger nur sachte, denn er, der Trainer, kenne auch die Gründe dafür. Verraten wollte Toppmöller sie öffentlich nicht.
Die fehlende Breite des Frankfurters Kader ist die gesamte Saison ein Problem. Verbessern wird sie sich, wenn Marmoush, Fares Chaibi und Ellyes Skhiri vom Afrika-Cup zurückkehren - das Trio zittert noch ums Weiterkommen in den jeweiligen Gruppen. Oder wenn Manager Krösche einen weiteren Stürmer verpflichtet. Der hätte den Frankfurter ohne Zweifel auch in Darmstadt bereits gut zu Gesicht gestanden. Vielleicht hätte er ihnen sogar zwei Punkte mehr beschert. Völlig hypothetisch, natürlich.

