FCB-Star Kane steht sinnbildlich für die Torkrise

Fiasko in Rotterdam: Ohnmacht in der Offensive des FC Bayern

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Harry Kane ist der treffsicherste Spieler des FC Bayern. Doch seit ein paar Wochen hapert es bei seiner Chancenverwertung.

München – Beim FC Bayern kommt die Offensive im neuen Fußballjahr einfach nicht so richtig in Schwung. Beim 0:3 am Mittwochabend in Rotterdam war vor allem der Umgang mit Torchancen ein großer Kritikpunkt.

„Ich finde ein bisschen, diese mangelnde Chancenverwertung ist so ein Problem, was wir gerade in diesem Jahr haben. In der Hinrunde war es oft so, dass wir mit der ersten Chance in Führung gehen konnten, dadurch auch vermeintlich einfache Spiele hatten. Da tun wir uns momentan sehr, sehr schwer“, analysierte Joshua Kimmich und meinte damit sowohl den Münchner Auftritt beim 1:0 in Gladbach als auch das 3:2 am vergangenen Samstag gegen Wolfsburg. „Das war dieses Mal wieder der Fall – und wenn du dann in Rückstand gerätst, dann wird es deutlich schwieriger“, so der Mittelfeldchef weiter.

Harry Kanes Vorgänger: Legendäre Neuner des FC Bayern München

Gerd Müller jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Die erste große Nummer 9 des FC Bayern trug den Namen Gerd Müller. Über ein Jahrzehnt lief der mittlerweile verstorbene „Bomber der Nation“ mit dieser Zahl auf, insgesamt schoss er in 611 Pflichtspielen 568 Tore für die Münchner. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Dieter Hoeneß bei einem Spiel des FC Bayern
Auch Dieter Hoeneß, jüngerer Bruder von FCB-Patron Uli, trug in den 80er Jahren das Jersey mit der 9. Der Mittelstürmer erzielte in seiner Zeit an der Isar 145 Tore und bereitete 14 weitere vor. © imago sportfotodienst
Roland Wohlfarth bei einem Spiel des FC Bayern
Roland Wohlfarth wechselte mehrfach seine Rückennummer, am häufigsten lief er aber mit der 9 auf. Bis zu seinem Abgang zum französischen Klub AS Saint-Etienne netzte der gebürtige Bocholter in 332 FCB-Spielen 156 Mal. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Michael Rummenigge bei einem Spiel des FC Bayern
Lediglich in der Saison 1983/84 zierte die 9 das Trikot von Michael Rummenigge, in der Spielzeit schoss der offensive Mittelfeldspieler in 44 Pflichtspielen 18 Buden. Am häufigsten spielte er übrigens mit der 10, sowohl beim FC Bayern als auch bei Borussia Dortmund. © imago sportfotodienst
Bruno Labbadia bei einem Spiel des FC Bayern
Vor seiner Zeit als Bundesliga-Trainer war Bruno Labbadia in der höchsten deutschen Spielklasse als Stürmer unterwegs. Seine Zeit beim FCB fand mit der deutschen Meisterschaft 1993/94 ein erfolgreiches Ende. Auf dem Rücken: die Nummer 9. © Imago Images / Sven Simon
Alexander Zickler bei einem Spiel des FC Bayern
Mittlerweile als Co-Trainer bei RB Leipzig unter Marco Rose tätig, trieb Alexander Zickler in den 90er und 2000er Jahren in gegnerischen Strafräumen sein Unwesen. In der Spielzeit 94/95 auch zeitweise mit der legendären Nummer auf dem Rücken. Zehn Tore erzielte er in dieser Saison, insgesamt traf er für den FCB 70 Mal. © Imago Images / Sven Simon
Jürgen Klinsmann bei einem Spiel des FC Bayern
Als Trainer der DFB-Elf war Jürgen Klinsmann hauptverantwortlich für das Sommermärchen 2006, zuvor machte er sich als brandgefährlicher Mittelstürmer einen Namen. Schon beim VfB Stuttgart und bei Inter Mailand trug er die 9 auf dem Rücken, die Tradition setzte sich 95/96 auch in München fort. © imago sportfotodienst
Giovane Elber jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Der Brasilianer mit dem verschmitzten Grinsen kickte sechs Jahre für den deutschen Rekordmeister und durfte 131 Bundesliga-Treffer bejubeln. Bis heute Platz drei unter ausländischen Torschützen im deutschen Oberhaus. Egal ob mit links, rechts oder dem Kopf – bei allen hatte er die 9 auf dem Trikot.  © imago sportfotodienst
Luca Toni jubelt einen Treffer für den FC Bayern
Apropos Jubel: Wenn nach einem Tor mal wieder am Ohr geschraubt wurde, war Luca Toni für den FC Bayern zur Stelle. Von 2007 bis 2010 kickte der großgewachsene Italiener in München, gewann zwei Meistertitel und ein Mal den DFB-Pokal – natürlich trug er dabei die 9. © imago sportfotodienst
Mario Mandzukic jubelt über einen Treffer für den FC Bayern
Nachdem er beim VfL Wolfsburg gemeinsam mit Zvjezdan Misimovic und Grafite die Liga verzauberte, ging Mario Mandzukic für rund 13 Millionen Euro nach München. Mit dem kroatischen Angreifer gewann der FCB die Champions League, Mandzukic steuerte auf dem Weg zum Titel drei Treffer bei. Auch im legendären Finale gegen den BVB netzte er zum 1:0. © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
Robert Lewandowski bejubelt einen Treffer für den FC Bayern
Der jüngste Vorgänger von Harry Kane – und auch einer der erfolgreichsten. Kaum ein Angreifer prägte die Bundesliga und den FC Bayern über so eine lange Zeit wie Robert Lewandowski. 2022 ging er nach acht Saisons, 375 Pflichtspielen und 344 Toren ablösefrei zum FC Barcelona. Dort sicherte er sich, wie zuvor schon in München, das Oberteil mit der Rückennummer 9. © Imago / Action Pictures
Harry Kane bei einem Spiel des FC Bayern
Nun also Harry Kane. Für kolportierte 100 Millionen Euro plus möglichen Boni kam der Engländer Mitte August von Tottenham an die Isar und soll die Münchner bestenfalls zu einigen Titeln schießen. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Fiasko in Rotterdam: Ohnmacht in der Offensive des FC Bayern

Auf dem Papier waren die Bayern gegen Feyenoord zwar drückend überlegen: 30:8 Schüsse, 116:16 Angriffe, 13:1 Ecken. Davon kann sich der deutsche Rekordmeister aber freilich nichts kaufen. „Ich habe in der 70. Minute mal geguckt: Wir hatten 27:4 Torschüsse. Das Problem ist halt: Wenn du draufschießt und der Ball nicht drin ist, hilft es nix“, meinte CEO Jan-Christian Dreesen bei seiner Bankett-Rede nach dem blamablen Ergebnis gegen den niederländischen Traditionsclub. „Wenn das Spiel noch zwei Stunden länger gegangen wäre, hätten wir auch kein Tor geschossen. Das ist halt so.“ Traurig mit Blick auf die hochkarätig besetzte Offensive des deutschen Rekordmeisters.

Sinnbildlich für die Sturmflaute steht Harry Kane. Zwar hat der Kapitän der englischen Nationalmannschaft, der im Sommer 2023 für rund 100 Millionen Euro Ablöse von Tottenham nach München gewechselt war, in dieser Saison schon starke 22 Tore in 24 Pflichtpartien erzielt. Seit dem 22. November hat der 31-Jährige aber nicht mehr aus dem Spiel heraus getroffen.

„Er hat schon so viele Höhen und Tiefen gehabt. Wenn einer damit umgehen kann, dann ist es Harry Kane. Aus dem Spiel heraus hat er lange nicht getroffen, wenn man die Verletzung dazu nimmt“, betonte Sportvorstand Max Eberl. Der frühere Leipzig-Boss stellt klar: „Natürlich brauchen wir seine Tore. Und er weiß es, er ist wahrscheinlich derjenige, der am meisten kritisch mit sich umgeht. Aber ich glaube nicht, dass es bei Harry ein Kopfproblem auslöst.“

Bayerns Superstürmer Harry Kane (li.) vergab beim 0:3 gegen Feyenoord Rotterdam gute Torchancen.

Auch Manuel Neuer steht Bayern-Stürmer Harry Kane bei

Auch Kapitän Manuel Neuer steht Kane bei. „Ich glaube, dass er grundsätzlich die richtigen Entscheidungen trifft und dass es da immer auch mal eine Flaute geben kann“, meinte der Torhüter. „Wir, die jetzt schon sehr lange dabei sind, wir haben viele Stürmer hier beim FC Bayern erlebt. Da haben einige eine Flaute gehabt.“

In Rotterdam verballerte Kane mehrere dicke Chancen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Seine Offensiv-Kollegen wie Kingsley Coman, Serge Gnabry oder Leroy Sané (alle tz-Note 4) zeigten sich gegen Feyenoord nicht von ihrer besten Seite. Das trifft auch auf Ersatztorwart Sven Ulreich zu.

Der Schwabe sah wegen Meckerns auf der Ersatzbank die Rote Karte und fehlt im letzten Champions-League-Ligaspiel am kommenden Mittwoch gegen Bratislava. Auch bei Alphonso Davies droht ein Ausfall. „Es könnte ein Muskelfaserriss sein, aber vielleicht täuschen wir uns auch. Es könnte auch etwas anderes sein“, sagte Trainer Vincent Kompany. Manuel Bonke, Philipp Kessler

Rubriklistenbild: © IMAGO/Feyenoord Rotterdam v FC Bayern Munchen

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